Plön : Amtsgericht findet keinen Nachweis für Missbrauch und Beleidigung

Ein Ehepaar aus Laboe soll die bei sich aufgenommene 89-jährige Mutter gequält und roh misshandelt haben.

Avatar_shz von
12. November 2009, 11:00 Uhr

PLÖN/Laboe | So jedenfalls hatte es eine Nachbarin beobachtet. Doch der Nachweis darüber konnte gestern vor dem Plöner Amtsgericht nicht geführt werden. Das Verfahren, zu dem 15 Zeugen geladen waren, wurde nach der Anhörung des dritten Zeugen eingestellt und die Kosten der Staatskasse überlassen.

Angeklagt waren der 56-jährige Werner und die 49-jährige Jaqueline B. aus Laboe. Ihnen soll die Mutter von Werner B. nach nur kurzer Aufnahme zu Hause schnell lästig geworden sein. Laut Anklage sollte es zu rohen Misshandlungen und Beleidigungen gekommen sein. Auch 100 Euro sollten spurlos verschwunden oder Möbel der alten Damen nach der Umsiedelung einfach weggeworfen worden sein. Die 89-Jährige starb im Dezember des vergangenen Jahres.
"Wir sind sehr erstaunt über die Abstempelung als Verbrecher"
Seine Mutter sei ein "Miststück", ein "Schwein", sie sollte endlich "verrecken" oder man sollte sie "totschlagen", soll Werner B. gesagt haben. Konkret soll es genau vor einem Jahr am Abend des 11. November 2008 geworden sein. Jaqueline B. soll ihre laut schreiende Schwiegermutter geschlagen, beschimpft und gedemütigt haben. So jedenfalls wollte es die Nachbarin abends aus dem Kippfenster des Badezimmers beobachtet haben.

"Wir sind sehr erstaunt über die Vorwürfe und die Abstempelung als Verbrecher", berichtete zunächst die 49-jährige Angeklagte, die selbst im Pflegebereich tätig war, mit fester Stimme. Sie hätte ihre Schwiegermutter etwa zehn Jahre nicht immer ganz stressfrei von zu Hause in ihrer Wohnung betreut und dann zu sich und ihrem Mann genommen, weil die 89-jährige, leicht demente und bestimmt auch nicht ganz einfache Greisin nicht mehr allein leben konnte.
Abends mussten die offenen Beine der 89-Jährigen versorgt werden
Essen und Trinken, Tabletteneinnahme, Pflegedienst oder auch die Fußpflege seien organisiert worden. Abends mussten die offenen Beine der 89-Jährigen versorgt werden. Jaqueline und Werner B. hätten mit Oma "Mensch-ärgere-Dich-nicht" gespielt oder seien mit ihr zum Friedhof und zu Seniorenkaffees von Awo und Kirchengemeinde gefahren.

Besonders die Versorgung der offenen Beine sei sehr anstrengend und offenbar mit starken Schmerzen für die 89-Jährige verbunden gewesen. Sie habe dabei oft laut geschrien, berichtete Jaqueline B.. Dabei seien sie und ihre Schwiegermutter offenbar aus fast 30 Meter Entfernung abends von der Nachbarin beobachtet worden.
"Das war eine richtige Hexenjagd"
Er habe für seine Mutter nach dem Auszug der Tochter die Wohnung im Haus renoviert. Ihre Lieblingssachen habe sie natürlich mitnehmen können. Vieles Unbrauchbare sei aber auch entsorgt worden. "Wir mussten sogar oft das laufende und überzogene Konto von meiner Mutter ausgleichen", sagte Werner B. vor Gericht. Irgendwann habe Oma ihr Konto um 100 weitere Euro überzogen, obwohl sie noch eine kleine Summe Geld hatte. Das Geld sei ihr von der Schwiegertochter abgenommen und schon einen Tag später von Jaqueline B. wieder bar auf das Konto eingezahlt worden. Belege wurden vorgelegt und damit auch die Glaubhaftigkeit aller anderen Aussagen gestützt.

"Und die Beleidigungen habe ich nicht ausgesprochen. Das sagt man nicht zu seiner Mutter", widerlegte Werner B. die Vorwürfe glaubhaft mit Tränen in den Augen. Und weiter: "Wären die Nachbarn nicht gewesen, dann würde meine Mutter vielleicht heute noch leben." Und Jaqueline B.: "Das war eine richtige Hexenjagd. Ich bin heute noch in psychologischer Behandlung." Die alte Frau sei vom Amtsarzt ins Heim eingewiesen worden und dort wenige Tage später verstorben.
Es sei furchtbar gewesen
Zeugin Angelika S. (59) berichtete über ihre Beobachtungen, dass Jaqueline B. ihre Schwiegermutter umgestoßen und immer wieder mit den Armen auf sie "eingeschlagen" habe. Die 89-Jährige habe versucht, die Schläge abzuwehren. Aber ob etwas getroffen wurde, habe Angelika S. nicht gesehen. Es sei auf jeden Fall furchtbar gewesen. Allerdings verwickelte sich Zeugin S. vor Gericht in Ungereimtheiten und es trat ein heftiger Nachbarschaftsstreit zu Tage. Das nachbarschaftliche Verhältnis sei zerrüttet, erfuhren die Verteidiger auf Nachfrage. Auch die Polizei erinnerte sich an die demente 89-Jährige, die wie ein Häufchen Elend auf der Polizeiwache gesessen habe und eigentlich nur schnell wieder nach Hause zu ihren Kindern wollte.

Die Amtsrichterin sah ein Problem in der Nachweisbarkeit der vorgeworfenen Taten und stellte das Verfahren nach Absprache mit der Staatsanwältin ein. Die Kosten übernimmt die Landeskasse.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen