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Ostholsteiner Anzeiger

25. November 2017 | 10:53 Uhr

Alte Fotos liefern die Bauanweisungen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Planerin erläutert Grundlagen für die Revitalisierung des Schlossgartens

von
erstellt am 05.Jun.2015 | 12:30 Uhr

Die aktuellen Arbeiten im Eutiner Schlossgarten geschehen nicht nach „Gefühl und Wellenschlag“, sondern nach Vorgaben eines Leipziger Planungsbüros, das dafür alte Fotos ausgewertet hat. Zahlreiche historische Aufnahmen stammen aus dem Archiv der Bürgergemeinschaft Eutin (BGE), die ohne Zweifel das umfangreichste historische Fotoarchiv der Stadt hat.

Vor diesem Hintergrund referierte jüngst die Leipziger Landschaftsarchitektin Kathrin Franz nach der Jahresversammlung der BGE über die sogenannte Revitalisierung des Schlossgartens.

Die alten Aufnahmen, häufig auch Postkarten, ließen eine Rekonstruktion des Baum- und Strauchbestandes um 1900 im Garten zu. Außerdem seien ursprüngliche Sichtbeziehungen und Wegeführungen erkennbar, erklärte die eigens aus Leipzig angereiste Referentin. Die Revitalisierung, die wesentlich von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und mit EU-Mitteln gefördert werde, soll im Herbst dieses Jahres abgeschlossen sein.

Kathrin Franz schilderte in ihrem einstündigen Vortrag die verschiedenen Bauphasen des Gartendenkmals, dessen Anfänge bis ins 14. Jahrhundert reichen. Eine Reihe bedeutender Gartenkünstler, darunter Daniel
Rastedt, der in Eutin geborene und zuvor in Muskau tätige Jacob Heinrich Rehder und Hermann Roese, ebenfalls ein ehemaliger Muskauer Gärtner, hätten an der Gestaltung des Landschaftsgartens mitgewirkt. Intensiver stellte Kathrin Franz den sehr detailreichen Gartenplan Roeses aus dem Jahr 1862 vor.

Wie bei einer Gemälderestaurierung sei mit Hilfe von Fotos und alten Plänen das ursprüngliche Bild des Gesamtkunstwerkes aus Bäumen, Büschen, Wasserläufen und Brücken recherchiert worden, aktuell erfolge behutsam die Wiederherstellung von Sichtbeziehungen, originalen Wegeführungen und nachgewiesenem Bewuchs. Dafür sei jüngst nicht nur gefällt und gerodet, sondern über 70 Bäume neu gepflanzt worden.

Alte Entwässerungsrinnen seien freigelegt und die Pflasterung des Beckens am Großen Wasserfall wiederhergestellt worden. Kranke Bäume, zum Beispiel Eschen, seien durch Bäume mit einem ähnlichen Habitat ersetzt worden.

Im Küchengarten, dessen ehemals artenreiche Bepflanzung wieder entstehen solle, sei ein erster Schritt mit der Anpflanzung eines Obsthains und eines „Lebenden Gartenzauns“ aus verschiedenen heimischen Gehölzarten gelungen. Eine Besonderheit
sei die Anzucht von niedrigstämmigen Formobstgehölzen, sogenanntes Zwergobst oder „Franzobst“. Bisher seien 35 historische Apfel- und Birnensorten veredelt und auf einer Fläche im Gartenbauzentrum Ellerhoop gezogen worden.

Die spezielle Anzucht der Baumkrone nehme in der Regel mindestens vier Jahre in Anspruch, bevor die Zwergobstgehölze an ihren späteren Bestimmungsort gepflanzt werden könnten.

Schritt für Schritt solle der Küchengarten wieder seinem ursprünglichen Zweck zugeführt werden, also auch über die Landesgartenschau 2016 hinaus. Langfristiges Ziel sei es, den Garten nach ökologischen Gesichtspunkten zu bewirtschaften und vergessene traditionelle gärtnerische Techniken einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln.

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