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Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 06:12 Uhr

Amt sah keine Gefährdung

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Jugendamt nimmt Stellung zum Fall des erwürgten Juri

shz.de von
erstellt am 18.Jun.2016 | 00:34 Uhr

Der Fall des kleinen Juri aus Eutin schlägt hohe Wellen: In der Kritik steht das Jugendamt des Kreises Ostholstein – auch in den sozialen Netzwerken. Der zweieinhalbjährige Junge soll von seiner Mutter mit seinem Schlafsack erwürgt worden sein. Ramona R. (34) sitzt seit Donnerstag in Untersuchungshaft (wir berichteten). Der OHA sprach mit Jugendamtsleiter Matthias Badenhop über den Fall.

Warum lag aus Sicht des Jugendamtes keine Gefährdung des Jungen vor?

Bei zwei Hausbesuchen im November 2015 und März 2016 durch jeweils zwei erfahrene Mitarbeiter ergaben sich keine Hinweise auf eine akute Kindeswohlgefährdung. Beim Besuch im März ist Juri bis auf die Windel entkleidet und auf Spuren von Gewalttätigkeit untersucht worden. Diese lagen nicht vor. Außerdem wurde das ärztliche Vorsorgeheft überprüft, das vollständig war.

Hatte das Jugendamt Hinweise darauf, dass Juri geschlagen wurde?

Weder unsere Hausbesuche noch die regelmäßig mit Juri befassten Kinder- und Fachärzte sowie eine Frühförderstelle in Eutin, die Juri wöchentlich besuchte, haben Misshandlungen festgestellt. Es gab lediglich die beiden Hinweise der Nachbarn. Eine eventuelle Inobhutnahme müsste sich aber immer auch fundiert begründen lassen, da es sich um einen deutlichen Eingriff in die Grundrechte handelt.


Was hat das Jugendamt bei seinen Besuchen in die Wege geleitet – und waren diese Maßnahmen aus Sicht des Jugendamtes erfolgreich?

Es wurde der Mutter Familienhilfe angeboten, die sie beim letzten Besuch im März annehmen wollte. Diese wurde dann von uns vorbereitet. Leider kam es nicht mehr dazu. Unsere Mitarbeiter haben unmittelbar, qualifiziert und angemessen reagiert. Eine hundertprozentige Sicherheit kann es nicht geben, auch wenn das traurig ist.


Das Gesetz garantiert Kindern eine gewaltfreie Erziehung. Welche Möglichkeiten hat das Jugendamt in so einem Fall tätig zu werden?

Unsere Möglichkeiten in solchen Fällen sind beschränkt durch die Grundrechte und Persönlichkeitsrechte. Die Schwelle vom Begleiter und Helfer einer Familie zum Wächter darf das Jugendamt nur überschreiten, wenn eine akute Kindeswohlgefährdung vorliegt. Diese konnte von uns bei den beiden Hausbesuchen nicht festgestellt werden.

Ramona R. hat bereits ihre ersten beiden Kinder abgegeben. Spielte das im Fall Juri gar keine Rolle?

Das hatte damals andere Gründe.


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