Aus dem Gericht : Anklage wegen Exhibitionismus

Ein 39-jähriger Süseler soll eine Zeitungsausträgerin massiv sexuell belästigt haben.

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18. Januar 2012, 11:16 Uhr

Eutin | Mit der Entblößung seines Geschlechtsteils und vulgären Aufforderungen zum Geschlechtsverkehr soll ein 39-Jähriger in Scharbeutz im Februar 2011 eine Zeitungsausträgerin massiv sexuell belästigt haben. Ob der Exhibitionismus-Vorwurf der Staatsanwaltschaft stimmt, konnte gestern vor dem Eutiner Amtsgericht vorerst nicht geklärt werden. Die Geschädigte erschien nicht zur Verhandlung. Amtsrichter Jörg Fricke verhängte daraufhin ein Ordnungsgeld von 150 Euro gegen die Frau.

Der zurzeit arbeitslose Gastronomieangestellte bestritt den Vorwurf der Anklage. Er habe auf dem Weg zur Mittagspause dringend einem menschlichen Bedürfnis nachgehen müssen, schilderte der Mann. "Ich wollte zum Pinkeln ins Gebüsch." Deshalb habe er seinen roten Motorroller abgestellt und sich etwas abseits der Straße an einem Abhang erleichtert. Noch während er damit beschäftigt gewesen sei, habe die Zeugin plötzlich hinter ihm gestanden und ihn angefahren: "Du Sau, kannst du nicht auf Toilette gehen?" Daraufhin habe er geantwortet: "Warum bist du stehengeblieben? Willst du mir einen blasen?" Die unverschämte Antwort sei "ein Reflex gewesen", räumte der sich in diesem Punkt kleinlaut gebende Angeklagte ein. "Da kann ich mich wirklich nur für entschuldigen." Mehr sei jedoch nicht vorgefallen, beteuerte er.

Massive Zweifel an der Version des Angeklagten äußerte der Staatsanwalt. Es sei "ja eine merkwürdige Konstellation", dass sich die Zeugin eine solche Geschichte ausdenke, nachdem es nur zu der von dem Angeklagten geschilderten Situation gekommen sein soll. Die Frau hatte bei der Polizei geschildert, der Angeklagte habe ihr zunächst im Hausflur aufgelauert und sich vor ihr selbstbefriedigt. Anschließend sei er hinter ihr hergelaufen und habe sie festgehalten. Mit dem Satz "Willst du einen heißen Quickie mit mir?" und weiteren nicht druckreifen Worten habe er sie dann zum Sex aufgefordert.

Merkwürdig kam dem Staatsanwalt auch vor, dass der Angeklagte nur wenige hundert Meter von seiner Arbeitsstätte entfernt plötzlich den Drang zur Toilette verspürt haben will. Für Amtsrichter Fricke stand fest: "Ohne die Zeugin kommen wir nicht weiter." Noch im Gerichtssaal stimmte er mit den Prozessbeteiligten einen neuen Termin ab. Die Verhandlung soll nun am 31. Januar um 11 Uhr fortgesetzt werden.

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