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Süsel : Abschied vom Amt – nicht von der Bühne

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Fritz Vehres gibt am Mittwoch das Amt des Vorsitzenden der Süseler Theaterleute ab

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erstellt am 24.Jun.2015 | 04:30 Uhr

„Wenn jemand aus dem Theater geht und hat das Stück sofort vergessen, dann war das nichts. Gute Stücke wirken nach,“ sagt Fritz Vehres. Seit 1978 hat er an 28 Inszenierungen der Niederdeutschen Bühne Süsel mitgewirkt. Neben Schauspielerei und Kulissenbau hat er den Verein mehr als 30 Jahre lang geführt. Es ist vermutlich bundesweit der einzige Theaterverein, der ein eigenes Theater hat, das für den laufenden Spielbetrieb keinen Cent Subventionen bekommt.

Und der Verein ist gut aufgestellt, so dass Fritz Vehres guten Gewissens heute Abend in der Mitgliederversammlung sein Amt abgeben kann. Er hat sich vorgenommen, dann seine Meinung nur noch kundzutun, wenn er gefragt wird.

Theaterspielen hat in Süsel seit 1895 Tradition. 1983 gerieten dioe „Fidelen Süseler“ – so der Beiname des Theatervereins damals – in Not, als der „Süseler Hof“ seinen Saal durch Umbau verlor. Vorübergehend nutzten die Schauspieler die Schule und das kirchliche Gemeindehaus. Die Premiere neuer Stücke wurden mit Bällen in den Eutiner Schlossterrassen verknüpft. Auf Dauer war das nichts. „Wenn wir keinen passenden Raum gefunden hätten, hätten wir aufgehört“, ist Fritz Vehres sicher. Er wurde damals zur treibenden Kraft für den Kauf einer Scheune im Pastor-Dr.-Fuchs-Weg und ihren Umbau zu einem Theater. Der damalige Vorstand, zu dem sein Schwiegervater Hans Quitzau gehörte, wollte dieses finanzielle Abenteuer nicht mehr verantworten, 1984 wurde Fritz Vehres Vorsitzender.

Im selben Jahr erfolgte der Kauf der Scheune für 80  000 DM. Insgesamt 375  000 DM wurden in den Bau eines Theaters mit 133 Sitzplätzen investiert, das 1988 eröffnet wurde. Mittel der Zonenrandförderung, des Landes und der Gemeinde halfen bei der Finanzierung.

Da der Kreis einen Zuschuss verweigerte, legte der Verein den Verkauf von symbolischen Spendensteinen auf: 200 Spender finanzierten zusammen 10  000 D-Mark – und sind mit ihrem Namen an einer Wand verewigt. Fritz Vehres: „Vom Kreis haben wir bis heute keinen einzigen Pfennig Förderung bekommen.“

10  000 Arbeitsstunden leisteten Vereinsmitglieder für die Kulturscheune. Dem Projekt half es sehr, dass Fritz Vehres als Maschinenbaumeister für die gesamte Technik der Schwartauer Werke verantwortlich war und über zahllose Kontakte in die Bau- und Planerwelt verfügte.

An einem rührigen Theaterbetrieb ist nicht zuletzt Anne Vehres als Geschäftsführerin des Vereines maßgeblich beteiligt. Mit rund 70 Veranstaltungen im Jahr, darunter Gastspiele von mindestens sieben anderen Bühnen und vier Abonnements, reichten die Einnahmen aus, um den Betrieb zu finanzieren, Darlehen zu bedienen und auch noch einen Anbau zu bezahlen.

Seit drei Jahren gehört die NDB Süsel – der Zusatz „Fidele Süseler“ ist abgelegt – zum erlauchten Kreis von 15 Ensembles des Niederdeutschen Bühnenbundes. Da gibt es Kollegen, die in Stadttheatern auf großen Bühnen spielen können. „Aber ein eigens Theater hat außer uns keiner, und darum beneiden uns auch viele.“

Der Abschied aus dem Vorstand bedeute keinen Rückzug aus dem Verein, betont der 69-Jährige: Fritz Vehres will weiter beim Kulissenbau tätig sein und auch gerne weiter auf der Bühne stehen – am liebsten in Rollen, die nicht nur Lacher, sondern auch Nachdenklichkeit erzeugen. Deshalb denkt er besonders gerne an zwei Stücke zurück: „Der Jagdball“ mit der Thematik um Krebs und Tod und „Fröhstück bi Kellermanns“, das leichte Kost und trotzdem hintersinnig war.

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