Am Brunnen vor dem Ehrenmal

Mit der Installation eines unterirdischen Wassertanks begannen gestern die Erdarbeiten für die Rückkehr des Zierbrunnens an seinen alten Standort am Eutiner Ehrenmal.
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Mit der Installation eines unterirdischen Wassertanks begannen gestern die Erdarbeiten für die Rückkehr des Zierbrunnens an seinen alten Standort am Eutiner Ehrenmal.

90 Jahre nach seinem Bau am Ehrenmal in der Oldenburger Landstraße kehrt ein viereckiger Zierbrunnen wieder an die alte Stelle zurück

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08. Januar 2018, 13:01 Uhr

Ziemlich genau 90 Jahre hat eine Rückkehr gedauert, die sich in diesen Tagen vollzieht: Gestern haben am Ehrenmal an der Oldenburger Landstraße Erdarbeiten für die Installation eines Brunnens begonnen. Er war Teil des Ehrenmals von seiner Einweihung 1928 bis zur Erweiterung 1949. Gut 20 Jahre stand er auf dem Berliner Platz, bevor 2015 die Entscheidung fiel, ihn wieder zum Ehrenmal zu versetzen.

Baggerfahrer Hans-Ulrich Piepke und Kollegen der Firma Hein begannen gestern vor dem Ehrenmal, einen unterirdischen Wassertank zu installieren. Die Elektroinstallation sei bereits erfolgt, berichtete Piepke. Bevor der viereckige Brunnen zurückkehren könne, müssten aber noch Fundamente eines Steinsarkophags beseitigt und neue für den Brunnen gesetzt werden.

„Die Arbeiten werden sich auch witterungsbedingt wohl noch ein paar Tage hinziehen. Wann genau der Brunnen umgesetzt wird, kann man noch nicht sagen. In Betrieb genommen wird er sicherlich erst nach der Winterperiode frühestens Mitte März oder im April,“ sagte Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt dem OHA.

Mit dem Brunnen ist eine bewegte, teilweise skurrile Geschichte verbunden, die Regine Jepp von der Bürgergemeinschaft Eutin (BGE) recherchiert hat. Das Ehrenmal zur Erinnerung an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges war am 30. Juni 1928 eingeweiht worden. Zu dem Ensemble, das der Malenter Architekten Alfred Schulze konzipiert hatte, gehörte ein Brunnen oberhalb der Stufen direkt vor den Ehrentafeln. Allerdings funktionierte das Wassersystem dieses Zierbrunnens nicht lange.

1949 wurde das Ehrenmal zum Gedenken der Opfer des 2. Weltkriegs erweitert, der Brunnen durch einen Sarkophag ersetzt. Im Oktober 1955, immerhin sechs Jahre später, kritisierte ein Mitglied des Magistrats das Verschwinden des Brunnens und beantragte, den Brunnen als „Symbol des Lebens, das aus der Tiefe kommt und vergeht“, wieder aufzustellen.

Dem folgte eine skurrile Episode: 1961 schlug das Stadtbauamt dem Magistrat vor, das Plateau der Apsis um eine Stufe tiefer zu legen und im Vorraum der Stufen den Brunnen neu zu installieren. Kulturausschuss und Magistrat stimmten diesem Konzept zu, dessen Kosten auf 3950 DM geschätzt wurden. Im September 1962 wurden die Maßnahmen ausgeschrieben – aber aus nicht mehr bekannten Gründen nie umgesetzt.

Gut 30 Jahre später kam der Brunnen wieder ins Spiel: 1993 wurde er im Zug der Neugestaltung des Berliner Platzes als „Sperre“ zwischen Autoparkplatz sowie Geh- und Radweg gesetzt. Sanierung, Aufbau sowie Elektro- und Wasserinstallation kosteten 14 500 DM. Doch lange gesprudelt hat er auch dort nicht: die Düsen setzten sich regelmäßig zu. Als Folge wurde der Brunnen nach ein paar Jahren abgestellt und er verkam zum „Müllbehälter“.

2013 formulierte die Bürgergemeinschaft Eutin den Wusch, den Springbrunnen zum Ehrenmal zurück zu setzen. Nach mehreren Beratungen beschloss die Stadtvertretung diesen Schritt, am 8. Juni 2015 begann der Abbau des Brunnens am Berliner Platz. Da stand aber bereits fest, dass die Rückkehr des Zierbrunnens zum Ehrenmal erst nach der Landesgartenschau erfolgen werde.

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