zur Navigation springen

Bundestagswahlkampf : Altersarmut berührt viele Politik-Themen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Eine intensive Diskussionsrunde gab es bei der Awo Malente mit vier Bundestagskandidaten zum Thema Altersarmut. Patentrezepte dagegen hatten die Vertreter von CDU, SPD, Grünen und FDP allerdings nicht parat.

Glaubt man den Demoskopen, dann sorgen sich die Deutschen derzeit vor allem ums sichere Auskommen im Alter und um hinreichende Einkünfte aus ihrer Erwerbstätigkeit. Dass die Angst vor Altersarmut im Wahlkampf für volle Säle sorgt, bewies eine Veranstaltung der Arbeiterwohlfahrt Malente: Mehr als 60 zumeist ältere Besucher wollten hören, was die Bundestagskandidaten Bernd Buchholz (FDP), Marlies Fritzen (Grüne), Ingo Gädechens (CDU) und Bettina Hagedorn (SPD) zum Thema zu sagen hatten.

„85000 Bürger von Schleswig-Holstein über 65 sind bereits direkt von Altersarmut betroffen. Das entspricht in etwa der Einwohnerzahl einer Stadt wie Flensburg. Und die Zahlen werden steigen, das Thema Altersarmut wird nicht am 22. September beendet sein“, stimmte Awo-Diskussionsleiter Uwe Frenzel das Publikum und die Politiker auf die soziale Sprengkraft zu geringer Renten ein. Die Armutsgrenze werde durch ein neues Gutachten bei weniger als 881 Euro Rente für Alleinstehende und unter 1322 Euro für Paare angesetzt. Die Arbeiterwohlfahrt werde zusammen mit dem Sozialverband Deutschland, Kinderschutzbund und DGB weiter darauf aufmerksam machen und entsprechende Gegenmaßnahmen der Politik fordern, betonte Frenzel.

In der fast dreistündigen Veranstaltung waren sich die vier Kandidaten einig, dass die beste Altersvorsorge eine stabile Erwerbsbiografie sei. Dass dazu möglichst viele sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze und „gerechte Löhne“ gehören, war ebenfalls unumstritten. Doch während Fritzen und Hagedorn im Kampf gegen Lohndumping für staatlich verordnete Mindestlöhne von 8,50 Euro pro Stunde plädierten, setzten sich Buchholz und Gädechens für zwischen den Tarifparteien ausgehandelte Lohnuntergrenzen ein. Wenn der Staat sich einmische, könnten Arbeitsplätze wegfallen, so ihr Argument. Dagegen führte Hagedorn ins Feld, dass sich Rentenerhöhungen an der Lohnentwicklung orientierten: Je höher die Löhne seien, desto mehr hätten die Rentner davon und auch der Staat profitiere, da er weniger fürs Aufstocken von geringen Löhnen und Renten zu zahlen hätte.

Aus dem Publikum gab es teils zornige, teils ohnmächtige Reaktionen auf persönliche Erfahrungen mit der Finanzausstattung im Alter. Auffällig war, dass die Politikerrunde weder zur Anregung, dass alle Einkommensbezieher in die Rentenkasse einzahlen sollten, noch zu Privilegien der Beamtenpensionen Stellung nahmen.

 

 

 

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 28.Aug.2013 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen