Aus dem Amtsgericht : Angriff auf Toilettenfrau

18-Jährige schlug zu, als sie Drehkreuz zum WC nicht gemeinsam mit ihrer Freundin passieren durfte. Dafür bekam sie vom Amtsgericht eine Geldstrafe von 300 Euro.

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09. März 2012, 11:36 Uhr

Eutin | Sie sind rank und schlank, und das wollten sie beim Gang zur öffentlichen Toilette auf dem Lübecker Bahnhof ausnutzen: Zu zweit drückten sich zwei heute 18-jährige Mädchen am 18. Juni vergangenen Jahres durchs Drehkreuz, um 60 Cent zu sparen. Für ihren Versuch, die eher zart wirkenden Teenager aufzuhalten, bezahlte die Toilettenfrau schwer. Nach einem Schlag ins Gesicht und einer Rangelei war sie so schwer verletzt, dass sie ins Krankenhaus kam. Für die Tat mussten sich die beiden jungen Frauen - eine Schülerin aus Luschendorf und eine angehende Restaurantfachfrau aus Scharbeutz - nun vor dem Eutiner Amtsgericht verantworten.

Das Urteil fiel zweigeteilt aus. Während Amtsrichter Otto Witt die Schülerin freisprach, verurteilte er die Auszubildende gemäß Jugendstrafrecht wegen Körperverletzung. Sie muss eine Geldbuße in Höhe von 300 Euro zahlen und erhielt eine Verwarnung.
"Mein Leben ist zerstört, ich kann nicht verzeihen"

Schnell kristallisierte sich in der Verhandlung die Scharbeutzerin als alleinige Täterin heraus. Wie ihre Freundin räumte sie ein, dass sie sich zu zweit durch das Drehkreuz mogeln wollten. Für die anschließende Eskalation machte sie jedoch die Toilettenfrau mitverantwortlich. Diese sei plötzlich aufgetaucht und habe sie von hinten am Kragen gepackt. "In dem Moment hat sie mir eine geknallt - mit der Faust ins Gesicht", schilderte die 18-Jährige, die zum Tatzeitpunkt über 0,8 Promille Alkohol im Blut hatte, während ihre Freundin nüchtern war. Daraufhin sei sie "total perplex" gewesen und habe zurückgeschlagen, wobei die Brille der Toilettenfrau zerbrochen sei.

Ganz anders erinnerte sich die Geschädigte an den Vorfall. Sie habe lediglich versucht, ihre Hand zwischen die beiden Mädchen zu halten und gesagt: "bitte einzeln und bitte bezahlen". Daraufhin habe die Kleinere der beiden sofort zugeschlagen. Zwei Tage blieb die 51-Jährige wegen einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus, drei Monate wurde sie ärztlich behandelt. Doch wesentlich schwerer wiegen die seelischen Folgen. Zehn Jahre habe sie am Bahnhof gearbeitet, dort auch Freunde gehabt. Doch nun fühle sie sich nicht mehr in der Lage, an ihre alte Arbeitsstelle zurückzukehren. "Mein Leben ist zerstört, ich kann nicht verzeihen", sagte die Frau.
Täterinnen wirkten "arrogant, gleichgültig und kaltschnäuzig"

"Wahnsinnig durcheinander und völlig aufgelöst", habe die Toilettenfrau nach dem Vorfall gewirkt, erinnerte sich eine Polizeibeamtin im Zeugenstand. Wenig schmeichelhaft dagegen ihre Aussage über die beiden Mädchen: Nach ihrer Festnahme unmittelbar am Bahnhof hätten sie "arrogant, gleichgültig und kaltschnäuzig" gewirkt. Geäußert hätten sie sich nicht. "Das war denen alles egal", schilderte die Beamtin ihre Eindrücke.

Inzwischen scheint der Scharbeutzerin allerdings klar geworden zu sein, was sie angerichtet hat: "Das tut mir wahnsinnig doll leid", erklärte sie. Sie hätte nicht gedacht, dass sie zu so etwas fähig sei. Auch Staatsanwalt Joachim Eckelt erschien der Gewaltausbruch "völlig unerklärlich". "Die Angeklagte macht ja nicht den Eindruck, als ob sie am Wochenende loszieht, um Leute zusammenzuschlagen." Die Behauptung, die Toilettenfrau habe zuerst zugeschlagen, nannte Eckelt allerdings "dummes Zeug". Das halte er für "völlig ausgeschlossen", sagte der Anklagevertreter und begründete dies auch mit seinem persönlichen Eindruck von der Geschädigten.

Dem folgte Amtsrichter Witt. Die Geschädigte habe die Angeklagte höchstens berührt, aber nicht geschlagen, als sie das Drehkreuz mit ihrer Freundin habe passieren wollen, zeigte sich Witt überzeugt. Dann sei die junge Frau "ausgerastet". Eine Wiederholungsgefahr sah Witt aber nicht: "Ich denke, dass Sie intelligent genug sind, die Schlussfolgerung zu ziehen, dass so etwas nicht mehr passieren darf." Die Angeklagte nahm das Urteil noch im Gerichtssaal an.

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