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Ostholsteiner Anzeiger

21. August 2017 | 16:17 Uhr

Malente : Abholzung sorgt für Ärger

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Heinz Dieter Nolte-Franzen rief mit einer Rodungsaktion auf einem Grundstück am Kellersee Behörden und Polizei auf den Plan.

Jahrelang tat sich nichts auf dem sogenannten Störtebeker-Grundstück in der Malenter Janusallee. Der Eigentümer, die Firma „Störtebeker Haus“ in Henstedt-Ulzburg, überließ das Gelände der Natur. Mit der Zeit entwickelte sich auf dem rund 1900 Quadratmeter großen Baugrundstück ein dichter Baumbestand.

Mit der Ruhe war es am vergangenen Sonnabend aber schlagartig vorbei. Michael Winkel, der nur wenige Meter entfernt wohnt, vernahm gegen 9.45 Uhr plötzlich den Lärm von Motorsägen. Als er kurze Zeit später nach dem Rechten gesehen habe, sei es bereits zu spät gewesen, beklagt Winkel, der auch Fraktionsvorsitzender der Malenter Grünen ist. Eine Handvoll Männer, ausgerüstet mit Motorsägen, habe sich auf dem Gelände zu schaffen gemacht. Mit mindestens zwei Fahrzeugen samt Anhänger sei das Holz abgefahren worden. Zahlreiche Bäume seien zu diesem Zeitpunkt bereits gefällt gewesen – nicht nur die in jüngerer Zeit gewachsenen, sondern auch ältere Bäume, die im Bebauungsplan (B-Plan) Nr. 61 festgesetzt seien.

Als Sprecher der Gruppe sei Heinz Dieter Nolte-Franzen aufgetreten – in Malente seit Jahrzehnten als Akteur der Immobilienbranche wohlbekannt. Nolte-Franzen habe erklärt, das gesamte Gelände roden zu lassen, schriftliche Genehmigungen habe er jedoch nicht vorgelegt. Daraufhin habe er den Umweltbeauftragten der Gemeinde, Achim Vollert, und einen Mitarbeiter des Bauamts informiert, die beide umgehend erschienen seien, berichtete Winkel. Schließlich sei auch noch ein Mitarbeiter des Kreises hinzugezogen worden. Nolte-Franzen habe sich jedoch nicht stoppen lassen wollen. Erst die Polizei habe die Abholzung dann unterbunden.

Aus Sicht des Malenter Bauamts ist die Abholzung rechtswidrig. Zum einen sei eine Gruppe von etwa fünf bis sieben im B-Plan festgesetzten Bäumen abgesägt worden, erklärte Karlheinz Spindler. Für diese Bäume werde die Gemeinde nun Ersatzpflanzungen fordern. Zum anderen müsse geklärt werden, ob sich sich auf dem Grundstück in den vergangenen Jahren ein Biotop oder ein Wald gebildet habe. Wenn ein Bauantrag gestellt worden wäre, hätten die Untere Naturschutzbehörde und die Forstbehörde dies zuvor geprüft. Nun sei eine entsprechende Prüfung durch den Kreis eingeleitet worden, teilte Kreis-Sprecherin Anja Sierks-Pfaff mit.

Nolte-Franzen sieht sich nach wie vor im Recht. Er sei als Berater der Hamburger Firma City-Styling tätig geworden, die das Grundstück kaufen wolle, sagte der Malenter. Ein Bauantrag für ein zweigeschossiges Gebäude werde demnächst vorgelegt. Der Grundstückseigentümer habe ihn autorisiert, die Abholzung vorzunehmen. Bis zum 15. März dürfe er alles absägen, was sich im Baufenster befinde. Das habe ihm Mitarbeiter des Kreises versichert, bekräftige Nolte-Franzen und kündigte an, dass am heutigen Sonnabend weitergesägt werde.

Der Umweltbeauftrage Achim Vollert weist jedoch darauf hin, dass ab dem 1. März keine Bäume mehr gefällt werden dürfen. Maßgeblich dafür ist das Bundesnaturschutzgesetz, das seit 2010 in Schleswig-Holstein in Kraft getreten ist. Die alte Frist bis zum 15. März gilt seitdem nicht mehr. Auch die Gemeinde dürfte ein Auge darauf haben, ob die Abholzung weitergeht.

„Überrumpelt“ und „entsetzt“ zeigte sich unterdessen der Eigentümer des Grundstücks. Nolte-Franzen habe das Grundstück kaufen wollen und angekündigt, ihm einen Vertrag zukommen zu lassen, erklärte Störtebeker-Haus-Geschäftsführer Robert Ramm. Im Vorgriff darauf habe ihm seine Firma Rodungen erlaubt, nicht jedoch, schützenswerte Bäume zu fällen. „Damit haben wir ihn niemals beauftragt“, betonte Ramm. Im Gegenteil: „Wir sehen das Grundstück nun als wertgemindert, der Charme des Grundstücks ist beeinträchtigt.“ Der Geschäftsführer, der durch einen Anruf der Polizei von den Vorgängen in Malente erfuhr, erwägt nun, Strafanzeige zu stellen.

Dass es auch anders geht, bewies unterdessen die Curtius-Klinik. Sie hat das zwischen Störtebeker- und Klinikgelände liegende Grundstück gekauft, um dort möglicherweise eine Tagesklinik zu errichten. Dafür ließ die Klinik in der Woche vor der umstrittenen Rodung ebenfalls Bäume auf dem Grundstück und der künftigen Zufahrt fällen. Doch dort lief alles im Einvernehmen mit dem Umweltbeauftragten und der Gemeinde. Auch die Anlieger seien informiert worden, erklärte Klinik-Geschäftsführerin Annette Nedderhoff. Proteste waren nicht zu vernehmen.

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erstellt am 06.Mär.2016 | 04:00 Uhr

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