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Ostholsteiner Anzeiger

17. Oktober 2017 | 06:26 Uhr

Angeklagte erhält Rüden zurück

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Weitere Hündin überraschend verstorben – Besitzerin steht weiter wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz vor Gericht

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2014 | 15:19 Uhr

Das Drama um vernachlässigte Deutsche Doggen, das derzeit vor dem Plöner Amtsgericht verhandelt wird, ist um ein Kapitel reicher: Die angeklagte Hundehalterin hat gestern nach einem entsprechenden Beschluss des Gerichts den Rüden Beauregard wieder zu sich genommen. Von drei Hunden, die die Staatsanwaltschaft vor 18 Monaten beschlagnahmt hatte, ist dieser das letzte noch lebende Tier. Während das erste Tier bereits kurze Zeit später starb, ist die Hündin Blanchetta nun überraschend verendet.

Pikant an dem Prozess ist, dass die Angeklagte sich ausgerechnet als Buchautorin über Deutsche Doggen einen Namen gemacht hat. Die 59-jährige Rechtsanwältin aus Gadendorf bei Lütjenburg muss sich wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz verantworten.

Donnerstag kurz nach 11 Uhr in Selent: Seit Stunden sitzt die 59-Jährige in ihrem Auto vor dem Haus und wartet auf die Herausgabe des Rüden „Beauregard“. Ein Polizeiwagen fährt vor, stellt sich hinter den Wagen der Frau. Dann geht die Tür auf, die junge Frau, die den Hund vor einigen Monaten nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft in Pflege nahm, kommt mit dem stolzen schwarzen Rüden heraus und übergibt ihn der Besitzerin. Etwas zögerlich an der Leine wird das Tier von der Besitzerin zum Auto geführt und lässt sich letztlich überreden, in den Kofferraum zu springen. Damit hat die Angeklagte in dem Prozess zumindest das letzte ihrer Tiere wieder.

Vorausgegangen war ein juristisch komplizierter Fall wie menschliches Drama. Seit einigen Wochen steht die Juristin und Hundeexpertin vor dem Plöner Amtsgericht, angeklagt unter dem Vorwurf, sie habe ihre drei Deutschen Doggen verwahrlosen lassen, sie habe die Tiere nicht ordentlich versorgt und artgerecht gehalten. Haut und Knochen seien die Tiere gewesen, abgemagert zum Skelett ohne Muskeln, beschrieben es Zeugen vor Gericht. Belegt wurde dies mit Fotos. Alle drei Tiere kamen in Pflegestellen, dennoch verstarb eines der Tiere 44 Tage nach der Beschlagnahme im April 2013.

Verschiedene Pflegestellen folgten, auch ein juristischer Streit vor Gericht um die Unterbringung der Tiere. Seit Mai waren die beiden verbliebenen Hunde untergebracht bei neuen Pflegestellen – der Rüde in Selent, die Hündin in Gammelby. Beide erholten sich zusehends, gewannen ihr altes Gewicht zurück und setzten Muskeln an. Glücklich und zufrieden gewesen seien die Hunde, schilderten die Betroffenen es als Zeugen dem Gericht.

Dann die Überraschung am Montag: Völlig unerwartet und ohne erkennbare Anzeichen verstarb die Hündin in der Obhut in Gammelby. Noch am Abend vorher habe sie vergnügt gespielt und gefressen, berichtete ihre Pflegerin. Am Morgen dann rührte sie sich nicht mehr, verstarb Stunden später in einer Veterinärklinik in Rendsburg, wo man noch versuchte, dem Tier zu helfen. Eine Obduktion im Auftrag der Staatsanwaltschaft soll nun die Todesursache der sechsjährigen Hündin klären.

Parallel beantragte die Angeklagte vor dem Amtsgericht Plön die Herausgabe der Hunde. Dem gibt das Gericht am Mittwoch statt. Per Fax wird die Verfügung auf Herausgabe des verbliebenen Hundes an die Besitzerin aus Gadendorf gefaxt. Stunden später steht sie vor der Tür der Pflegefamilie, wedelt mit der Kopie des Gerichtsbeschlusses und fordert lautstark die sofortige Herausgabe des Tieres. Erst der Polizei gelingt es, die Frau vom Grundstück zu weisen. Stundenlang harrt sie in ihrem Auto vor der Tür aus, versucht, die entsprechenden Stellen der Staatsanwaltschaft zu erreichen, um die Herausgabe des Tieres zu erzwingen. Zunächst ohne Erfolg.

Am nächsten Morgen geht das Drama weiter. Donnerstagfrüh steht sie wieder vor der Tür, wartet, telefoniert, fotografiert alle, die das Hausbetreten oder verlassen. Als die „Pflegemutter“, wie bei den Behörden angemeldet, mit dem Tier zum Tierarzt will, wittert die 59-jährige Fluchtgefahr und will sie zur Fahndung ausschreiben lassen, wie sie nach Zeugenaussagen gegenüber Polizei androhte. Als auch die Staatsanwaltschaft, mit deren Zustimmung der Hund in Pflege ist, nun nach eigenen Angaben keinen Einspruch gegen die Übergabe mehr anmeldet, muss die Pflegefamilie das Tier notgedrungen übergeben. Kurz nach 11 Uhr ist es soweit.

Während die in dem Fall engagierten Hundehalter und Pfleger nur den Kopf schütteln und kein Verständnis für die richterliche Entscheidung finden, verweist das Amtsgericht Plön auf die Rechtslage. Nach einer Beschlagnahme von mehr als zwölf Monaten müsse es für das Gericht dringende Gründe geben, warum das Objekt – in diesem Fall das Tier – nach dem Ende des Prozesses eingezogen werden muss. „Zumindest muss es eine große Wahrscheinlichkeit dafür geben“, sagte eine Gerichtssprecherin auf Nachfrage. Die Beschlagnahme der Tiere aber liege nun schon 18 Monate zurück. Damit sei die Verhältnismäßigkeit nicht mehr gegeben. So begründet die für diesen Prozess zuständige Richterin ihren Herausgabebeschluss. Ungeachtet dessen geht der Prozess gegen die 59-Jährige weiter. Nächster Verhandlungstag im Amtsgericht Plön ist der 20. Oktober.

 

 

 

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