Amtsgericht: „Kurzer Prozess“ wegen einer „dummen Sache“

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25. Juli 2018, 11:32 Uhr

Bei manchen Prozessen macht das Gericht mit dem Angeklagten in der Tat einen „kurzen Prozess“. Diese Erfahrung hat nun ein
22-jähriger Plöner machen müssen, der trotz Ladung seinem Prozess im Amtsgericht Plön gestern einfach fern blieb. Auch beim Anruf seines Anwalts meldete sich nur die Mailbox.

Nach der obligatorischen Wartezeit von 15 Minuten, die das Gericht einem Angeklagten noch zugesteht, erließ das Gericht nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft eben ein Versäumnisurteil gegen ihn: 50 Tagessätze à 10 Euro, zahlbar in monatlichen Raten zu 50 Euro. Kommt der Angeklagte dem nicht bis zum dritten Werktag eines Monats nach oder gerät irgendwie in Verzug, droht ihm Ersatzhaft.

Vielleicht gibt das dem 22-Jährigen zu denken. Denn viel Geld verdient er nicht, also wird er den Gürtel wohl enger schnallen müssen.

Zu gern hätte das Gericht wohl mehr zu seinen Beweggründen für die Tat erfahren. Aus welchen Gründen auch immer meldete er einen Überfall auf sich durch zwei Männer im Flur des Hauses in Plön, wo er eine Wohnung hat. Zusammen mit zwei Polizeibeamten, die heute auch als Zeugen geladen waren, begab man sich zum „Tatort“. Dort aber stellte sich nach Befragen schnell heraus, dass alles nur erfunden war.

Deshalb nun auch die Anklage mit dem Vorwurf einer „vorgetäuschten Straftat“. Vielleicht hätten sich bei entsprechenden Angaben noch Entschuldigungsgründe für diese „dumme Sache“ finden lassen, so aber berücksichtigte die Staatsanwaltschaft in ihrer Forderung noch das im Dezember gefällte Urteil des Amtsgerichts Lübeck für eine weitere Straftat nach dem Jugendstrafgesetz.

Und die nicht unbeträchtlichen Kosten für das Verfahren und die Auslagen
für seinen Anwalt kommen nun auch noch auf den jungen Mann zu. „Dumm gelaufen“, im wahrsten Sinn des Wortes, möchte man sagen.

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