Afghanistan wird Dauerauftrag

Historische Aufnahme: Die ersten acht Eutiner Aufklärer 2003/ 2004 in Afghanistan, unter ihnen Andreas Fetzer (3. von links).
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Historische Aufnahme: Die ersten acht Eutiner Aufklärer 2003/ 2004 in Afghanistan, unter ihnen Andreas Fetzer (3. von links).

Eutiner Soldaten sollen über drei Jahre hinweg am Hindukusch sein / Tobias Aust und Andreas Fetzer übernehmen Bataillonsführung

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16. November 2017, 21:40 Uhr

Eine neue Leitung und neue Aufgaben warten 2018 auf das Aufklärungsbataillon 6 „Holstein“: Nach den aktuellen Plänen sollen die Eutiner Soldaten über drei Jahre hinweg von 2018 bis 2020 ohne Unterbrechung bei der Nato-Mission „Resolute Support“ in Nordafghanistan vertreten sein. Und es zeichnet sich ab, dass die Eutiner für diese drei Jahre ein neues Führungsduo bekommen, das sich an dem Standort, aber auch in Afghanistan auskennt.

Eine „Blaue Stunde“, zu der gestern Abend rund 50 geladene Gäste in das Casino der Rettberg-Kaserne gekommen waren, eröffnete einen umfassenden Blick auf die bevorstehenden drei Jahre. Bataillonskommandeur Alexander Radü schilderte jüngste Vergangenheit und nahe Zukunft des Bataillons.

Im Gespräch mit dem OHA bestätigte Radü, was in Bataillonskreisen seit über einem halben Jahr kursierte: Neuer Kommandeur soll Oberstleutnant Tobias Aust werden, zurzeit auf einem Lehrgang in Italien. Und als sein Stellvertreter ist Major Andreas Fetzer avisiert, der von Bayern wieder nach Eutin kommen soll.

Beide, Aust und Fetzer, zählen Eutin zu ihren Laufbahnstationen, beide haben Erfahrung in Afghanistan gesammelt. Andreas Fetzer war als junger Leutnant unter den acht Aufklärern, die über den Jahreswechsel 2003 und 2004 hinweg für ein halbes Jahr lang als erste Eutiner in Afghanistan im Einsatz waren. In der Hauptstadt Kabul erprobten sie unter anderem den Einsatz der kleinen Drohne Aladin.

Tobias Aust war von 2007 bis 2009 Chef der 2. Kompanie und über das Winterhalbjahr 2007/2008 hinweg der Chef einer gemischten Aufklärungskompanie. Die war in Masar-E Sharif stationiert, aber die überwiegende Zeit im Raum Kundus unterwegs, wo das Bundeswehrcamp eine Zeitlang einem regelmäßigen Raketenbeschuss durch Widerstandskämpfer ausgesetzt war.

Andreas Fetzer war nach seinem Einsatz in Eutin in seine bayrische Heimat zu den Aufklärern in Freyung zurückgekehrt, mit denen
er erneut in Afghanistan
war. Tobias Aust hatte sich im Frühjahr 2009 aus Eutin in Richtung Bonn zum Inspekteur des Heeres verabschiedet, über diverse weitere Stationen wird der Generalstabsoffizier, der sein Studium an der Bundeswehruniversität Neubiberg mit einem Notenschnitt von 1,06 abschloss, acht Jahre später als Kommandeur nach Eutin zurückkehren. Zuletzt war er Chef des Stabes der Panzergrenadierbrigade 41 in Neubrandenburg.

Am 6. April 2018 solle die Übergabe das Kommandos im Rahmen eines Appells auf dem Eutiner Markt erfolgen, kündigte Alexander Radü gestern Abend an. Nach Möglichkeit sollen, wie er dem OHA sagte, sowohl der neue Kommandeur als auch sein Stellvertreter an diesem Tag ihre neue Stelle antreten. Die Erfahrung lehre ihn allerdings, dass Personalentscheidungen bei der Bundeswehr auch sehr kurzfristig noch geändert werden könnten. Diese Anmerkung galt besonders mit Blick auf den neuen stellvertretenden Kommandeur.

Ziemlich sicher ist hingegen, dass der neue Kommandeur erneut für drei Jahre in Eutin bleiben wird. Radü war – abgesehen vom ersten Chef der Einheit, Oberst Werner Hermann – der erste Kommandeur, der erst nach drei Jahren den Posten räumen muss.

Und für drei Jahre geplant ist auch ein Einsatz in Afghanistan. Wie Radü in seinem Vortrag schilderte, waren die Eutiner Aufklärer im vergangenen Jahr mit dem größten Kontingent im westafrikanischen Mali, außerdem das ganze Jahr über mit kleineren Einheiten im Kosovo und in Afghanistan.

Als Konsequenz neuer Einsatzstrukturen sollen Eutiner Aufklärer gemeinsam mit Soldaten des Aufklärungsbataillons 7 aus Ahlen über drei Jahre hinweg in Nordafghanistan tätig werden: Späher, Feldnachrichtenkräfte und Drohneneinheiten würden ebenso wie Schlüsselpersonal zeitweise an den Hindukusch verlegt, alle Kompaniechefs und auch der neue stellvertretende Kommandeur müssten in diesen drei Jahren mit Einsätzen in Afghanistan rechnen. Radü: „Da das Bataillon in Intervallen irgendwie dauernd in Afghanistan sein wird, sehe ich noch keinen geeigneten Zeitpunkt für einen Abschiedsappell.“

Gefeiert werden soll aber auf jeden Fall, wie der Oberstleutnant ankündigte: Am 22. September 2018 werde das 60-jährige Bestehen des Bataillons mit einem Tag der offenen Tür gewürdigt.

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