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Ostholsteiner Anzeiger

22. November 2017 | 17:59 Uhr

Ablehnung in Bausch und Bogen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ob Konzert oder Rasenmäher: Keine Zuschüsse von der Gemeinde

shz.de von
erstellt am 05.Mai.2017 | 16:10 Uhr

Eva Monar wirkte konsterniert. „Das war ein fristgerecht gestellter Antrag, ich verstehe das gar nicht“, sagte die Sopranistin, die sich in Malente etwa mit „Sopranissimo“ einen Namen gemacht hat. Die Veranstaltung bietet Nachwuchstalenten im Musikbereich seit 2011 eine Plattform, die seitdem beim Publikum auf große Resonanz stößt. Nun saß sie am Donnerstag im Sozialausschuss, um im Namen des Vereins „Kulturtransport Malente“ 1000 Euro Zuschuss für ein weiteres, bereits 2015 gestartetes, Jugendkultur- und Bildungsprojekt unter dem Titel „Home-Town-Konzert“ zu bekommen.

Die Ausschussvorsitzende Karin Bröhl (Freie Wähler Malente), die als Nachfolgerin von Helmut Wagner (SPD) ihre erste Sitzung leitete, forderte die Sängerin zunächst auf, ihren Antrag zu begründen, was diese auch tat. Zu einer Abstimmung über diesen Tagesordnungspunkt kam es dann jedoch nicht mehr. Stattdessen ließ Karin Bröhl nun doch noch über einen Antrag abstimmen, den Ingo Wagner (Grüne) zuvor gestellt hatte. Er hatte im Namen der gemeinsamen Fraktion von SPD und Grünen gefordert, sämtliche sieben Anträge auf Zuschüsse von der Tagesordnung zu streichen. Dieser Antrag wurde in der verspäteten Abstimmung einstimmig angenommen. Lediglich Dagmar Nöh-Schüren (Bürger-Innen für Malente), im Ausschuss nicht stimmberechtigt, wandte sich gegen diese „pauschale Herangehensweise“, fand aber kein Gehör.

Nicht nur, dass Eva Monar ihren 2015 noch gewährten Zuschuss nun in den Wind schreiben kann. Zu allem Überfluss entschuldigte Karin Bröhl die verspätete Abstimmung über Wagners Antrag auch noch mit dem Begründung, Eva Monar habe „sofort losgeredet“. Dabei hatte die Ausschussvorsitzende ihr das Wort erteilt.

Andere Gäste verließen ebenfalls perplex die Sitzung. Förderanträge gestellt hatten auch der Schleswig-Holsteinische Fußball-Verband für einen „Finaltag der Jugend“, der Schützenverein Malente für das Schützenfest, der Verschönerungsverein Nüchel für einen Rasenmäher, der TSV Malente für eine Hochsprunganlage, die Dorfschaft Timmdorf für die Reparatur eines Info-Häuschens und der Tennis-Club Malente für einen Defibrillator.

Alle Anträge müsse man ablehnen, weil sie nicht fristgerecht gestellt seien oder andere Mängel aufwiesen, erklärte Wagner und kritisierte: „Es kann nicht sein, dass hier Anträge landen, die woanders abgelehnt wurden.“ Das solle die Verwaltung in Zukunft unterbinden, forderte Wagner.

Tatsächlich ist in den seit 2008 geltenden Richtlinien für die Gewährung von Zuschüssen an Vereine und Verbände (nicht an Dorfschaften) eine Frist genannt. Bis zum 1. September müssen Förderanträge für das darauffolgende Jahr eingereicht werden. Monars Antrag ging tatsächlich erst am 23. September bei der Gemeinde ein. Allerdings ist das keine kategorische Ausschlussfrist. Es heißt lediglich, dass dann keine Garantie mehr für die Gewährung von Mitteln übernommen werden könne. Und: „In besonders begründeten Einzelfällen gilt dieses Datum nicht als Ausschlussfrist.“ Doch mögliche Begründungen wollte der Ausschuss gar nicht erst hören.

Eine Neuauflage des „Home-Town-Konzerts“ ist damit sehr fraglich: „Damit fällt das Konzert aus, wenn wir keine Unterstützung bekommen“, sagte Eva Monar gestern. Am Totensonntag 2015 hatte die kostenlose Veranstaltung noch für einen gut gefüllten Kursaal gesorgt. An der Neuauflage wären etwa 60 junge Musiker aus der Region beteiligt gewesen.

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