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Ostholsteiner Anzeiger

23. Oktober 2017 | 03:27 Uhr

Malente : Abschied für einen Visionär

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

15 Jahre stand Gerd Schumacher an der Spitze des Wasser- und Bodenverbands Schwentine – und hat in dieser Zeit viel bewegt

shz.de von
erstellt am 25.Mär.2015 | 04:30 Uhr

Hätten es alle Anwesenden nicht schon vorher gewusst, wäre es spätestens bei den Redebeiträgen klar geworden: Der Mann, dem vor etwa 60 Gästen im Landgasthof Kasch die vielen Worte galten, ist ein Unikum, ein Filou, einer, der nicht davor zurückschreckt, mächtig Staub aufzuwirbeln, um seine Ideen durchzusetzen. Gestern verabschiedete der Wasser- und Bodenverband (WBV) Schwentine seinen langjährigen Verbandsvorsteher Gerd Schumacher (73).

Insgesamt 39 Jahre gehört der Landwirt von Radlandsichten den WBV-Gremien an, 15 Jahre stand er an Spitze des Verbands. Seit Jahresbeginn wirkt dort Hennig Südel (64) aus Nüchel, Schumacher bleibt aber sein Stellvertreter.

„Es war alles andere als immer nur einfach, mit Gerd Schumacher zusammenzuarbeiten“, gab Ostholsteins Landrat Reinhard Sager unverblümt zu. Wenn ein Telefonat mit ihm beendet gewesen sei, habe man gewusst, dass man wieder irgendeiner Maßnahme zugestimmt habe. „Die Renaturierung der Malenter Au wäre ohne Gerd Schumacher nicht möglich gewesen“, erklärte Sager. Allein vom Kreis seien für dieses Projekt über 250  000 Euro geflossen. Sager mit Blick auf Schumacher: „Das hast du uns aus dem Kreuz geleiert.“ Dabei nannte der Landrat Schumachers Vorgehensweise „unkonventionell, aber erfolgreich“.

Was das konkret bedeuten konnte, erfuhr Rudolf Meisterjahn, seinerzeit als Leiter des Amts für Land- und Wasserwirtschaft für die Flurbereinigung Malenter Au zuständig. Schumacher habe schon mal eine Wiese unter Wasser gesetzt, obwohl diese noch ihrem ursprünglichen Eigentümer gehörte. Der ehemalige Vorsteher kommentierte die damaligen Proteste in der ihm eigenen Art: „Der quakte rum.“

Manch ein Dezernent, so erinnerte sich Jürgen Wolff vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) sei Schumachers „unnachahmlicher Art“ schlicht nicht gewachsen gewesen. Doch ohne dessen Tatkraft wäre aus der Flurbereinigung Malenter Au wohl nichts geworden. Denn das Verfahren habe aufgrund einer Vielzahl anderer Projekte einen denkbar schlechten Start gehabt, sagte Meisterjahn.

Um so erstaunlicher ist das Ergebnis des Verfahrens, das Henning Südel als „Lebenswerk von Gerd Schumacher“ bezeichnete: „Im Ergebnis wurden rund 100 Hektar an der Malenter Au zwischen Sieversdorf und Malente durch Flächentausch und -kauf aus der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung genommen und ins Eigentum des WBV Schwentine überführt.“ Die extensiv bewirtschafteten oder mit Bäumen bepflanzten Flächen hätten sich zu einer Oase entwickelt, in der Kranich, Fischotter, Eisvogel und Amphibien einen Lebensraum gefunden hätten.

Auch beim Thema EU-Wasserrahmenrichtlinie habe Schumacher sehr früh die Chancen für die Verbände erkannt. „Er war der erste, der das aufgegriffen hat und wusste, was damit zu tun ist“, sagte Ministerialdirigent Dietmar Wienholdt vom Umweltministerium. Er erinnerte sich auch gut an Schumachers Vorgehensweise: „Er spielte alle Ebenen gegeneinander aus.“ Mit Erfolg: „2,1 Millionen Euro hat er uns aus der Tasche gezogen für diese Maßnahmen.“

Als eines der ersten Großprojekte zur Wasserrahmenrichtlinie sei 2005 mit einer Sohlgleite die Durchgängigkeit der Schwentine an der Gremsmühle hergestellt worden, berichtete Südel. „Gerd Schumacher ist mit seinen Ideen anfänglich oft auf wenig Verständnis gestoßen.“ Aber: „Vieles, was uns heute selbstverständlich ist, wurde von ihm initiiert oder maßgeblich vorangebracht.“

Mathias Rohde, Geschäftsführer des Landesverbandes für Wasser- und Bodenverbände, dankte Schumacher für die Impulse, die er gesetzt habe. Und Robert Muus, Vorsteher des WBV Ostholstein erklärte: „Gerd Schumacher hat sehr, sehr viel für uns geleistet.“ Als einen „Menschen mit Visionen“ bezeichnete Sieversdorfs Dorfvorsteher Frank Osterkamp Gerd Schumacher. Für die gemeinsame Betriebsgemeinschaft habe das aber manchmal Folgen gehabt, berichtete Osterkamp mit einem Augenzwinkern. Der Trecker, der eigentlich sein Feld habe pflügen sollen, habe dann auch schon mal einen halben Tag stillgestanden, weil Schumacher „mal eben weg“ musste.

Einen Blumenstrauß für ihre Arbeit im Hintergrund hatte Südel für Schumachers Ehefrau Ingrid parat. „Das hat mir ja auch Spaß gemacht, ihn dann manchmal wieder auf den richtigen Weg zu bringen“, entgegnete sie. Die Heiterkeit angesichts dieser Worte zeigte: Das konnte sich mancher im Saal gut vorstellen.

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