Am Ukleisee wachten einst zwei Burgen

Die Belagerung einer Motte, wie sie auf dem Teppich von Bayeux um 1100 dargestellt wurde.
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Die Belagerung einer Motte, wie sie auf dem Teppich von Bayeux um 1100 dargestellt wurde.

Slawische und deutsche Siedler haben mit mittelalterlichen Befestigungsanlagen an der Westseite des romantischen Ukleisees ihre Spuren hinterlassen

shz.de von
30. April 2011, 08:46 Uhr

sibbersdorf | Wer auf dem bequemen Wanderweg den romantischen Ukleisee umrundet, dem wird am Südufer nahe der Gaststätte "Forsthaus" eine kleine Anhöhe auffallen. Ein Wasserlauf aus dem heute weitgehend verlandeten Lebebensee mündet dort in den See. Nur wenigen ist bekannt, dass sie hier eine mittelalterliche Burganlage passieren.

Deutsche Ostsiedlung

Im Jahre 1143 hatte Graf Adolf II. von Schauenburg einen Aufruf an die Bewohner der damals überbevölkerten westlichen Teile des deutschen Reiches verkünden lassen, nämlich in Flandern, Holland, Friesland und Westfalen, als Siedler nach Ostholstein zu kommen. Das war nach kriegerischen Auseinandersetzungen der germanischen Holsten mit den slawischen Wagriern zum Teil entvölkert. "Daraufhin brach eine große Menge aus verschiedenen Stämmen auf, nahm Familie und Habe mit und kam zu Graf Adolf nach Wagrien, um das versprochene Land in Besitz zu nehmen", schreibt der Chronist Helmold von Bosau. Es ist der Beginn der deutschen Ostsiedlung. Um Eutin siedelten Bauern aus Holland, um Süsel aus Friesland und östlich von Segeberg Bauern aus Westfalen.

Graf Adolf hatte Gefolgsleute aus seinem Stammland Schauenburg und Bauernhäuptlinge aus dem Holstenland als sogenannte Lokatoren eingesetzt, die das Land vermaßen und jedem Siedler eine Hufe Land zuteilten, also so viel Grund und Boden, wie eine Familie brauchte, um sich selbst zu versorgen und zugleich auch die Abgaben an die Kirche und an den Landesherrn für die Nutzung des Landes entrichten zu können; denn nach altem Eroberungsrecht war er dessen Eigentümer.

Als gräfliche Vasallen erhielten diese Lokatoren zwei bis vier Hufen Eigenland, dazu gewisse Privilegien wie Abgabenfreiheit, Mühlenrecht, niedere Gerichtsbarkeit. Ihr Ackerland bestellten die örtlichen Bauern mit; dafür übernahmen die Ritter ihren Schutz. Aus ihnen entwickelte sich der holsteinische Adel.

Schutzzonen

So systematisch wie die deutsche Besiedlung von West nach Ost vorangetrieben wurde, so systematisch wurde auch eine Sicherungszone ausgebaut. Denn das Leben der Siedler in der neuen Heimat war noch keineswegs sicher. Eine ständige Bedrohung waren die Slawen in Mecklenburg, wie ein Überfall im Jahr 1147 auf Lübeck und junge deutsche Siedlungen gezeigt hatte. Die Siedler durften in ihren vorgeschobenen Stellungen nicht ungeschützt bleiben, "wo unter den zwangsgetauften Wenden (Slawen), deren Sprache man nicht verstand, ein jeder nächst Gott nur sich selbst und seinen Nachbarn trauen konnte" (Koppe).

Eine natürliche, schwer passierbare und daher leicht zu verteidigende Sicherungszone für das Gebiet um den Zentralort Utin/Eutin und die umliegenden Dörfer bildete gegen Osten das Seen- und Niederungsgebiet, das aus Nücheler See, Lebebensee, Sagauer See und Stendorfer See gebildet wurde, ergänzt durch ein gleich schwer zu passierendes Gebiet Großer Eutiner See, Sibbersdorfer See und Stendorfer See.

Eine Kette von Ritterburgen sicherte die Übergänge. In Fissau wurde die Burg des Ritters Emeko auf dem damals von der Schwentine umflossenen heutigen Kirchhügel angelegt. Die Burg des Ritters Vergot von Sibbersdorf lag mit hoher Wahrscheinlichkeit auf der Halbinsel am Westufer des Sibbersdorfer Sees. Die Burg Rikenbeke des Rittergeschlechts der Breide war die Anlage am Ukleisee. Diese drei Burgen sicherten zugleich den Eutiner Raum nach Norden und die Verbindung in Richtung Lütjenburg.

Turmhügelburg

Bei den hier genannten Burgen handelt es sich nicht um Festungsanlagen mit hohen Mauern und Zinnen, sondern um einfache Turmhügelburgen, "Motten" genannt (frz. la motte = Hügel). Dieser Burgentyp wurde von den Normannen in der Normandie entwickelt. Man nutzte natürliche Schutzlagen aus, etwa Halbinseln, Flussschleifen, Sumpfgebiete, und schüttete dort einen Erdhügel auf von fünf bis zehn Meter Höhe. Darauf wurde ein Wehrturm aus Holz errichtet. Graben und Palisaden dienten zum zusätzlichen Schutz. Von der Turmhöhe herab war es leicht, den Angreifer abzuwehren.

