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Ostholsteiner Anzeiger

23. Oktober 2017 | 08:28 Uhr

Acht Angebote für Flächen-Schonung

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

„Landfraß“ durch Bauprojekte war das zentrale Thema beim Kreisbauerntag

von
erstellt am 25.Nov.2015 | 00:32 Uhr

„Stoppt den Landfraß“ ist die nachdrückliche Forderung des Kreisbauernverbandes Ostholstein-Lübeck, und sie war auch das zentrale Thema eines Kreisbauerntages am Montagabend im Oldenburger Schützenhof. Die Landwirte protestieren – wie mehrfach berichtet – gegen einen übermäßigen Landverbrauch in Ostholstein für den Bau von Bahntrassen, Stromleitungen und den Fehmarnbelttunnel, weil für den gesetzlich geforderten Ausgleich noch einmal ein Vielfaches an Fläche dem Naturschutz bereit gestellt und so der landwirtschaftlichen Produktion entzogen wird.

Bevor Thorsten Elscher, Leiter der Abteilung Naturschutz im Kieler Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, als Gastreferent ans Mikrofon trat, erläuterte der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Klaus-Dieter Blanck, die Furcht der Bauern deutlich. Akribisch nannte er Zahlen über Landbedarf und absehbare Ausgleichsflächen für den Ausbau der Schienentrasse, für die neue 380-kV-Stromleitung und für die Feste Fehmarnbelt-Querung (FFBQ). Obwohl ein Tunnel durch die Ostsee geplant sei, werde es auch an Land Ausgleichsflächen geben.

Die Baumaßnahmen erforderten zusammen rund 750 Hektar Fläche, die Ausgleichsflächen würden im besten Fall 1700 Hektar, es könnten aber auch 2800 Hektar werden. In Ostholstein gebe es 100  390 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, davon drohe nun ein Verlust von bis zu 3500 Hektar. Blanck: „Das geht nicht. Das ist nicht angemessen.“

Selbst wenn Ausgleichsflächen nicht in Ostholstein, sondern in anderen Landesteilen gekauft würden, werde das mittelbar Auswirkungen auf die Bodenpreise in Ostholstein haben und auch über die Höhe der Pachtzahlungen für die Landwirte spürbar. Und der Kauf von Flächen in anderen Landesteilen schwäche die Landwirtschaft im Norden insgesamt.

Blanck zitierte den Chef der Investitionsbank, wonach ein Arbeitsplatz in der Landwirtschaft etwa acht weitere Arbeitsplätze im vor- und nachgelagerten Bereich bedeute. Bebauter Boden bedeute zwar den Verzicht auf Bodennutzung, aber eine Extensivierung von Boden bedeute einen dauerhaften Bedarf an Steuermitteln, einen drastischen Bodenwertverlust und die Schwächung der Wirtschaftskraft im ländlichen Raum.

Weiter kritisierte Blanck, dass die Höhe der Ausgleichsflächen offenbar in den Bundesländern sehr unterschiedlich festgelegt würden. Das gelte auch auf europäischer Ebene: „Wir erleben derzeit sehr drastische Unterschiede zwischen Dänemark und Deutschland bei den Planungen der Festen Beltquerung. Beide unterliegen der gleichen FFH-Richtlinie. Woher kommen die Unterschiede? Gibt es etwa viel mehr Gestaltungsspielraum und Ermessen, als man uns erzählt?“

Die Großprojekte – FFBQ und Stromtrasse – seien politisch gewollt und dienten auch der wirtschaftlichen Wertschöpfung, stellte Thorsten Elscher fest. Von den Wirkungen dieser Projekte betroffen sei aber nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch der Naturschutz.

Die Schaffung von Ausgleichsflächen sei nach einem Bundesgesetz geregelt, solange es beim Gesetzgeber keine anderen Mehrheiten gebe. Die Eingriffsregelung sei nicht verhandelbar, wohl könne man über die Form der Umsetzung sprechen.

Elscher legte eine Liste von acht denkbaren Maßnahmen vor, mit denen die Größe der neuen Ausgleichsflächen reduziert werden könnten. Dazu gehöre eine Aufwertung vorhandener Naturschutzflächen der Stiftung Naturschutz und in Zusammenarbeit mit Wasser- und Bodenverbänden mit Geld aus Ausgleichszahlungen, außerdem eine Aufwertung sogenannter Öko-Konten.

Auf der Liste standen weiter die Einrichtung eines Landschaftspflegehofes im Kreis und die Einrichtung eines Ausgleichsmanagements. Die aktuelle Landesregierung habe bewusst das Instrument der Flurbereinigung erhalten, es biete die Chance für ein intelligentes Flächenmanagement und zugleich für eine Reduzierung der Flächen, die zum Ausgleich aus der landwirtschaftlichen Produktion genommen wird. „Zu einem Flurbereinigungsverfahren für Ostholstein sind wir gerne bereit, wenn es gewollt ist, wenn vor Ort die Bereitschaft dazu besteht.“

Zur Forderung Blancks, dass ungenutzte Siedlungsflächen – zum Beispiel stillgelegte Fabrikgelände – verstärkt wieder einer Nutzung zugeführt werden sollten, merkte Elscher an, dass jüngst erst ein Projekt zur sogenannten Entsiegelung angelaufen sei, mit dem man überhaupt die Potenziale ermitteln wolle. Klar sei, dass Entsiegelung teuer sei, weil häufig Altlasten beseitigt werden müssten.

In einer Podiumsdiskussion unter der Leitung von Kirsten Hess (Pressestelle des Bauernverbandes), an der auch Michael Müller-Ruchholtz (Leiter der Umweltabteilung des Verbandes) teilnahm, wurden noch einmal verschiedene Aspekte des Themas aus unterschiedlichen Blickwinkeln erörtert.

wurden einzelnen Punkte nicht einmal aus verschienen Perspektiven beleuchtet,

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