Amtsgericht will Untreue-Prozess im Pflegeheim fortsetzen

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02. August 2018, 12:31 Uhr

Hat sie das Geld eines Heimbewohners in die eigene Tasche gesteckt? Wegen des Vorwurfs der Untreue steht seit gestern eine ehemalige Mitarbeiterin eines Pflegeheims in Schönwalde vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, sich im Herbst 2017 über einen Zeitraum von gut einem Monat mit der EC-Karte des Bewohners insgesamt neun Mal an dessen Konto bei der Sparkasse Ostholstein bedient zu haben – in Oldenburg, Hansühn, Neustadt und Schönwalde. Insgesamt soll sie 2500 Euro abgehoben haben, meist Beträge von 100 Euro, zuletzt sogar 1000 Euro.

Die Angeklagte bestritt die Vorwürfe. Sie habe im Auftrag des Heimbewohners gehandelt: „Er hat mir jedes Mal sein Portemonnaie gegeben und gesagt, wie viel er haben möchte“, schilderte sie. Am nächsten Tag habe sie ihm Geld und EC-Karte jedes Mal ausgehändigt. Sie habe ihm von dem Geld auch Kleidung und Pflegemittel gekauft, die er ebenfalls erhalten habe, beteuerte die 34-Jährige.

Amtsrichterin Anke Erlenstädt blieb skeptisch: „Der Mann lebt im Pflegeheim, was will der mit 600 Euro?“, fragte sie mit Blick auf einen einzelnen Betrag, den die Frau abgehoben hatte. Darauf hatte die Angeklagte eine Antwort: „Er hat gesagt, er will das unter dem Kopfkissen haben“, berichtete sie. Sie habe den Mann schon gekannt, als er noch nicht im Heim gelebt habe. Er habe ihr erklärt, dass er niemandem vertraue. So sei er auch bei der Wohnungsauflösung „beschissen“ worden. Was er mit dem Geld letztlich gemacht habe, wisse sie aber nicht. Damals sei er jedenfalls nicht bettlägerig gewesen. „Er war mobil.“

Wegen der Vorwürfe hat die Frau ihren Job im Pflegeheim verloren. Die ungewöhnlichen Abhebungen waren der Betreuerin des Heimbewohners aufgefallen, als sie dessen Kontoauszüge unter die Lupe nahm. Richterin Erlenstädt hielt der Angeklagten die Aussage vor, die der Mann bei der Polizei gemacht hatte: Er habe weder Geld noch Waren erhalten, noch habe ihm die Frau Portemonnaie und EC-Karte zurückgegeben.

Da sich die Angeklagte nicht geständig zeigte und der mutmaßlich Geschädigte aus gesundheitlichen Gründen nicht ins Amtsgericht kommen kann, will das Amtsgericht nun zu ihm kommen. Am Montag, 20. August, um
9 Uhr soll der Prozess im Pflegeheim fortgesetzt werden, um den Mann als Zeugen vernehmen zu können.

Es ist bereits das zweite Mal, dass das Heim zum Gerichtssaal wird. Erst im März 2017 hatte der inzwischen pensionierte Amtsrichter Otto Witt dort verhandelt – und auch gleich ein Urteil gefällt. Damals erhielt eine Ex-Mitarbeiterin des Hauses eine Geldstrafe, weil sie nach Überzeugung des Gerichts unberechtigt bis zu 9000 Euro vom Konto einer Bewohnerin abgehoben hatte.

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