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Ostholsteiner Anzeiger

16. Dezember 2017 | 01:00 Uhr

Alles dreht sich um Weihnachten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zahlreiche Aussteller zeigen ihre selbstgefertigten Werke in schönem Ambiente / Mehr als 450 Besucher kamen allein am Vormittag

shz.de von
erstellt am 28.Nov.2014 | 16:52 Uhr

Kalter Wind weht vor dem Schloss, als pünktlich um 11 Uhr die Pforten für die Werkstatt der Engel öffnen. Am Stall der Esel wird noch das Stroh gestapelt, der Schwenkgrill gegenüber aufgebaut. Überall herrscht das Gewusel der letzten Vorbereitungen.

„Da sind ja unsere Esel“, ruft eine Gruppe kleiner Besucher in Leuchtwesten. Es sind zehn Kinder des Eutiner Bauernhofkindergartens, die hier ihre Esel Kasper, Louis und Paulchen besuchen, die direkt neben Ziegen und Ponys am Eingang des Schlosses stehen. „Weil unsere Esel hier stehen, wurden wir hierher eingeladen“, erzählt Kita-Leiterin Sabine Nippa. Im Schlossinnenhof werden sie schon von Kirsten und Peter Möller aus der Mühlenbäckerei in Gleschendorf erwartet. „Wir wollen heute mit euch Hexenhäuschen bauen“, sagt der gelernte Bäckermeister. Auf die Frage, weshalb er das macht, antwortet er mit einem Lächeln im Gesicht: „Ich bin Vater und Opa. Was kann es Schöneres geben als strahlende Kinderaugen?“ In Windeseile klebt er die Lebkuchenteile mit Eischnee zu einem verschneiten Hexenhaus zusammen, dass die Kinder nach Herzenslust mit Süßigkeiten dekorieren.

Im Schloss bestaunen zur gleichen Zeit die ersten Besucher die Handwerkskunst vieler Aussteller: Ob selbstgemachte Seifen und Badezusätze aus Timmendorfer Strand, Krippen in verschiedensten Größen aus Lübeck, handgefilzte Unikate von der Handytasche bis zur Deko aus Hamburg oder selbstgenähte Kinderkleidung aus Barmissen (Kreis Plön) – hinter jedem Stand steckt eine Geschichte, die die Aussteller gern erzählen.

So versteckt sich hinter
MiMaMäuschen die Geschäftsidee eines Ehepaares, das genug davon hatte, dass „gefühlt jedes dritte Kind in den gleichen Klamotten herumlief“, erzählt Matthias Burger. Nach den ersten Entwürfen für die eigenen zwei Kinder folgten Nachfragen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis und schließ-lich die Selbstständigkeit. Er schneidet die Stoffe zu und übernimmt die Buchhaltung, seine Frau näht die Kleidungsstücke zusammen. „Man sieht wirklich, dass es mit Herz gemacht ist“, sagt eine Großmutter und kauft einen Pullover für ihren
Enkel.

Manfred Brocks aus Hamburg ist eigentlich gelernter Schmied und hatte schon immer Freude daran, sich selbst Möbel zu gestalten – alte Dinge so zu neuem Leben zu erwecken. Im Schloss zeigt er, was aus Treibgut und alten Brettern alles entstehen kann. Barbara Tietz fotografiert eine seiner Lampen: „Mein Mann braucht immer mal Anregungen und etwas zu tun. Das will ich ihm zeigen.“ Sie ist extra mit einer Freundin aus Rostock zu der Werkstatt der Engel nach Eutin gekommen, um sich hier Anregungen und Unikate für ihr zu Hause zu holen.

Mittlerweile ist auch die Kindergartengruppe auf der zweiten Etage angelangt. Doch als sie Samba Camara sehen, werden sie sichtlich ruhiger. Der Fair-Trade-Händler aus dem Senegal reagiert offen und entspannt: „Seht ihr heute zum ersten Mal einen schwarzen Mann?“ Ein Junge sagt: „Ich hab’ dich schon in meinem Buch gesehen“, die anderen nicken als Antwort auf seine Frage. Langsam tauen sie auf und lassen sich zeigen, was mit den Produkten aus recyceltem Material aus Südafrika alles anzufangen ist. Aus dem Ende einer Plastikflasche fertigten Jugendliche beispielsweise eine Geschenkverpackung oder ein Windlicht, aus Kronkorken entstand ein ganzer Stuhl, ein Tragekorb und Platzunterleger, aus Getränkedosen ein etwas anderer Klopapier-Halter. Samba Camara erklärt: „Ich kaufe die Ware von jungen Menschen aus Südafrika, die sonst wahrscheinlich keine Zukunft hätten. Sie leben von den Produkten, die sie aus Recycling-Materialien machen können.“ Ein bis zweimal im Jahr lässt er die Ware per Container nach Deutschland kommen. Die Idee kommt an: Zwei betagtere Damen nehmen sich gleich eine Karte mit handgeschöpftem Papier und Metallkunst darauf mit. Eine andere rät ihm, mit seinen besonderen Krippen aus Bananenblättern oder im Kürbis doch mal zum Güstrower Krippenmuseum zu gehen und sie dort als Besonderheit zum Kauf anzubieten. Samba Camara ist freundlich und nickt. Er hat mehr von der direkten Kundschaft, die vor Ort kauft. „Ich war schon einmal hier“, erzählt er, „es ist einfach schön“.

Auch die anderen Händler – ob neu oder alt – loben die Atmosphäre und das Organisationsteam um Claudia Hankel. „Man merkt einfach, dass das hier mit ganz viel Herz gemacht wird. Es geht den Leuten nicht nur ums schnelle Geld verdienen, sie wollen es hier stimmig machen“, sagt Brigitte Dammer, die mit ihren Seifen aus Timmendorfer Strand von Beginn an dabei ist.

Auch die Besucher schätzen das Ambiente im und am Schloss. In den ersten beiden Stunden kamen bereits 445 Menschen. Dass es immer noch etwas zu vollenden und organisieren gibt, merkte von ihnen kaum einer. Sabine Nippa ist nach diesem Ausflug richtig glücklich: „Hier ist zum ersten Mal etwas Weihnachtsstimmung in uns aufgekommen. Das ist wirklich toll.“

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