Diese Turmhügelburgen waren aber nicht der Wohnsitz des Ritters mit seinem Gefolge. Das war ein Wirtschaftshof (curia), der meist direkt bei der Turmburg lag und nur leicht befestigt war.

Rikenbeke

Die Burg Rikenbeke am Ukleisee war auf der einen Seite geschützt durch den See, zur Landseite hin durch einen breiten Graben. Dort lag auch im direkten Anschluss an den Turmhügel der Wirtschaftshof mit Scheune, Stallungen und dem Wohnhaus des Ritters, ebenfalls leicht geschützt durch Wälle und umflossen von der Lebebenau, die hier in den Ukleisee fließt. Die gesamte Burganlage wurde weiträumig durch weitere hohe Wälle und Gräben im Norden wie im Süden gesichert, die heute noch gut im Gelände zu erkennen sind.

Wie aus einer Urkunde von 1429 hervorgeht, hat es bei der Burg Rikenbeke mit dem Wirtschaftshof eine Wassermühle gegeben. Wilhelm Südel (Nüchel) hat die Stelle gefunden, wo sich diese Mühle einst befand, nämlich an dem Zufluss aus dem Lebebensee, der Lebebenau, unweit des heutigen Weges. Starke im Boden steckende Eichen pfähle weisen heute noch auf den einstigen Mühlenstau hin.

Das Geschlecht der Breides, deren Stammburg Rikenbeke war, war eines der mächtigsten mittelalterlichen Rittergeschlechter in Ostholstein. Sie waren es auch, die die Kolonisation weiter nach Norden vorantrieben. Urkundlich wird ein Ritter Breide 1237 erwähnt, als der Lübecker Bischof Johannes I. ihm das kleine Dorf Dedelmestorp zwischen

Fissau und Rikenbeke verkauft. Das Dorf ist später untergegangen.

Im Jahre 1429 haben die Breides die Burg Rikenbeke und das umliegende Land dem Bischof verkauft. Der Bischof war an einer Bewirtschaftung nicht interessiert, so verfiel die Burg, und das Land bewaldete sich wieder. Seitdem trägt das Gebiet den Namen "Wüstenfelde".

Der Ukleiwall

Es gibt einen Steinwurf entfernt eine zweite Burg, Ukleiwall genannt. Sie ist ganz anderer Art und auch einige Jahrhunderte älter. Es ist eine slawische Höhenburg, die seltene Art einer slawischen Wehranlage. Wir finden sie einige hundert Meter nordöstlich der Turmhügelburg, wo sich zwischen dem Ukleisee und dem heute verlandeten Lebebensee ein schmaler etwa 20 Meter hoher Höhenrücken entlang zieht, der beiderseits zu den Seen steil abfällt und daher von dort aus kaum angreifbar war. So genügte es, quer über den Höhenrücken zwei Abschnittswälle und vor ihnen je einen breiten Graben anzulegen. Damit war ein ausreichender Schutz gegeben.

Heute sind die Wälle durch Witterungseinflüsse nur noch niedrig und die Gräben fast verschüttet. Auch die Abhänge zu den beiden Seen sind heute nicht mehr so steil wie einst. Aber noch immer lässt sich feststellen, dass in beiden Wällen ein Tor war und über die Gräben eine Erdbrücke führte. Der östliche Abschnittswall ist etwa 150 Meter lang und reicht über die Kuppe die Hänge hinab. Der westliche Wall ist kleiner und passt sich bogenförmig dem Gelände an.

Bei Ausgrabungen, zuletzt 1949 von H. Jankuhn, sind zahlreiche Keramikscherben gefunden worden. Bodenverfärbungen hauptsächlich an den inneren Wallrändern deuten auf Wohngruben hin, verbrannte Holzreste und sogenannter Stakenlehm (Lehmbewurf der Wände) auf verbrannte Behausungen oder auf verbrannte Befestigungen durch Palisaden und Flechtwerk.

Professor Karl Wilhelm Struve fasst das Ausgrabungsergebnis zusammen: "Der Ukleiwall gehört zu den frühen slawischen Höhenburgen, die in mittelslawischer Zeit aufgegeben wurden. Eine Bebauung in Form von flach eingetieften Häusern scheint sich vom Westtor bis nahe an den Ostwall herumgezogen zu haben... . "

Dennoch bleiben viele offene Fragen. Die slawische Herkunft der Dorfnamen Benz, Malkwitz, Nüchel, Sören, Gowenz deuten auf eine starke slawische Bevölkerungsdichte in dieser Gegend hin. Aber als Herrschaftsburg eines slawischen Gauhäuptlings wäre der Ukleiwall zu klein. War es eine Fluchtburg?

Aber warum hatte sie dann zwei Tore mit festen Zugängen über die Gräben, was eine Verteidigung fast unmöglich machte? Oder war es nur ein Wohnplatz der slawischen Menschen am Ukleisee? Der Wissenschaft bleiben also noch manche Fragen zu beantworten.

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