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Ostholsteiner Anzeiger

19. Oktober 2017 | 22:33 Uhr

Anarcho-TV aus Malente

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

shz.de von
erstellt am 18.Jun.2016 | 00:16 Uhr

Was musste sich der arme Reinhold Beckmann nicht alles anhören. „Schlechteste Sportsendung aller Zeiten – auch für die Zukunft“, „ein Gremlin-Talk, der selbst den fadesten Grottenkick locker unterbietet“, „wüstes Spektakel, gegen das ,Waldis Club‘ eine Art ,Literarisches Quartett‘ war“. „Beckmanns Sportschule“, bislang dreimal live von der ARD aus Malente gesendet, wurde übel verrissen.

Ich gebe zu, auch ich war nach der ersten Folge ein wenig irritiert. Doch dann las ich online bei „11 Freunde“, dem selbsternannten „Magazin für Fußballkultur“, dass Beckmann Anfang
der 1990er Jahre eine Sendung im WDR gemacht hat – gemeinsam mit: Helge Schneider. Mein Gott,
HELGE SCHNEIDER!!! Wenn Beckmann auch nur einen Funken des anarchischen, subversiven Humors der „singenden Herrentorte“ aus Mülheim an der Ruhr hat, dann muss man „Beckmanns Sportschule“ mit ganz anderen Augen sehen. Interviews im 50er-Jahre-Wohnzimmer, ein Ex-Nationaltorhüter und angehender Wrestler, der als „Tor-Wart“ den Eingang der Sportschule bewacht, ein Weltpokalsiegerbesieger, der als EM-Bestatter ein rosa Trikot mit Hering beerdigt: All das führt doch den Irrsinn einer völlig überdrehten Berichterstattung, den kapitalistischen Wahnsinn, der den Fußball gekapert hat, ad absurdum – einfach, indem es sich der scheinbaren Vernunft, die all das angerichtet hat, verweigert. Genial!
Ich bin gespannt, womit die Zuschauer als nächstes
verstört werden.

Bernd Schröder

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