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Ostholsteiner Anzeiger

25. Juli 2017 | 04:45 Uhr

Eutin : Achterbahn zum Sinn des Lebens

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Beim „Talk im Garten“ verrät Hansapark-Geschäftsführer Christoph Leicht, dass Vergnügen auch einen ernsten Hintergrund hat.

Johlen und Kreischen sind die typische Geräuschkulisse in der Nähe von Achterbahnen. Haben diese hörbaren Auswirkungen von Nervenkitzel auch eine philosophische Komponente? Ja, sagt Christoph Andreas Leicht. Ein Freizeitpark will natürlich amüsieren. Aber er kann auch Menschen dazu bringen, zu sich selbst zu finden.

Leicht, seit 1989 Chef des Hansaparks in Sierksdorf, war Sonnabend Gast von Propst Peter Barz beim „Talk im Garten“. Kurz nach Ende des Regens hatten nicht mal 20 Zuhörer den Weg in den „Garten am frischen Wasser“ gefunden. Sie wurden Zeugen eines sowohl unterhaltsamen als auch inhaltvollen Gespräches mit Fragen des Propstes nach Kraftquellen, Früchten des Lebens, Abbrüchen und Visionen.

Leicht, 1962 in Oberstdorf im Allgäu geboren, studierte Jura in Augsburg und kam, wie er erzählte, eher zufällig in den Norden der Republik: Sein Vater Erich Leicht war erst Berater der Eigentümer des Freizeitparks „Hansaland“ in Sierksdorf. Als er den Park übernahm, stieg auch Christoph Leicht in das Unternehmen ein, dessen Mehrheitsgesellschafter er ist.

Im Gespräch mit Barz erwies sich Leicht als als Literaturliebhaber, der Astrid Lindgren wie auch Thomas Mann zitieren kann, der in seinem Leben ebenso bewusst die Herausforderung der Gipfelbesteigung angenommen hat wie den Moment der Meditation, der einen Menschen beim Blick auf die Weite des Meeres und die Monotonie der Wellen erobern kann.

Er habe das Glück gehabt, eine Frau zu finden, mit der er bis zum Ende seines Lebens zusammenbleiben wolle und mit der Kinder als die schönsten Früchte des Lebens teile. Und er ziehe die Motivation seines Handelns im Hansapark aus der Freude, die Menschen dort bereitet werde. „Das war ganz ehrlich ein beeindruckender Moment, als ein Fünfjähriger letztes Jahr zu mir sagte: ,Danke, dass Du den Hansapark gebaut hast.‘ So was spornt an.“

Entscheidend für alle Menschen sei, sich die Frage nach dem Sinn des Lebens zu stellen, erzählt Leicht weiter, und wer mit sich im Reinen sei, der könne sowohl zufrieden als auch erfolgreich sein, wie es Thomas Mann in den Buddenbrooks beschrieben habe: Tagsüber so handeln, dass man nachts gut schlafen könne. Eine solche Haltung wäre auch allen Regenten zu empfehlen, wenn sie zu einer besseren Welt beitragen wollten.

Das Spiel mit der Gefahr, Lust am Umgehen mit Angst sei durchaus Teil der menschlichen Entwicklung und in jeweiligen Lebensphasen verschieden ausgeprägt, aber nirgendwo anders lasse sich Nervenkitzel gefahrloser erleben als in einem Freizeitpark: „Dort steht Sicherheit an erster Stelle und es geht das Risiko gegen Null, was alle Statistiken belegen.“ Doch die Fahrattraktionen seien nur ein Mittel zum Zweck bei dem Ziel, Menschen aus ihrem Alltag zu holen und ihnen so die Chance zu bieten, ein Stück zu sich selbst zu kommen.

Neben Christoph Leicht und Propst Barz wirkte in der von Sonne begleiteten Stunde am Ufer des Großen Eutiner Sees Christina Engelke mit: Die Schwedin, die Kirchenmusikerin in Bad Schwartau ist, sang mit ihrer kräftigen und gefühlvollen Stimme eine Reihe von Liedern, deren Bogen sich von Bach über traditionelle Kirchenlieder und US-amerikanische Spirituals bis zu einer Jazz-Adaption spannte.

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erstellt am 03.Jul.2017 | 13:00 Uhr

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