Bad Malente-Gremsmühlen : Anlieger wollen Spielplatz behalten

Bürgermeister Michael Koch nahm von Monika Petersen die Unterschriftenliste in Empfang. Lea, Fenja (hinten) , Marieke, Aron und Shania (von links) warben unterdessen mit selbstgemalten Bildern für den Erhalt ihres Spielplatzes. Fotos: Schröder
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Bürgermeister Michael Koch nahm von Monika Petersen die Unterschriftenliste in Empfang. Lea, Fenja (hinten) , Marieke, Aron und Shania (von links) warben unterdessen mit selbstgemalten Bildern für den Erhalt ihres Spielplatzes. Fotos: Schröder

Monika Petersen hat 99 Unterschriften gegen Pläne der Gemeinde gesammelt / Deutliche Kritik an Vorgehensweise der CDU-Fraktion

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15. Januar 2015, 13:33 Uhr

Die kleine Shania brachte es auf den Punkt: „Der Spielplatz soll nicht verkauft werden“, forderte die Sechsjährige von Bürgermeister Michael Koch. Im Rathaus hatten sich acht Erwachsene mit mehreren Kindern eingefunden, um dem Verwaltungschef eine Unterschriftenliste zu übergeben. Darin fordern 99 Malenter den Erhalt des Spielplatzes in der Wilhelm-Ehrich-Straße. „Ich habe nur drei Absagen bekommen“, berichtete Monika Petersen. Die Anliegerin war in Wilhelm-Ehrich-Straße, Rumer Weg und Meisenweg von Haus zu Haus gezogen.

Im November hatte sich der Planungsausschuss auf CDU-Initiative einstimmig dafür ausgesprochen, drei Spielplätze in der Gemeinde, darunter den in der Wilhelm-Ehrich-Straße, aufzugeben und, soweit möglich, in Bauland umzuwandeln. Der Spielplatz werde kaum noch genutzt, argumentierte die CDU. Zwar hatte eine Anwohnerin zuvor bereits in einem Leserbrief im „Ostholsteiner Anzeiger“ darauf hingewiesen, dass der Spielplatz sehr wohl noch genutzt werde, doch das beeindruckte die CDU offenbar nicht.

Bürgermeister Michael Koch würdigte die Initiative der Anlieger als „Ausdruck von Bürgerengagement“. Allerdings machte er deutlich, dass die Entscheidung letztlich nicht bei ihm, sondern bei der Gemeindevertretung liege. Doch die Unterschriftensammlung werde in der Diskussion sicherlich berücksichtigt: „Das ist ja ein Signal an Politik und Verwaltung“, sagte Koch.

Hinter den Überlegungen stünden auch finanzielle Erwägungen, machte der Bürgermeister deutlich. So habe allein der Spielplatz in der Wilhelm-Ehrich-Straße im vergangenen Jahr Kosten von mehr als 2000 Euro für Pflege und Instandhaltung von Spielgeräten verursacht. Andererseits solle nach Verwaltungsauffassung kein Kind einen weiteren Weg als 700 Meter zu einem Spielplatz haben. Derzeit untersuche die Verwaltung eine Vielzahl von Kriterien. „Wir werden im Laufe des Jahres mit dem Ergebnis der Prüfung in den Planungsausschuss gehen“, kündigte Koch an und versprach, die Anlieger vor der entsprechenden Sitzung zu informieren.

Das CDU-Argument, der vor 33 Jahren eingerichtete Spielplatz sei überflüssig, da die Anlieger selbst Spielgeräte im Garten hätten, will Hans-Werner Petersen nicht gelten lassen. „Die Kinder sollen ja zusammenkommen.“ Auch das Argument, der Spielplatz werde kaum noch genutzt, zieht bei Hans-Werner Petersen nicht. „In unsere Siedlung sind schon einige Leute gezogen mit dem Satz: ,Das ist gut, hier ist ja ein Spielplatz‘“, erklärte er. Den Spielplatz nun aufzugeben, sei Ausdruck „kurzfristigen Denkens“, und seine Frau Monika assistierte: „Der Spielplatz ist da, funktionsfähig und wird genutzt.“ Zu den jungen Nutzern gehört auch ein ebenfalls in der Wilhelm-Ehrich-Straße wohnendes Enkelkind von Monika Petersen. Die 66-Jährige kümmert sich ehrenamtlich um den Platz: „Die Reinigung übernehme ich schon seit ein paar Jahren. Einmal habe ich zwölfeinhalb Stunden dafür gebraucht.“ Sie rufe nur den Bauhof an, damit der das Gesammelte abhole.

Kritik übte Anlieger Burghard Thiel an der Vorgehensweise der CDU: Anders als von der CDU-Fraktion behauptet, seien die Anlieger nicht befragt worden, ob der Spielplatz noch genutzt werde. „Das ist nie geschehen. Das ganz hat mit einer Lüge angefangen“, rügte der ehemalige SPD-Gemeindevertreter. In einem Gespräch mit CDU-Fraktionschef Hans-Werner Salomon – ebenfalls Anlieger der Wilhelm-Ehrich-Straße – sei dies nicht ausgeräumt worden, bedauerte Thiel. „Wir haben von Herrn Salomon keine Aufklärung bekommen, warum das so angefangen hat.“

Der Plan, den Spielplatz zu Bauland zu machen, ist aus Thiels Sicht ohnehin zum Scheitern verurteilt. Denn im Untergrund verlaufe die Kanalisation, weshalb das Grundstück das denkbar ungeeignetste sei, um darauf ein Haus zu bauen.

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