Malente : „Am Tiefpunkt angekommen“

Gerd Fritzke, Neukirchner Dorfvorsteher, wurde als Bürgerpreisträger mit Siegelring und einer Urkunde geehrt.
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Gerd Fritzke, Neukirchner Dorfvorsteher, wurde als Bürgerpreisträger mit Siegelring und einer Urkunde geehrt.

Beim Neujahrsempfang der Gemeinde Malente gab es klare Worte vom Bürgermeister zum kommunalpolitischen Miteinander. Außerdem wurde der Bürgerpreis verliehen.

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19. Januar 2015, 06:00 Uhr

Freudige Gesichter und kritische Stimmen erlebten die rund 200 Gäste beim Neujahrsempfang der Gemeinde und der Wirtschaftsvereinigung Malente am Sonnabend im Kursaal. Höhepunkt des Empfangs war die Verleihung des Bürgerpreises, den Bürgervorsteher Rainer Geerdts dem Neukirchner Dorfvorsteher Gerd Fritz für sein 40-jähriges ehrenamtliches Engagement verlieh.

„Wir in Neukirchen haben den Bürgerpreis“, sagte Preisträger Gerd Fritzke mächtig stolz. Denn hinter der Auszeichnung stehe ein ganzes Dorf. Augenzwinkernd dankte Fritzke „denen, die uns unterstützt haben und denen, die uns nicht behindert haben“.

Das Engagement von Gerd Fritzke fasste Bürgervorsteher Rainer Geerdts in seiner Laudation zusammen. Seinen Einstieg in das Ehrenamt habe Fritzke 1975 mit dem Eintritt in die Feuerwehr Nüchel begonnen. Die Aufgabe führte er nach seinem Umzug 1979 in Neukirchen weiter und gehört heute der Ehrenabteilung an. Im Verschönerungsverein war Gerd Fritzke im Vorstand als Beisitzer (1987) und Kassenwart (1988) aktiv. Seit 1990 ist er der 63-Jährige Vorsitzende. Ein Jahr später wurde Neukirchenschönstes Dorf im Kreise Ostholstein. In dem Jahr übernahm Fritzke auch die Aufgabe des Dorfvorstehers.

Neben alljährlich wiederkehrenden Veranstaltungen wie Grillfeste, Fahrt ins Blaue für Senioren, Musikfrühschoppen, Laternenumzug und Weihnachtsmarkt baute die Dorfschaft auf Initiative von Fritzke 1995 einen Spielplatz in Eigenregie. Auch die 850-Jahr-Feier Neukirchens 2010 und das 50-jährige Bestehen des Verschönerungsvereins vor drei Jahren organisierte Gerd Fritzke mit seinem bewährten Team. Geerdts gestand mit der Bürgerpreisverleihung etwas spät dran zu sein. Denn schon 2006 habe der ehemalige Ministerpräsident Peter Harry Carstensen Gerd Fritzke mit der Ehrennadel der Landes Schleswig-Holstein ausgezeichnet.

Für das das zurück liegende Jahr fand Bürgermeister Michael Koch fand deutliche Worte: „Nach meiner Wahrnehmung sind wir an einem Tiefpunkt des kommunalpolitischen Miteinanders angekommen. Unser kommunales Räderwerk hat Sand im Getriebe. Die Folgen sind ein deutlicher Verlust an Dialogfähigkeit und Entscheidungsfreude sowie eine wachsende Misstrauenskultur.“

Anstatt das Profil der Gemeinde zu schärfen und weiterzuentwickeln hätten inhaltliche Meinungsverschiedenheit, verbunden mit persönlichen Anfeindungen, der Gemeinde einen Vertrauensschaden zugefügt, so der Verwaltungschef weiter. Kommunalpolitik sei keine Satire oder politisches Kabarett, auch wenn Bürger Ausschusssitzungen kurz und knapp als Komödie kommentierten hätten.

„Mit der Faust auf den Tisch zu hauen“, wie ihm aus der Bürgerschaft mehrfach vorgeschlagen worden sei, helfe wenig. „Der Bürgermeister ist Verwaltungs- und nicht Regierungschef“, klärte Michael Koch auf.

„Mir graut davor, wenn das, was wir in den letzten Monaten erlebt haben, die politische Realität der Entscheidungsfindung und die Wertebasis für das Miteinander bis zum Ende der Kommunalwahlperiode 2013 bis 2018 sein soll“, gestand der Verwaltungschef unumwunden. Er selbst wolle daran festhalten den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Politik anzubieten. „Wann wird begriffen, dass inhaltliche Meinungsverschiedenheiten und wertschätzende Worte sich nicht widersprechen müssen“, betonte Koch und erntete Applaus.

Koch und wünschte sich für die Zukunft von den Gemeindevertreter im Interesse der Bürger das Denken und Handeln zu überprüfen und wieder zu einem Miteinander zu finden. „Fordern Sie als Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde dieses ein“, appellierte er an die rund 200 Gäste.

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