Anrührende „Aida“

Kämpferisch: Johannes Schwärsky als Amonasro.
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Kämpferisch: Johannes Schwärsky als Amonasro.

Intendantin Dominique Caron setzt bei der Verdi-Oper auf Bewährtes

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11. Juli 2015, 13:52 Uhr

„Aida“ ist eine Bank. Seit ihrer Uraufführung 1871 in Kairo gehört Verdis ägyptisches Historienepos zu den beliebtesten Opern der Welt. In der Inszenierung von Dominique Caron und unter der musikalischen Leitung von Urs-Michael Theus hat es jetzt bei den Eutiner Festspielen Premiere gefeiert: als europäischer Traum vom alten Ägypten und damit als typischer Verdi.

Die Kulissen (Bühne: Ursula Wandares) strahlen sandsteinfarben. Wüstenhitze ist da auch im norddeutschen Sommer greifbar. Lotos und Hieroglyphisches ist auf Palast- und Tempelbauten zu sehen, ganz klar, wir sind in Ägypten. Hier haben Verdi und sein Librettist, versehen mit einem Auftrag aus der damaligen osmanischen Provinz Ägypten, ihre „Aida“ angesiedelt; vorrangig um Unterhaltung, weniger um historische Treue ging es schon damals.

Auch die Eutiner Inszenierung will nicht belehren, sondern zerstreuen, Caron, keine Frau der Experimente, setzt auf Bewährtes. Sie tut auf dieser Bühne gut daran.

„Aida“, das ist Pharaonenpracht und Liebe in Zeiten kriegerischer Verstrickungen, Machtgebaren und leidenschaftlicher Rachedurst. Die Geschichte ist vertrackt. Aida ist eine äthiopische Prinzessin, die als Geisel am Hof des Pharao gefangen ist. Sie und Prinzessin Amneris lieben mit dem Feldherrn Ramades den gleichen Mann, der wiederum siegreich gegen die Äthiopier zu Felde zieht und Aidas Vater als Gefangenen vor den Pharao führt. Dieser Vater verlangt von Aida, sich für die Heimat und damit gegen den Geliebten zu entscheiden. Am Ende der Tragödie Tod.

Gesungen wird auf der Freilichtbühne in italienischer Sprache. Eine Stimme aus dem Off gibt vor den Szenen notwendige Informationen zum Geschehen. Die verwickelten Befindlichkeiten allerdings können damit nicht ausgeleuchtet werden. Wer die Geschichte nicht kennt, tut gut daran, sich vorher einen Überblick zu verschaffen.

Auf der Bühne geht es unterdessen so altägyptisch zu, wie es in der europäischen Fantasie verankert ist. Pharao und Priester zeigen gemessene Würde, die Prinzessin grazilen Stolz, die Hofdamen Anmut. Man kann nicht umhin, an Liz Taylor als Cleopatra und an „Asterix und Kleopatra“ zu denken, aber das gibt dem Geschehen zusätzliche Würze.

Stimmlich ist das Bühnenpersonal gut in Form, besonders gut Susanne Braunsteffer in der Titelrolle und Milana Butaeva als Prinzessin Amneris, die mit Eduardo Aladrén als Feldherr Radames und Christoph Woo als Pharao um Szenenapplaus wetteifern. Dazu große Chorszenen, Triumphmarsch und eine Verbeugung vor italienischer Opernkultur - man darf sich gut unterhalten fühlen von dieser „Aida“.

Weitere Aufführungen: 17., 18., 25. und 31. Juli, jeweils 20 Uhr sowie am 9. und 13. August.

Infos unter www.eutiner-festspiele.de; Kartentelefon 04521/80010


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