Ostholstein : Absage an Zentral-Krankenhaus

Podiumsrunde zur Zukunft der Krankenhäuser: (von links) Armin Tank (Verband der Ersatzkassen), Landrat Reinhard Sager, Minister Heiner Garg, Paterick Reimund (Krankenhausgesellschaft), Thomas Kersting (Gutachter). Fotos: Krauskopf
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Podiumsrunde zur Zukunft der Krankenhäuser: (von links) Armin Tank (Verband der Ersatzkassen), Landrat Reinhard Sager, Minister Heiner Garg, Paterick Reimund (Krankenhausgesellschaft), Thomas Kersting (Gutachter). Fotos: Krauskopf

Sozialminister hält in Ostholstein an Akutversorgung in Eutin, Oldenburg und Neustadt fest. Inselklinik und Middelburg haben keine Zukunft.

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19. September 2018, 15:30 Uhr

Wie wird die Krankenhausversorgung im Kreis Ostholstein in naher Zukunft aussehen? Wie viel Versorgung muss sein, wie viel sollte sein? Und für welche Häuser gibt es schlechte Zukunftsaussichten?

Derart elementare Fragen wurden Dienstag im Eutiner Kreishaus in einer vierstündigen Konferenz erörtert, an der fast 90 hochkarätige Vertreter aus Gesundheitswesen und Politik teilnahmen. Im Mittelpunkt stand die öffentliche Präsentation eines Gutachtens von dem Berliner Institut Iges, das vom Schleswig-Holsteinischen Sozialministerium in Auftrag gegeben worden war. Anstoß dafür gaben vor allem, wie Sozialminister Heiner Garg (FDP) sagte, die Botschaften des Krankenhaus-Betreibers Sana über fatale Wasserschäden an dem erst 17 Jahre alten Krankenhaus in Eutin.

Die Frage, ob die Sana-Klinik in Eutin saniert werden oder neu geabut werden soll, wurde in der Konferenz nicht erörtert. Die Entscheidung für eine Sanierung veröffentlichte Sana-Geschäftsführer Florian Glück erst gestern (siehe Seite 1).

In der Konferenhz ging es vor allem um die Frage, welche Krankenhäuser mit welchem Angebot in einem überschaubaren Zeitraum von acht Jahren noch vorhanden sein sollten. 130 Seiten stark ist das Gutachten, dessen wesentliche Aussagen von Dr. Stefan Loos und Prof. Dr. Thomas Kersting erläutert wurden.

> These Nummer eins: Für die Notfallversorgung des Kreises Ostholstein mit seinen knapp 200 000 Einwohnern würde ein einziges Krankenhaus an einem zentralen Punkt des Kreisgebietes reichen. In Dänemark werde aktuell eine entsprechende Struktur geschaffen, berichtete Minister Garg, neue, moderne Krankenhäuser mit einem Einzugsgebiet von 250 000 Menschen.

> These Nummer zwei: Wenn es weiter eine dezentrale Akutversorgung geben soll, ist die Beibehaltung der Standorte Eutin, Neustadt und Oldenburg sinnvoll. Die erst vor sechs Jahren eingeweihte Inselklinik auf Fehmarn sollte dagegen nur noch einer rein ambulanten Versorgung dienen. Denn, so Dr. Kersting, eine qualitativ ausreichende medizinische Versorgung von Notfällen könne im Inselkrankenhaus nicht gewährleistet werden.

Die Pläne der Sana, das Krankenhaus Middelburg zu verlegen, befürworten die Gutachter: „Middelburg spielte in unseren Untersuchungen gar keine Rolle mehr“, bekannte Dr. Loos, das Haus liege zu isoliert. Doch statt einer Verlegung der Geriatrie nach Eutin, wie von der Sana geplant, wird im Gutachten eine Stärkung des Standorts Oldenburg empfohlen, zumal es in Eutin mit dem Sankt-Elisabeth-Krankenhaus eine Geriatrie gebe.

Zu der Frage, wie sich der Bedarf der Gesundheitsvorsorge in den kommenden acht Jahren entwickeln wird, führten die Gutachter anhand der statistischen Bevölkerungsdaten aus, dass sich die Zahl der notwendigen Krankenhausbetten von aktuell 1028 Betten auf 972 nur gering verringern werde. Verschiebungen werde es aber in den medizinischen Bereichen geben, vor allem wegen eines wachsenden Anteils von älteren Menschen.

Solche Prognosen aufgrund von Statistik und Formeln boten in der Konferenz naturgemäß Stoff für Fragen und Hinweise. Darunter war der Appell an die Landesregierung, die Entwicklung der Zahlen bei Geburtshilfe und Kinderheilkunde nicht falsch einzuschätzen: Der Trend sinkender Geburtenzahlen könnte gerade in diesen Jahren aufgehört haben.

Im Fokus der Gutachter standen die vier Akutversorger im Kreis, am Rande berücksichtigt wurden aber auch die anderen Kliniken: „Mit 13 Krankenhäusern hat Ostholstein eine Dichte, die wahrscheinlich bundesweit einmalig ist,“ stellte Stefan Loos fest. Sie resultiert aus einer Reihe von Spezialkliniken wie die Einrichtungen von Ameos in Neustadt und Heiligenhafen oder die Kliniken in Malente. Mit 12 000 Angestellten stelle das Gesundheitswesen im Kreis nach dem Tourismus die wichtigste Branche dar, bekräftigte Landrat Reinhard Sager.

Minister Garg gab eine Zusicherung, die von einer Mehrheit der Konferenzteilnehmer – darunter viele betroffene Bürgermeister sowie Ärzte – mit Freude aufgenommen wurde: Die Landesregierung werde an den Standorten Eutin, Neustadt und Oldenburg für die Akutversorgung festhalten. Er forderte aber auch die Träger der Krankenhäuser auf, sich ihres flächendeckenden Versorgungsauftrags bewusst zu sein und zusammen zu arbeiten. Doppelte Angebote, zum Beispiel bei der Versorgung von Schlaganfall-Patienten, sollten vermieden werden.

Bemerkenswert deutlich kritisierte der Minister den ehemaligen Geschäftsführer der Sana, Klaus Abel, ohne den Namen zu nennen: Er, Garg, hätte sich von der Sana-Leitung mit Blick auf die Wasserschäden in Eutin eine andere Kommunikation mit dem Ministerium und der Öffentlichkeit gewünscht. Denn es sei ein Vertrauensverlust der Bevölkerung und eine Verunsicherung bei den Beschäftigten erzeugt worden. Auch deshalb wolle die Landesregierung mit dem Bekenntnis zu Eutin, Oldeurg unhd Neustadt ein klares Signal senden, unterstrich Garg.

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