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Ostholsteiner Anzeiger

13. Dezember 2017 | 16:13 Uhr

An Heiligabend „hempeln“ gehen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Verkäufer des Straßenmagazins machen bei ihrem Weihnachtseinsatz sehr unterschiedliche Erfahrungen

von
erstellt am 21.Dez.2016 | 17:59 Uhr

Kai Steinkrauß geht auch am 24. Dezember „hempeln“. „Wegen der Freigiebigkeit der Kunden“, sagt er und bietet das Straßenmagazin von dem Kieler Einkaufzentrum „Plaza“ an. Manche Kunden sind gegenüber den sozialbenachteiligten und oft auch wohnungslosen Verkäufern freundlicher als sonst, manche dagegen eher gestresst. „Da steht es 50 zu 50“, meint der 56-Jährige. Genau wie er sind landesweit etliche der Verkäuferinnen und Verkäufer am Fest der Menschwerdung Gottes noch unterwegs. Grund ist, dass sie in der Regel auf jeden Cent angewiesen sind.

So auch Wolfgang Stocker, der am 24. Dezember sogar auf Kneipentour geht. An Heiligabend gibt es nicht nur Bares. „Hempels“ kostet 2,20 Euro, die Hälfte davon (1,10 Euro) bekommen die Verkäufer. Auch mit kleinen Geschenken und mehr Trinkgeld als sonst werden die Verkäufer beschert, weiß der 58-Jährige. Er hat die Erfahrung gemacht, dass die Kunden freundlicher sind als sonst. Nach dem „Hempels“-Einsatz feiert Stocker allein zu Haus, Steinkrauß feiert mit seiner Familie.

Rolf, ehemaliger Verkäufer im Einzelhandel, hat andere Erfahrungen an Heiligabend gemacht. Er verkauft auch an diesem Tag das Straßenmagazin in der Kieler Holstenstraße, der zentralen Einkaufs-Fußgängerstraße in Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt. Die Menschen seien eher gestresst, so der 43-Jährige „Hempels“-Verkäufer. Trotzdem ist er auf Achse, „weil gut Geld zu verdienen ist“. Auch er ist Heiligabend allein zu Hause.

Das sieht bei Joachim Eybe anders aus. Nach seinem Hempels-Einsatz vor einem Einkaufszentrum in Klausdorf bei Kiel geht er ins Kieler Hempels-Cafe, um in Gemeinschaft Heiligabend zu feiern.

Der 48-jährige Eybe hat keinen Beruf erlernt, geht aus Geldmangel „hempeln“ und weil er „keine andere Perspektive hat. Die Kunden sind an Heiligabend freundlicher, und gelegentlich gibt es sogar kleine Geschenke,“ freut er sich.

Den Einsatz der Straßenverkäufer würdigte jüngst Bundespräsident Joachim Gauck. Sie würden zeigen, „wie Hilfe zur Selbsthilfe funktioniert und wie wir alle daran mitwirken können“, so das Staatsoberhaupt in der Dezemberausgabe. Das gilt ohne Wenn und Aber für „Hempels“. Das monatliche Straßenmagazin mit einer Auflage von 20  000 Exemplaren feierte in diesem Jahr 20-jähriges Bestehen und kommt vom ersten Tag an ohne staatliche Zuschüsse aus. „Die wollen wir auch nicht, wir wollen unabhängig bleiben“, betonte der Vorsitzende des Hempels-Vereins und Mitbegründer Jo Tein.

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