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Ostholsteiner Anzeiger

17. Oktober 2017 | 03:29 Uhr

Acht Ortswehren in Frage gestellt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

FDP-Gemeindevertreter Dr. Joachim Rinke denkt über Zusammenlegung der Bosauer Ortswehren nach

von
erstellt am 08.Dez.2016 | 21:53 Uhr

„Wir müssen uns mal zusammensetzen, um über die Zusammenlegung von Feuerwehren in der Gemeinde Bosau zu sprechen.“ Dr. Joachim Rinke (FDP) sprach aus, was schon lange hinter vorgehaltener Hand durch die Gemeinde wabert. Er trat damit eine Lawine los – eine Lawine von Entrüstungen am Donnerstagabend in der Bosauer Gemeindevertretung über diesen Vorstoß.

Bei der Diskussion über den von Gemeindewehrführer Andreas Riemke in Fleißarbeit erstellten Feuerwehrbedarfsplan brachte Dr. Joachim Rinke das heikle Thema in die Runde. Er lobte die Arbeit der Wehren, klagte aber über immer weniger Bereitschaft zum Ehrenamt in den Feuerwehren. Dem OHA sagte Dr. Rinke, dass die Gemeinde jährlich bis zu 300  000 Euro für die acht Ortswehren ausgebe. Das sei sehr viel Geld für die finanziell geplagte Gemeinde. Die FDP werde jetzt mit den anderen Parteien sprechen und danach einen Antrag in die Gemeindevertretung einbringen.

Anlass zur Sorge bietet aktuell die Freiwillige Feuerwehr Majenfelde-Quisdorf mit nur noch 14 aktiven Mitgliedern. 18 Aktive sind aber mindestens gefordert. Die Gemeinde startete gestern eine Werbeaktion, um neue Mitglieder für die Wehr Majenfelde-Quisdorf zu gewinnen (siehe oben).

Rinke hatte sich offenbar den Feuerwehrbedarfsplan genau angesehen und dabei festgestellt, dass es nicht nur Personalprobleme in Majenfelde-Quisdorf gibt. „Wir sprechen das schon in unseren Reihe an“, sagte Michael Ziemann, stellvertretender Gemeindewehrführer in Bosau. Die fehlenden Aktiven seien ein gesellschaftliches Problem, das auch THW oder DRK bereits festgestellt hätten. Ziemann: „Leider nimmt die Bereitschaft zur Hilfe bei den Menschen erheblich ab.“ Ein Rezept dagegen gebe es nicht.

„Man muss jede Wehr in der Gemeinde Bosau für sich sehen“, sprach sich Thomas Ehlers (CDU) gegen eine Zusammenlegung von Wehren in der Gemeinde Bosau aus. Er verwies darauf, dass Bosau schon von Nachbarwehren unterstützt werde. Für Birgit Steingräber-Klinke steht fest: „Über die Reduzierung der Wehren hat der Gemeindewehrführer nachzudenken.“

Das meinte auch Bürgervorsteher Alfred Jeske: „Die Zusammenlegung der Feuerwehr darf nicht von der Gemeinde aus betrieben werden, das muss von der Feuerwehr kommen.“ Die Gemeinde sei zufrieden und wisse ihre Feuerwehren zu schätzen. Doch man müsse sich auch Gedanken darüber machen, wie man mit dem Problem umgehen wolle. Jeske: „Hier sind Gemeinde, Feuerwehren und die Bevölkerung gefordert.“ Die Ortswehr Majenfelde-Quisdorf allerdings stehe ganz schön auf der Kippe.

Bürgermeister Mario Schmidt will erst über eine Zusammenlegung von Wehren sprechen, wenn die Feuerwehr unterhalb der Leistungsgrenze oder ohne Leistung ist. Er fürchtet auch, dass bei einer Zusammenlegung der Wehren von den derzeit rund 200 Aktiven nur etwa die Hälfte bleiben werde. Die Möglichkeit, mit den Nachbarwehren Vereinbarungen zu treffen, koste die Gemeinde Bosau auch Geld: „Wir ringen um jeden Feuerwehrmann und jede Feuerwehrfrau in der Gemeinde Bosau.“

Jan Rohe (CDU) meinte, dass eine Zusammenlegung von Feuerwehren nicht die Zahl der aktiven Kameraden erhöhe. In der Gemeinde Bosau sei eine hohe Tagesverfügbarkeit erforderlich. Frank Sobieski (Grüne) meinte, es müsste mit allen Wehren zusammen und der Gemeindevertretung nach Lösungen gesucht werden. „Die Feuerwehr kann nicht abgeschafft oder wegrationalisiert werden.“

Max Plieske (Grüne) beklagte eine nervtötende und frustrierende Diskussion, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt schädlich sein. Sie gefährde das Bemühen der Gemeinde, neue Aktive für die Feuerwehren zu gewinnen. Plieske empfahl Bürgermeister Mario Schmidt, in der Sache Gespräche mit den Ortswehrführern zu führen.  

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