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Aus dem Gericht : Angriff mit Machete: Eutiner Wirt muss zahlen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Opfer erlitt 15 Zentimeter lange Schnittwunde auf dem Kopf und bekommt nun 2000 Euro Schmerzensgeld.

Es sind dramatische Szenen, die sich vor gut zwei Jahren am Neujahrstag in einer Gaststätte der Eutiner Innenstadt abspielen. Der Wirt geht wutentbrannt mit einer Waffe – die Rede ist von einer Machete – auf einen Gast los und verletzt ihn damit erheblich am Kopf. Jetzt musste sich der 50-Jährige vor dem Eutiner Schöffengericht wegen schwerer Körperverletzung verantworten. Nach teils widersprüchlichen Zeugenaussagen kam er glimpflich davon. Nachdem sich die Prozessbeteiligten hinter verschlossenen Türen lange beraten hatten, stellte der Vorsitzende Richter Otto Witt das Verfahren vorläufig ein – gegen Zahlung von 2000 Euro Schmerzensgeld an das Opfer, einen 30-Jährigen aus Eutin.

Ein Zeuge erinnerte sich mit Schrecken, wie er zufällig in den Streit hineingeriet, als der Gast gegen 22 Uhr gerade eine Treppe hinunterstürzte. „Ich machte die Tür auf, da kam mir der Geschädigte schon entgegengepurzelt, mit einer Rolle vorwärts, blutüberströmt“, berichtete der 33-jährige Eutiner. Er rief sofort Polizei und Rettungskräfte. Ein Polizeibeamter schilderte den Zustand des Verletzten als „schrecklich“. „Er hatte eine riesenlange Wunde auf dem Kopf. Der erste Gedanke, den ich hatte: Der ist ja tot.“

Ein Rechtsmediziner wird im Laufe des Verfahrens von einer 15 Zentimeter langen, sehr stark blutenden Schnittwunde auf dem Kopf sprechen. Außerdem listet er zahlreiche weitere Blessuren am Körper des Opfers auf. Wie genau sie dem Mann beigebracht wurden, lässt sich nicht mehr klären, die Tatwaffe ist bis heute verschwunden. Ein am Tatort liegender Baseballschläger kommt nach Ansicht des Rechtsmediziners jedenfalls nicht in Frage. Die Verletzungen ließen sich jedoch mit dem Einsatz einer Machete oder eines Buschmessers erklären, wie es der Geschädigte und ein Zeuge gesehen haben wollen.

Der Wirt hüllte sich auf Anraten seines Anwalts in Schweigen. Warum er so in Rage geraten war, ließ sich nicht genau klären. Doch offenbar fürchtete er um seine gerade erst eröffnete Gaststätte, wie der Polizeibeamte aussagte: „Das lasse er sich nicht bieten, dass der Typ da seinen Laden demoliert, schließlich habe er 20 bis 25 000 Euro von seinen Kindern da reingesteckt“, gab er eine Aussage des Wirts wieder, die dieser sichtlich erregt noch am Tatabend getätigt haben soll. In den Akten war gar von 50 000 Euro die Rede. Der Wirt erlitt bei der Auseinandersetzung selbst ein blaues Auge. Das polizeibekannte Opfer hatte zur Tatzeit immerhin 2,7 Promille Alkohol im Blut.

Leider leisteten die Zeugen wenig Erhellendes zu dem Vorfall. Der eine wollte die Tatwaffe in Händen des Wirts gesehen haben, der andere dagegen beim Opfer des Angriffs. Manche Zeugen wollten oder konnten sich auch nicht mehr daran erinnern, was sie direkt nach der Tat bei der Polizei ausgesagt hatten. Eine unmittelbare Zeugin der Tat erschien trotz Ladung nicht und war auch telefonisch nicht zu erreichen. Aus „prozessökonomischen Gründen“, wie es Witt formulierte, stellte das Gericht das Verfahren mit Zustimmung von Staatsanwalt, Verteidiger und Nebenklagevertreter ein. Zahlt der Wirt das Schmerzensgeld, ist die Sache für ihn erledigt. Die Prozesskosten gehen dann zu Lasten der Staatskasse.

 

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erstellt am 11.Jan.2014 | 16:30 Uhr

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