Eutin : Algenbrühe statt Seeidylle

Ein  grünes Band hinterlässt die Schwentine dort, wo sie in den Kellersee fließt.   Foto: Herdis Hiller
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Ein grünes Band hinterlässt die Schwentine dort, wo sie in den Kellersee fließt. Foto: Herdis Hiller

Die Seen sind grün - und das im Herbst. Ist der Gülleunfall in Zarnekau Schuld daran? Die See-Experten wissen mehr.

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30. September 2011, 12:05 Uhr

Eutin | Hellgrün leuchtet ihr Wasser im Sonnenlicht und als grüner Streifen zieht sich die Schwentine durch den Kellersee. Algen, wohin das Auge sieht. Gut, dass die Badesaison vorbei ist, mag der verwunderte Spaziergänger denken. Schließlich führt der Kontakt mit den pflanzenartigen Lebewesen auf menschlicher Haut zu Reizungen. Doch warum wachsen und blühen zu dieser Jahreszeit noch so viele Algen? Der Sommer ist doch längst vorbei.

Hanna Kirschnick-Schmidt vom Wasser- und Bodenverband Ostholstein ist sich nicht ganz sicher: "Für uns ist das auch unerklärlich." Dass sich der Gedanke an den Gülleunfall in Zarnekau vor zwei Wochen beim Thema Algenwachstum geradezu aufdrängt, ist Kirschnick-Schmidt bewusst. "Dagegen spricht allerdings, dass die Algen so flächendeckend vorkommen und auch schon viel früher da waren." Sie habe auch eher den Eindruck, dies sei ein landesweites Problem.

Also auf zum Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein. Und tatsächlich, Seen-Expertin Gudrun Plambeck entdeckt mehrere Zusammenhänge: "Durch den starken Regen im Sommer wurden mehr Nährstoffe in die Gewässer gespült als in trockenen Jahren. Dazu kommt jetzt noch die viele Sonne." All das seien perfekte Bedingungen für das Wachstum der Blaualgenblüten, deren Vegetationsperiode vom April bis in den Oktober reiche.

Doch in gewisser Menge sei ihr Vorkommen normal. Erst in erhöhter Konzentration oder in kleinen Seen werden Blaualgen zum Problem. "Normalerweise fressen Wasserflöhe die Algen und kontrollieren so ihr Wachstum", erklärt Plambeck. "Doch sie mögen keine Blaualgen." Werden die Algenkolonien zu groß, belasten sie den See. Denn wenn sie Absterben, sinken sie auf den Grund und werden von Bakterien abgebaut, die dem Wasser Sauerstoff entziehen. "Aber auch das ist ein normaler Prozess. Und die Sauerstoffarmut betrifft nicht unbedingt alle Schichten des Sees - die Fische können sich also in sauerstoffreichere Schichten zurückziehen." Ein Fischsterben trete also nur dann ein, wenn der See zu klein sei und die Fische nicht ausweichen können, wenn sich der ph-Wert stark verändere oder sich auf dem Grund befindliches Ammonium zu Ammoniak umwandele.

Und so zeigt sich nun: Obwohl "Gift" und "Grün" oft Hand in Hand gehen, muss ein grünes Gewässer noch keine bösen Vorzeichen vermuten lassen. Kann aber...

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