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Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 05:13 Uhr

Malente : Angriff im Wildgehege

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine Frage der Umgangsformel? Ein kleines Mädchen wird im Malenter Wildgehege von einem Damhirsch umgeworfen – kein Einzelfall.

shz.de von
erstellt am 04.Mär.2015 | 04:00 Uhr

Malente | Ein kleines Mädchen füttert einen jungen Rehbock, auch Spießer genannt. Sie will ihn streicheln, ihn füttern. Doch er scheint in ihr eine Spielgefährtin zu erkennen und knockt sie mit seinem Kopf um. Ein Schock für Eltern, Kind und Augenzeugen, die am Wochenende im Malenter Wildgehege diese Szene erlebt haben.

Die Dreijährige hatte Glück: „nur“ ein blaues Auge und eine blaue Nase. „Aber das hätte sprichwörtlich auch ins Auge gehen können“, erzählt ihre Mutter. Die Familie aus Eutin sei regelmäßig mit ihren Töchtern im Gehege, um spazieren zu gehen und die Tiere zu füttern. So etwas haben sie allerdings noch nicht erlebt.

Laut Gerd Schumacher vom Förderverein Dorf und Natur (Födona), der die Bewirtschaftung des Wildgeheges im Auftrag für die Malenter Gemeinde übernimmt, gab es „immer ’mal wieder Verletzte“ durch Geweihkontakt oder ähnliches. Doch bisher sei glücklicherweise nichts Ernstes passiert. Schumacher erklärt das Dilemma: „Tiere, die den menschlichen Umgang so gewöhnt sind, wie das Damwild es ist, betrachten den Menschen als Lebensgefährten, als totalen Partner eben auch zum Spielen.“ Da reiche es, wenn das Essen nicht schnell genug aus der Tüte komme. Einmal habe sich eine Füttertüte an einem Ende der Schaufel, wie das Geweih des Damwildes genannt wird, verheddert. Der Hirsch habe aus Panik, weil die Tüte immer vor dem Auge flatterte, denjenigen überrannt, der nur füttern wollte. Schumacher rät deshalb: „Nehmen Sie sich einen Stock mit und zeigen Sie den Tieren damit den Abstand, der einzuhalten ist. Die Tiere, wenn überhaupt, nur mit dem langen Arm füttern, damit genug Abstand da ist.“ Auf der Hinweistafel am Eingang wird neben dem Sicherheitsabstand sogar davor gewarnt: „Tiere aus der Hand füttern verboten – Verletzungsgefahr!“

Die Eltern des kleinen Mädchen haben das auch irgendwann einmal gelesen, gestehen aber ein: „Klar, es sind Wildttiere. Aber bisher waren die immer so zutraulich und friedlich, da vergisst man das zu schnell.“ Trotz großem Schreck und viel Glück sprechen sie sich gegen eine Eingatterung des Damwildes aus. Die Mutter: „Wir würden uns nur eine Warntafel oder einen Hinweis wünschen, dass der weiße Spießer ‚besonders aktiv‘ ist, damit Eltern nochmal extra darauf aufmerksam gemacht werden. Denn es soll ja nicht der erste Vorfall mit diesem Tier gewesen sein.“

Gerd Schumacher sieht ebenfalls die Eltern in der Pflicht und den Zwischenfall als klassisches Problem dieser Zeit: „Die Tiere im Fernsehen beißen nicht. Alle praktischen Beispiele im Umgang mit Wildtieren sind bei den Eltern von heute oftmals in Vergessenheit geraten.“ Als Beispiel nennt er die Kinder von einst, die auf dem Dorf groß geworden sind, und wussten, was passiert, wenn sie dem Bullen zu dicht auf den Leib rückten oder welche Kraft auch kleine Tiere haben können. Mit dem Kopf schütteln kann er nur, wenn er sieht, wie dicht Eltern ihre Kinder selbst an die Hirsche lassen, ohne in greifbarer Nähe zu sein. Schumacher: „Eine Gefahr geht vom Spießer nicht aus. Das ist nur eine Sache der Umgangsformel, die Eltern ihren Kindern mit auf den Weg geben müssen. Abstand zeigen und halten, ihn in die Schranken weisen, wenn er spielen will.“ Dann funktioniere das Miteinander.

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