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Ostholsteiner Anzeiger

17. Dezember 2017 | 19:17 Uhr

Angriffslustig oder eher abwägend

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Bei den „Bürgern für Eutin“ offenbaren die beiden Bürgermeisterkandidaten unterschiedliche Herangehensweisen an Problemlagen

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2016 | 13:14 Uhr

Es bleibt dabei: Offener Streit ist zwischen den beiden Kandidaten für das Eutiner Bürgermeisteramt tabu; was der eine sagt, könnte die andere wohl auch oft unterschreiben und umgekehrt. Doch wenn es um Stellungnahmen zu aktuellen oder klassischen Aufregern der Stadtpolitik geht, sind schon unterschiedliche Tonlagen zu vernehmen.

CDU-Kandidat Carsten Behnk (48, parteilos) lässt da angriffslustig schon mal klare Worte hören, während Regina Poersch (46, SPD) sich, etwa mit Blick auf die Verantwortlichen im Rathaus, eher mal abwägend gibt. Diesen Eindruck hinterließen die beiden Kandidaten jedenfalls am Freitagabend bei den „Bürgern für Eutin“ im Riemannhaus. Dorthin waren 16 Gäste gekommen, um den Bewerbern für die Wahl am 28. Februar auf den Zahn zu fühlen.

Ein Thema, das Carsten Behnk zu einem deutlichen Kommentar veranlasste, war der Bürgerentscheid zum Haus des Gastes, der einem Abriss der Immobilie entgegen dem Willen der Stadtvertretung einstweilen einen Riegel vorgeschoben hat. „Ich finde das unmöglich, wie das jetzt läuft“, kritisierte Behnk, der „Kommunikation rauf und runter“ zuvor als sein tägliches Geschäft bezeichnet hatte. „Man muss den Dialog suchen, dieses Stillhalten ist nicht korrekt“, monierte er.

Regina Poersch fand zum Thema Bürgerbeteiligung dagegen auch Lob für die Stadtverwaltung: „Die haben viel dazugelernt“, stellte sie fest und nannte etwa Baustellenführungen über das Gelände der Landesgartenschau (LGS) oder die Möglichkeit für Bürger, in Sitzungen selbst Fragen an Fachleute zu stellen. Gleichwohl machte auch sie deutlich: „Es muss aber noch vieles besser werden.“ Mit Blick auf das Haus des Gastes erklärte sie: „Wir sollten aus Respekt vor dem Bürgerentscheid diejenigen, die den Abriss und diejenigen, die den Erhalt wollen, an einen Tisch bringen.“ Sie wolle keinen x-beliebigen Hotel-Investor, sagte Poersch, und Behnk warnte vor einem „Hotelklotz“, aus dem irgendwann Eigentumswohnungen werden.

„Würden Sie da im Vorfeld gegensteuern?“, wurden die Kandidaten angesichts eines als unnütz empfundenen ZOB-Neubaus gefragt. Sie äußere da im Gespräch mit Stadtvertretern deutlich ihre Meinung, versicherte Regina Poersch und wies auf Schwierigkeiten für Rollstuhlfahrer am ZOB hin. „Wichtig ist, das wir so öffentlich wie möglich Details diskutieren“, forderte sie.

Carsten Behnk verwies auf seine Meinungsäußerungen zum Ehrenmal, die er im Riemannhaus noch einmal bekräftigte („Ich find das totalen Stuß, das zu verlegen“) und gestand: „Die Stadtvertreter waren zum Teil brüskiert.“ Doch es sei hilfreich, einmal ein Zeichen zu setzen. „Dann wird es in den anderen Fällen auch besser.“ Regina Poersch, die das Ehrenmal auch dort lassen will, wo es ist, versicherte: „Vorlagen gehen über den Tisch der Bürgermeisterin und werden von ihr abgezeichnet und von niemand anderem.“

Zwar will sich Behnk auch nicht in jeden Vorgang einschalten: „Dann kriegen Sie ganz schnell die Rote Karte.“ Doch den Unmut über die bisherige Art der Entscheidungsfindung könne er gut verstehen, räumte Behnk ein und stürzte sich auf das Thema Bahnhofstraße. Dort finde er es extrem eng. „Und man hat schon wieder die Fahrradfahrer vergessen. Und die Fußgänger haben einen Streifen, da können ganze Kompanien angetreten.“

Weitere Themen waren etwa mangelnde Sauberkeit und Schneeräumung, unzureichende oder defekte Straßenbeleuchtung, der Treppenbau am Bahnhof (den beide abgelehnt hätten), Maßnahmen gegen einen beklagten wirtschaftlichen Niedergang der Stadt, eine fehlende Begrüßung von Neubürgern oder der Umgang mit Gutachten: Hier beklagte Behnk ein „Gutachtenunwesen“, während Poersch darauf hinwies, dass „externe Unterstützung auch hilfreich sein“ könne, gerade angesichts der vielen Themen von LGS bis zum Verkehrskonzept.

Dass in Eutin zurzeit vieles im Bewegung ist, verleitete Behnk zu einen Stoßseufzer. „Es werden so viele Dinge angeschoben. Eigentlich müsste man sofort Bürgermeister sein.“ Doch so schnell wird es weder für ihn noch für Regina Poersch gehen. Bis zum 31. Juli bleibt Klaus-Dieter Schulz Chef im Rathaus.

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