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Ostholsteiner Anzeiger

16. Dezember 2017 | 03:21 Uhr

Afrikanische Schweinepest auf Vormarsch

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Kreisveterinär warnt vor neuer Tierseuche, die sich im Osten der Europäischen Union ausbreitet / Vor allem Touristen und Fernfahrer könnten Viren verschleppen

von
erstellt am 07.Feb.2017 | 11:04 Uhr

Die Zahl der betroffenen Landwirte ist in Ostholstein vergleichsweise klein, aber das ist für Geflügelhalter kein Trost: Immer neue Nachweise von Vogelgrippeviren verlängern die Zeit, in der private wie gewerbliche Geflügelbestände im Stall bleiben müssen. Doch ein Ende ist absehbar, sagte Kreisveterinär Dr. Wolf Vogelreuter Montagabend im Brauhaus vor 40 Teilnehmern einer Versammlung des Bauernverbandes im Bezirk Eutin.

Nach seiner Einschätzung werde sich das Thema Vogelgrippe im März erledigt haben, sagte Vogelreuter weiter: „Kälte, Dunkelheit und Nässe mag der Erreger, Wärme, Sonne und vor allem UV-Licht überlebt er nur wenige Stunden.“ Wie bei der menschlichen Grippe werde der Ausbruch dieser Tierseuche durch das Winterwetter begünstigt und bei steigenden Temperaturen und vor allem mehr Sonnenschein vorbei sein.

Der Erreger sei nachweislich durch Zugvögel aus der Grenzregion der Mongolei und Russland über Etappen im Oktober nach Europa gebracht worden. Inzwischen sei er in 23 europäischen Staaten und 15 deutschen Bundesländern nachgewiesen. Theorien, dass der Handel mit Geflügel für die Ausbreitung verantwortlich oder ein Geflügelbetrieb die wahre Infektionsquelle sei, ließen sich nicht belegen. Aber die Infektion von Geflügelbeständen durch Einstreu habe sich an einem Beispiel in Niedersachen exakt nachvollziehen lassen.

Vogelreuter verteidigte die landesweit geltende Pflicht zur Aufstallung aller private oder gewerblich gehaltenen Geflügelbestände. Geflügelhalter müssten sehr auf Hygiene achten, um eine Einschleppung der Viren in die bestände zu vermeiden. Dazu zähle zum Beispiel auch das Händewaschen, wenn – wie geschehen – auf einem Betrieb zugekaufte Eier sortiert worden seien.

Die Vogelseuche werde ein regelmäßiges Phänomen bleiben: „Wir müssen jedes Jahr mit den Viren rechnen: Ob wir sie nachweisen können oder nicht, sie sind da.“ In Ostholstein gibt es, wie Vogelreuter sagte, nur zehn Betriebe mit mehr als 1000 Stück Geflügel.

Mit großer Sorge sieht die Fachwelt, wie Vogelreuter weiter ausführte, die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) über Georgien, Russland und Weißrussland bis ins Baltikum und nach Polen. Allein im Januar dieses Jahres sei in Polen bei 232 durch Jäger erlegte Wildschweinen das extrem überlebensfähige, für den Menschen aber harmlose ASP-Virus nachgewiesen worden.

Für fast alle Tiere ende eine Infektion binnen zehn Tagen tödlich. Obwohl die Übertragung nur durch Blut möglich sei, breite sich die APS in Wildbeständen aus, weil Schweine Kannibalen seien: Sie stecken sich durch den Verzehr infizierten Materials an. Aber auch durch Werkzeuge oder infizierte Transportfahrzeuge sei eine Verbreitung möglich. Die Ausbreitung der ursprünglich von Warzenschweinen stammenden ASP sei allein durch Menschen begünstigt worden: Ins Baltikum seien die Erreger durch Armeetransporte gekommen, und Fernfahrer oder Touristen – auch Jagdtouristen – könnten es noch weiter nach Westen schleppen. Sobald ASP-infiziertes Fleisch – beispielsweise als Abfall nach einer Grillparty – hinter einen Knick geworfen werde, drohe eine Verbreitung dieser Tierseuche, die bei einem Übergreifen auf Hausschweine – wie in Polen und im Baltikum geschehen – zu nachhaltigen Handelsrestriktionen führen würde, warnte Vogelreuter.

Kurz ging der Kreisveterinär auch auf die Kampagnen der Tierschutzorganisation Peta ein, die kürzlich – wie berichtet – das Eutiner zu den fünf „tierfeindlichsten Veterinärämtern 2016“ ernannt hatte. Vogelreuter: „Eigentlich wollte ich nichts dazu sagen, ich will mich nicht mit diesen Leuten auf eine Stufe stellen“. Die Aktivisten dieser Organisation akzeptierten die vorhandene Gesetzeslage nicht, beschäftigten zugleich aber auch massenhaft deutsche Staatsanwaltschaften und Gerichte.

Er persönlich sei bislang vier Mal wegen angeblicher Unterlassung von Peta angezeigt worden, und das nach immer der gleichen Masche. Peta habe zum Credo erhoben, dass kein Tier als Nahrungsmittel dienen dürfe. Vogelreuter: „Das darf man ja denken, aber man darf nicht alle Menschen, die rechtmäßig Fleisch verzehren, diskreditieren.“

Aktuelle Sorgen der Landwirte sprachen der Vorsitzende des Bauernbezirks Eutin, Frank Struve, und der Kreisvorsitzende Klaus-Dieter Blanck an. Struve kritisierte mit Nachdruck die Öko-Kampagne der Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, die mit neu erfundenen „Bauernregeln“ Stimmung gegen die Landwirtschaft mache. „Es ist schon erschreckend, wie die gegen uns ins Feld zieht. Und man merkt: Der Wahlkampf hat begonnen.“

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