Alles aus Abwehr: Gefiederte Spiegelfechter

Eine Gebirgsstelze übt sich an einem Flusslauf auf Mallorca als Spiegelfechterin.  Foto: Holger Jürgensen
Eine Gebirgsstelze übt sich an einem Flusslauf auf Mallorca als Spiegelfechterin. Foto: Holger Jürgensen

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23. April 2011, 08:43 Uhr

eutin | Es ist wie ein Spuk: Da klopfen Vögel anhaltend ans Fenster, als wenn sie Einlass ins Zimmer begehrten. Im Frühjahr gibt es bei Vogelkundlern immer wieder Anrufe, die nach Ursache und Abhilfe dieses Verhaltens der Vögel befragt werden. Nun hat zu diesem Thema die schweizerische Vogelwarte Sempach einen Beitrag veröffentlicht, der sich mit den bisherigen Auskünften der Vogelschutzgruppe Eutin- Bad Malente deckt. Folgende Schilderung und Zitate mit Erlaubnis der Vogelwarte:

Wenn zum Beispiel eine Krähe andauernd ans Fenster klopft, handelt es sich um eine "Spiegelfechterin". Zu diesem eigenartigen Verhalten kommt es, weil viele Vogelarten zur Brutzeit ein Revier besetzen. Damit sichern sie für sich und die Aufzucht ihrer Jungen eine Nahrungsgrundlage. Dringt ein fremder Artgenosse in dieses Revier ein, wird er bedroht, angegriffen und möglichst nachhaltig vertrieben. Manchmal entdecken Vögel an Fensterscheiben, in Autorückspiegeln oder glänzenden Felgen ihr Spiegelbild. Sie halten dieses für einen fremden Artgenossen, der sofort attackiert und vertrieben werden muss. Nur: mit dem Vertreiben ist es bei einem Spiegelbild so eine Sache...

Es kommt vor, dass Vögel über Wochen nicht aufgeben, immer wieder zu den Scheiben zurückzukehren und aufs Neue auf sie einhacken. Dies bedeutet zwar für die Vögel Stress, doch kommt es nur in Ausnahmefällen vor, dass sie sich dabei verletzen.

Aber auch dies ist in Bad Malente im Frühjahr 2008 beobachtet worden. Manchmal flattern sie über die ganze Scheibe hoch und verursachen dabei lästige Verschmutzungen. Die kräftigeren Krähen hacken gelegentlich auch in Fugendichtungen, in den Kitt und in die Leisten, so dass Schäden entstehen. Mit Ausnahme der Rabenvögel zeigen die Gefiederten dieses Verhalten in der Regel nur zur Brutzeit. Der Spuk verschwindet meist nach ein paar Tagen oder Wochen, so wie er gekommen ist. Wenn ein Mensch Gegenmaßnahmen ergreift, kann es vorkommen, dass das Tier sich an der nächsten Scheibe "abreagiert". Anfang August letzten Jahres wird aus dem kleinen Ort Steinbek im Kreis Segeberg berichtet, dass ein Weißstorch aus dem genannten Grund "durchgedreht" sei, indem das Tier Autodächer beschädigt hatte, weil es in dem glänzenden Lack sein Spiegelbild erkannte und in ihm einen Nebenbuhler vermutete. Das Storchenmännchen machte dabei Lackschäden, die in die Tausende Euro gingen - was die Versicherung aus Kulanz als Wildunfall betrachtet haben soll.

Zurück zu den kleineren Vogelarten in Aggressionsstimmung: Es gibt ein paar Möglichkeiten der Abhilfe. Da wäre zunächst die Ab deckung des unteren Teils der Scheibe mit einer Pappe, einem Stück Stoff oder einer Folie. Man kann die Scheibe auch mit etwas Dekorspray behandeln, sodass die Spiegelung verschwindet, oder Vorhänge ein paar Tage lang nicht hochziehen.

Greifvogelsilhouetten sind dagegen zwecklos. Sie helfen auch nicht gegen den Scheibentod der Singvögel. Wenn sie spontan Anfliegen, zum Beispiel auf der Flucht vor einem Sperber, erkennen sie in den meist schwarzen Klebebildern keinen Feind.

In ganz hartnäckigen Fällen sollte man feinmaschigen Fliegendraht zeitweise anbringen, und das mit einigem Abstand zur Scheibe.

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