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Ostholsteiner Anzeiger

21. November 2017 | 03:54 Uhr

Abschied von fünf Dozenten

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Bei der Volkshochschule Eutin gehen fünf langjährige Kursleiter „in Ruhestand“

von
erstellt am 24.Jun.2015 | 18:14 Uhr

Sie ist die beste Werbung für ihre Leidenschaft – – und eine kleine Berühmtheit: Magdalene Gehrmann ist Yoga-Lehrerin, 91 Jahre alt (was ihr niemand glauben mag) und geistig top fit. Probleme mit den Beinen und der erzwungene Verzicht aufs Autofahren haben bei der Ahrensbökerin die Entscheidung befördert, nach über 40 Jahren keine Yoga-Kurse mehr für die Volkshochschule (VHS) Eutin anzubieten.

Neben ihr werden vier weitere langjährige Dozenten im neuen VHS-Semester nicht mehr vertreten sein: Rose-Meike Schmidt (78) aus Malente gab 43 Jahre lang Koch- und Backkurse, erst an der VHS Sieversdorf, dann an der VHS Malente und seit 2007 für die VHS Eutin. 2011 erhielt die Hauswirtschaftslehrerin für ihr Engagement den Bürgerpreis der Gemeinde Malente.

Karin Fleige aus Eutin (71) war 23 Jahre lang die Expertin der VHS für Rückentraining. Kurse mit den Namen „Rückenfit“ wurden Markenzeichen der ausgebildeten Krankengymnastin.

15 Jahre war John Shevlin (74) ein beliebter Englisch-Lehrer der VHS. „Ich habe nie jemanden so oft sagen hören: ,Ich bin ein glücklicher Mensch, weil ich unterrichten darf‘“, schildert VHS-Leiterin Antje Bunse, die gemeinsam mit der pädagogischen Mitarbeiterin Birte Petersen die fünf langgedienten Dozenten zum Abschiedskaffee geladen hatte.

Ähnlich wie John Shevlin, der vor seiner VHS-Tätigkeit Schullehrer war, startete Dieter Brockmann (80) eine zweite Karriere als Pensionär: Der Deutsch-Lehrer begann vor zwölf Jahren, Deutsch-Kurse für Ausländer anzubieten, nachdem er wegen des Bedarfs von der VHS gefragt worden war.

„Ich hatte Schüler aus insgesamt 43 Nationen“, hat der Malenter festgestellt. Und es seien fast ausnahmslos sehr liebe Menschen gewesen.

Auf mehr als 130 Jahre Dozenten-Erfahrung bringen es die fünf „Veteranen“. Da gibt es unendlich viele Anekdoten und einen reichen Erfahrungsschatz. Und typisch für beliebte Dozenten sei, dass sie alle einen „festen Fanclub“ hätten, sagt Antje Bunse, also Teilnehmer, die seit vielen Jahren immer wieder Kurse bei ihren Dozenten buchen.

Das gilt auch für Yoga. Margarte Gehrmann erzählt von einer langjährigen Kursteilnehmerin, die 86 ist und jeden Morgen barfuß Yoga-Übungen im Garten macht. Den Abschluss bilde immer eine Konzentrationsübung, bei der sie auf einem Bein stehe – und ihr Hund stehe während dieser Übung vor ihr auf seinen Hinterpfoten.

Karin Fleige hatte bei Rückenfit ebenfalls viele Teilnehmer über viele Jahre hinweg, eine Frau von Beginn an – obwohl sich die Übungen immer wiederholen. Abwechslung oder Neues sei dabei nicht gefragt gewesen, im Gegenteil seien sogar bestimmte witzige Anmerkungen immer wieder gefordert worden.

Dieter Brockmann hat festgestellt, dass junge Menschen generell nicht mehr so gerne lernen. „Wenn man nach Vokabeln fragt, wird schnell unter dem Tisch mit dem Mobiltelefon nach der Antwort gesucht.“

John Shevlin, der seiner deutschen Frau zuliebe seine englische Heimat verließ, hat den Hang des Deutschen zum Perfektionismus als Hürde beim Fremdsprachenlernen ausgemacht: Bei keiner anderen Nationalität sei die Furcht, etwas falsch zu sagen und deshalb lieber zu schweigen, so ausgeprägt.

Alle fünf seien vorzügliche Kursleiter und immer mit viel Spaß dabei gewesen, sagte Antje Bunse. Natürlich stehe der Bildungsauftrag bei der Volkshochschule im Vordergrund, aber VHS bedeute auch Begegnung von Menschen und Erweiterung des Bekanntenkreises. So nutzen viele Neubürger die Möglichkeit, sich über VHS-Kurse in die Stadt einzuleben.

Für Margarete Gehrmann ist der Abschied von der VHS noch kein Abschied von der Lehrtätigkeit: „Zu mir haben viele gesagt: ,Du kannst doch noch nicht aufhören.‘ Deshalb mache ich privat noch weiter.“

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