Abstieg sofort!

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16. Mai 2014, 13:31 Uhr

Mich wundert, dass ich so ruhig bin, obwohl ein Bild aus uralten Zeiten, das geht mir nicht aus dem Sinn. Es ist das Bild eines jungen Mannes, der schwungvoll über nassen Rasen rutscht, um selbst im Fallen doch noch irgendwie an den ihm schlecht zugespielten Ball zu kommen. Der junge Mann ist Uwe Seeler, das Fußballspiel fand vor gut einem
halben Jahrhundert in der Oberliga Nord statt. Der HSV gewann 8:0 gegen den Bremer SV – welch ein Glückstag für den Neunjährigen, der leibhaftig seine Rothosen-Helden genau so rackern und tricksen sah, wie er es in den erstmals im Fernsehen übertragenen Europapokal-Schlachten gegen Basel, Burnley oder Barcelona auf einem dicht umlagerten Bildschirm in seinem Dorf bewundert hatte. Sich noch dann mit aller Kraft einsetzen, wenn auf dem Feld schon alles gewonnen oder verloren scheint, das ist am Rothenbaum mein Sinnbild geworden für erstklassiges Verhalten – nicht nur im Sport.

Der Bremer SV ist längst fünftklassig. Auch Barcelona spielt seit langem in einer ganz anderen Liga als der HSV. So unverwindbar tragisch mich heute noch dessen damaliges Ausscheiden gegen den spanischen Meisterclub anmutet, so gelassen blicke ich seit Wochen dem Abstieg des Dino aus der Bundesliga entgegen. Diese Einsicht kroch alles andere als schmerzfrei in mein Fan-Bewusstsein: Wer zu Hause so hilflos Fußball spielt wie gegen Bremen, Frankfurt, Wolfsburg oder zuletzt gegen Fürth, muss von seiner Überforderung befreit werden. Sofort! Ab zur Regeneration in die zweite Liga!

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