Lübeck : Zwei statt vier Spuren: Verkehrsversuch in der Fackenburger Allee

Avatar_shz von 11. Januar 2022, 12:11 Uhr

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Im Zuge des Verkehrsversuchs soll die Fackenburger Allee in beide Fahrtrichtungen für Pkw-Fahrer einspurig werden. Eine zweite Spur ist dem ÖPNV und dem Radverkehr vorbehalten.
Im Zuge des Verkehrsversuchs soll die Fackenburger Allee in beide Fahrtrichtungen für Pkw-Fahrer einspurig werden. Eine zweite Spur ist dem ÖPNV und dem Radverkehr vorbehalten.

Eigene Spuren für Radfahrer und Busse, mehr Raum für Fußgänger: Lübeck will eine der am stärksten befahrenen Hauptverkehrsadern der Stadt zu Testzwecken komplett umkrempeln.

Lübeck | Die einen werden in die Hände klatschen, die anderen sich mit dem Zeigefinger an die Stirn tippen: Für einen Verkehrsversuch wird Lübeck eine der größten Hauptein- und Ausfallstraßen komplett umgestalten. Aus der Fackenburger und Krempelsdorfer Allee sollen aus der vierspurigen Straße eine zweispurige werden. Die Pläne, wie sich die Stadt den Umbau einer der bedeutendsten Hauptverkehrsachsen, auf der allein im Bereich der Bahnhofsbrücke täglich rund 30.000 Fahrzeuge und zwölf Buslinien unterwegs sind, vorstellt, wurden jetzt präsentiert. Weiterlesen: Abriss der Bahnhofsbrücke: Wie steht es um die Bauarbeiten? Vorrang für Fußgänger, Radfahrer und ÖPNV Nach dem Prinzip einer Pop-up-Lane soll in der Krempelsdorfer und Fackenburger Allee – also von der Friedhofsallee bis zur Bahnhofsbrücke – versuchsweise anders aufgeteilt werden. Eine Spur pro Richtung wird für den Autoverkehr bleiben, der jeweils rechte Fahrstreifen für den Rad- und Busverkehr reserviert. Der ÖPNV darf, anders als die Pkw und Lkw, jedoch beide Spuren der jeweiligen Fahrtrichtungen nutzen. Um Rückstaus zu vermeiden und den Verkehrsfluss zu erhöhen, wird das Linksabbiegen auf dem gesamten Streckenabschnitt von der Krempelsdorfer Allee/Stockelsdorfer Straße bis zur Bahnhofsbrücke sowie auf einmündenden sogenannten Rippenstraßen untersagt. „Ein Linksabbiegen ist nur bei signalisierten Kreuzungen zugelassen“, so die Stadt. Das Be- und Entladen auf der Fahrbahn oder dem Radfahrstreifen ist ebenso untersagt. Ladezonen würden nur für einen begrenzten Zeitraum geschaffen. Parken ist hier nur noch nachts erlaubt. Und da die Radfahrer auf die jeweils rechte Spur wechseln, werden die vorhandene Radwege zu Gehwegen umfunktioniert. „Gleichzeitig können die neu gewonnenen Flächen dann zum Beispiel für gastronomische Angebote oder zusätzliches Grün genutzt werden“, so die Idee der Planer. „Durch den Wegfall der beidseitigen Radwege entsteht nicht nur mehr Raum für Fußgänger, sondern auch insgesamt vor den Häusern. Mehr Grün und eine tagsüber beruhigte Parksituation steigern an dieser Stelle die Aufenthaltsqualität in der Straße“, sind sich die Planer sicher Die Neuordnung sei jedoch eine Chance, allen Verkehrsteilnehmern „einen sicheren und komfortablen Verkehrsraum zu gewähren, Lärm zu mindern und unsere beschlossenen Klimaziele zu erreichen“, sagte Lübecks Bausenatorin Joanna Hagen (parteilos). Der Umbau der meistbefahrenen Verkehrsverbindung in Lübeck „ist ein großer Schritt für unsere Stadt hin zu einer zukunftsgewandten Mobilität“, so Hagen. Offen bleibt bislang, wie sich die Verkehrsströme auf dem Weg in und aus der Stadt verändern werden, wenn die Hauptachse im Grunde zurückgebaut wird. Erfahrungen mit einem Verkehrsversuch ähnlicher Art sammelt die Stadt gerade mit der Beckergrube, die seit Mai 2020 im Bereich des Theaters für den Durchgangsverkehr gesperrt wurde. Weiterlesen: Verkehrsversuch Beckergrube: Lübecker bewerten die Umgestaltung positiv Klimaschutz im Fokus Als Auslöser für das Gedankenspiel sind erklärter Klimanotstand und Mobiltätswende zu sehen – Themen, die in der Hansestadt seit Monaten verstärkt in den Fokus geraten sind. Zuletzt eröffnete „Fridays for Future“ eine breite Diskussion über die Rückkehr zur Straßenbahn in der Hansestadt. Weiterlesen: „Fridays for Future“ fordert Bau einer Straßenbahn bis ins Umland Mit dem Verkehrsversuch reagiert die Bauverwaltung nach eigenen Angaben jetzt auf die Forderungen zum Klimaschutz und für mehr Lebensqualität. „Die Fackenburger Allee eignet sich besonders für einen Versuch, zumal dort die Probleme von der Lärm- über die Umweltbelastung bis hin zum belästigenden und ordnungswidrigen Parken besonders augenfällig sind. Der Versuch wird uns helfen, dauerhafte Lösungen zu entwickeln“, ist sich Umweltsenator Ludger Hinsen (CDU) sicher. Weiterlesen: Wie wird die Elekromobilität die Stadt und die Parkplatzsituation verändern?   Test startet im Mai Der Versuch startet voraussichtlich im Mai und ist zunächst auf eine Laufzeit von sechs Monaten beschränkt. Er kann um weitere sechs Monate verlängert werden. Während und im Anschluss an den Versuch sollen umfassende Evaluierungen stattfinden. Website und E-Mail-Kontakt für Bürger Wie bereits im Fall von Bahnhofsbrücke und Beckergrube möchte die Stadt mit Betroffenen in Austausch treten. Zur Kontaktaufnahme werde die E-Mail-Adresse verkehrsversuch@luebeck.de eingerichtet. Bürger sollen auf diesem Weg ihre Fragen rund um das Projekt stellen und Auskünfte erhalten können. „Nur, wenn wir alle Betroffenen erreichen, kann das Projekt ein Erfolg werden“, so Bausenatorin Hagen. Weitere Informationen zum Verkehrsversuch sind online abrufbar....

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