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Ostholsteiner Anzeiger

21. August 2017 | 22:11 Uhr

Angeklagter gibt sich geläutert

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Das Eutiner Schöffengericht verurteilt Malenter Drogenhändler zu anderthalb Jahren Haft, setzt die Strafe aber zur Bewährung aus

Es gibt Angeklagte, die versuchen sich herauszuwinden oder sie schweigen hartnäckig, obwohl die Beweislast erdrückend ist. Es gibt aber auch Angeklagte, die ihre Schuld offen einräumen. Und manche nutzen eine lange Verfahrensdauer, um ihr Leben in den Griff zu bekommen. Zu dieser Gruppe scheint ein 25-jähriger Malenter zu gehören, der sich gestern vor dem Eutiner Schöffengericht wegen gewerbsmäßigen Drogenhandels verantworten musste. Um eine Freiheitsstrafe von anderthalb Jahren kam er angesichts seiner Taten zwar nicht herum, doch mit einer Aussetzung zur Bewährung hatte das Gericht unter Vorsitz von Otto Witt keine Probleme.

Der Angeklagte sei jemand, „von dem man das Gefühl hat, der packt es jetzt“, erklärte Witt in der Urteilsbegründung. Zuvor hatte Pflichtverteidiger Dr. Martin Schaar im Namen seines Mandanten die Taten eingeräumt: „Die Vorwürfe treffen zu, die Mengen kommen hin.“ Drei Mal hatte der junge Malenter zwischen Oktober und November 2014 Marihuana verkauft. In einem Fall ging der Handel in der Nähe des ehemaligen „Intermar“-Hotels über die Bühne. Dabei handelte es sich um 100 Gramm Marihuana, die 13 Gramm des Wirkstoffs THC enthielten – deutlich mehr als die 7,5 Gramm THC-Gehalt, die von der Rechtsprechung noch als gering eingestuft werden.

Die angeklagten Drogendeals brachten laut Pflichtverteidiger 1600 Euro Einnahmen. Die sind längst weg. „Das Geld hat er verraucht“, erklärte der Rechtsanwalt. Damals habe sein Mandant täglich rund fünf Gramm Marihuana konsumiert. Doch damit sei Schluss. Mit therapeutischer Hilfe habe er nicht nur seinen Drogenkonsum abgestellt, er habe mittlerweile auch einen Ausbildungsplatz. Für beides wollte der Anwalt Belege wie ein aktuelles Drogenscreening und einen Ausbildungsvertrag präsentieren, doch Witt glaubte den Angaben auch so.

Angesichts des „gefestigten Lebenswandels“ hatte auch die Staatsanwältin kein Problem mit einer Aussetzung der Strafe zur Bewährung. Einen minderschweren Fall, wie es Schaar anregte, mochte sie allerdings nicht zu Grunde legen, auch angesichts der Vorgeschichte des Angeklagten. 2011 hatte er bereits eine Jugendstrafe von zwei Jahren zur Bewährung kassiert – wegen Drogendelikten.

Das sah auch Amtsrichter Witt so: „Sie sind ein gebranntes Kind. Sie wissen, wie der Hase läuft, wenn man sowas macht.“ Im Strafmaß folgte das Gericht denn auch der Staatsanwaltschaft, abgesehen von einer zusätzlichen Geldstrafe. Der Verteidiger hatte ein Jahr Haft auf Bewährung gefordert. Der Angeklagte muss weiter die Drogenberatung konsultieren und bekommt auch einen Bewährungshelfer gestellt, was sein Verteidiger selbst angeregt hatte. Diese Auflagen könnten aber nach einem Jahr außer Kraft gesetzt werden, stellte Witt in Aussicht – wenn sie nicht mehr nötig seien.

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erstellt am 09.Mär.2016 | 12:02 Uhr

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