Anhänger-Vermietung nur für Deutsche

Mit ihrem französischen Pass konnte Anne Müller-Lochet an der Aral-Tankstelle nichts werden.
Foto:
1 von 1
Mit ihrem französischen Pass konnte Anne Müller-Lochet an der Aral-Tankstelle nichts werden.

Anne Müller-Lochet lebt seit über 40 Jahren in der Region, doch eine Aral-Tankstelle in Eutin wollte mir ihr kein Geschäft machen. Grund: ihr französischer Pass.

shz.de von
23. Dezember 2017, 04:00 Uhr

Es schien nur eine Kleinigkeit zu sein. Anne Müller-Lochet wollte sich einen Anhänger ausleihen, um gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Feuerholz zu transportieren. Die Französin, die in Rouen in der Normandie groß geworden ist, kam vor 42 Jahren nach Deutschland und lebt seitdem in der Malenter Dorfschaft Benz. Vier Kinder hat sie dort großgezogen, arbeitet als Sprachlehrerin an der Eutiner Volkshochschule. Einen deutschen Pass hat sie nie beantragt. „Wir haben ja die EU“, dachte die 62-Jährige.

Deutsche Papiere hat sie nie gebraucht. Bis sie ihren französischen Pass bei der Eutiner Aral-Tankstelle in der Plöner Straße vorzeigte, um dort den erhofften Miet-Anhänger zu bekommen. „An Ausländer vermieten wir nicht“, habe die klare, aber niederschmetternde Auskunft gelautet. Im Pass steht selbstverständlich ihre Malenter Adresse, und ihr Auto hat ein Ostholsteiner Kennzeichen. Doch das beeindruckte den Mann an der Kasse offenbar nicht. Selbst als Anne Müller-Lochet fragte, wie es sein könne, dass dieselbe Tankstelle ihr vor zwei oder drei Jahren im Gegensatz zu jetzt einen Anhänger vermietet habe, blieb der Mann stur: „Dann haben Sie Glück gehabt“, habe der bloß entgegnet.

Das sorgt bei der Französin für Empörung: „Als Europäerin fühlt man sich diskriminiert.“ Sie habe sich wie eine Bürgerin zweiter Klasse gefühlt. Schon öfter sei sie im Ausland auf Reisen gewesen und habe dort Autos gemietet: in der Türkei, Italien, Österreich, Spanien – das sei nie ein Problem gewesen. Sie versteht nicht, warum das in Eutin plötzlich nicht möglich sein soll.

Ein Mitarbeiter des Tankstellen-Besitzers bestätigte dem Ostholsteiner Anzeiger, dass nicht an Ausländer vermietet werde. Allerdings sieht man sich dort nicht in der Verantwortung. Man verleihe die Anhänger nur im Auftrag. „Wir haben die Anweisung, dass eine Vermietung nur mit deutschen Ausweis erfolgen darf“, hieß es. Gegen diese Vorgabe des Geschäftspartners dürfe man schließlich nicht verstoßen.

Der eigentliche Vermieter ist die Firma „Schlenker Mietservice“ in Mönkeberg bei Kiel. Inhaber Leif Schlenker war zu keiner Stellungnahme bereit. Das Telefongespräch mit dieser Zeitung brach er ohne einen Kommentar zur Sache ab, eine Rückrufbitte auf seiner Mailbox blieb ohne Antwort.

Aus Sicht des Europäischen Verbraucherzentrums im baden-württembergischen Kehl verstößt der Vermieter mit seiner Vorgabe gegen europäisches Recht: „Nach der EU-Dienstleistungsrichtlinie darf einem Verbraucher die Ware oder Dienstleistung nicht aufgrund der Staatsangehörigkeit oder dem Wohnsitz verweigert werden“, erklärte Pressesprecher Jonas Maunichy. Verstoße ein Dienstleister in der EU gegen die-ses Diskriminierungsverbot, könne er von der zuständigen Behörde – in der Regel dem Gewerbeaufsichts- oder Ordnungsamt, in dessen Zuständigkeitsbereich der Dienstleister seinen Firmensitz habe – mit einem Bußgeld belegt werden.

Einen Anhänger hat Anne Müller-Lochet übrigens doch noch bekommen. „Der Vermieter in Eutin-Fissau hat nicht mal nach meinen Papieren gefragt, obwohl er mich vermutlich nicht kennt“, berichtet die Benzerin. Lediglich ihren Namen habe sich der Man notiert.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen