Als der Schlossgarten als Freiluftatelier diente

An ein epochales Bildhauersymposion erinnert diese Stele in der Königstraße, die der Volksmund „Geldsäcke“ getauft hat.
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An ein epochales Bildhauersymposion erinnert diese Stele in der Königstraße, die der Volksmund „Geldsäcke“ getauft hat.

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13. Dezember 2016, 12:34 Uhr

Das Ereignis war epochal: Fünf Bildhauer aus drei Kontinenten machten über Wochen hinweg die südlich vom Schloss gelegene Wiese des Schlossgartens zu einem Freiluft-Atelier, das zehntausende Menschen besuchten. Die Kunstaktion im Sommer 1977 war ein Kind des Sagauer Bildhauers Pierre Schumann. Er hatte Kollegen eingeladen, die seine Vorliebe für Marmor aus dem italienischen Carrara teilten: Der Kanadier Harry Noordhoek, der Japaner Yoshito Fugibe, der Peruaner Isidro Gutierrez Alfaro und der Däne Jesper Neergaard.

Die Öffentlichkeit durfte den Künstlern während der Arbeit nahe kommen, und sie war auch zu einem Grillabend in die alte Schule in Sagau willkommen, die Schumann als Wohnhaus und Atelier diente – und in der die Künstler während des Symposions wohnten. Alle im Schlossgarten geschaffenen Skulpturen fanden Käufer aus der Region. Eine für Jesper Neergaard (Jahrgang 1939) in dieser Schaffensphase typische Stele erwarb die Eutiner Kaufmannschaft, wie die Wirtschaftsvereinigung früher hieß. Sie steht in der Königstraße vor der Volksbank – und bekam im Volksmund den netten Spitznamen „Geldsäcke“.

Eine Anmerkung zum Thema „Früher war alles besser“: In der Nacht zum 27. August 1977 zerstörten Unbekannte eine Stele von Schumann restlos, und sie rissen eine aus acht Granitsteinen zusammengefügte Skulptur von Fugibe auseinander, drei Steine wurden in den Schlossgraben geworfen. Das Archiv liefert keinen Hinweis, ob die Täter ermittelt wurden

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