Abgewrackt: Ein Hotel verschwindet

Das Buntglas-Fenster aus der Klaus-Groth-Ecke soll einen Platz im Neubau erhalten.
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Das Buntglas-Fenster aus der Klaus-Groth-Ecke soll einen Platz im Neubau erhalten.

Das Berghotel Bruhnskoppel in Krummsee steht vor dem Abriss / Zurzeit werden Fenster, Parkett, Heizkörper und Klaviere verkauft

shz.de von
20. Oktober 2012, 08:20 Uhr

Krummsee | Dass dieses Gebäude noch bis Mitte 2010 ein Hotel gewesen ist, lässt sich kaum glauben. Der Wind pfeift durch leere Fensterhöhlen. Der Restaurant hat in weiten Teilen seinen Fußboden eingebüßt. Die Eingangstür wurde ausgehängt, das Portal mit Brettern vernagelt. Das Berghotel Bruhnskoppel gleicht einer Ruine. Doch Besserung ist in Sicht.

Ein Investor aus Bremen hat das Objekt im vergangenen Jahr gekauft und will auf der Malkwitzer Höhe ein neues Hotel bauen. Denn mit Sanierungen sei dort nichts mehr zu machen gewesen, erklärt der zuständige Architekt Jan-Gerd Grafe. Doch bevor es zum Abriss kommt, wird das Hotel von innen ausgehöhlt. Alles muss raus. Der Bauherr, die Krummsee Projektierungsgesellschaft mit Sitz in Kiel, lässt derzeit alles verkaufen, was einen Interessenten findet.

Michael Stuhr ist verantwortlich für den "Räumungsverkauf". Der Eutiner ist bereits beim neuen Hotelbetreiber angestellt. In Zukunft wird er sich darum kümmern, dass die Technik funktioniert. Doch vorher wird ausgemistet. "Mittlerweile ist aber alles weg, was Geld bringt", erklärt Stuhr. Die Käufer kamen in Scharen. Zwei Klaviere, Heizkörper, Fenster und Zimmermobiliar hat er verkauft. Eine Benzer Familie erwarb Dachpfannen für ihren Neubau. Die weiteste Anreise hatten Litauer, die 48 Röhrenfernseher mit sich nahmen. Die Preise wurden vor Ort ausgehandelt. Meist bezahlten Käufer nur ein Zehntel des Originalpreises. Mittlerweile suchen nur noch etwas Weihnachtsdeko und Messinglampen ein neues Zuhause. Wer sich dafür interessiert kann werktags zwischen 8 und 16.30 Uhr ins Berghotel kommen.

Nur wenige Einzelstücke hat Stuhr inseriert. "Bei Ebay habe ich im Internet einen Fahnenmast angeboten", erinnert er sich. Aber das sei schlecht gelaufen. Vielmehr wurden die Menschen durch Mundpropaganda auf den Ausverkauf aufmerksam.

Die Abrissbrine rückt im nächsten Frühjahr an. Ihr entkommen wird nur wenig. So etwa das Buntglas-Fenster aus der Klaus-Groth-Ecke. Der Heimatdichter war einst selbst Gast im Hotel. Ansonsten bleiben nur die Grundmauern stehen, erklärt Stuhr.

Unterdessen hat die Zusammenarbeit mit dem Städteplaner Andreas Nagel vom Planungsbüro Ostholstein begonnen. Ein Bebauungsplan muss erarbeitet werden. "Wenn dann die Gemeinde Malente die Genehmigung erteilt, können wir noch 2013 mit dem Bau beginnen", sagt Architekt Jan-Gerd Grafe.

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