90 Jahre Seglervereinigung

Die Transportlogistik der 1930er und 1940er Jahre war mühselig.
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Die Transportlogistik der 1930er und 1940er Jahre war mühselig.

50 Segler gründeten 1925 den Verein als „Segler Club Kellersee“ – Uwe Heinzmann brachte es 1972 bis zu den Olympischen Spielen

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05. Juni 2015, 18:49 Uhr

Mit einem Tag der offenen Tür feiert die Seglervereinigung Malente-Gremsmühlen (SVMG) am Sonnabend, 13. Juni, ab 11 Uhr auf dem Vereinsgelände im Klaus-Groth-Weg ihr 90-jähriges Bestehen. „Jeder ist zu einem kostenlosen Törn über den Kellersee beim Gästesegeln und zur Jedermann-Regatta ohne Startgeld willkommen“, sagt SVMG-Vorsitzender Henning Dieckmann.

Seit der Vereinsgründung im Herbst 1925 widmet sich die SVMG der Pflege des Segelsports und der Jugendausbildung. „Dieses Satzungsziel haben alle Vorgänger-Vorstände beherzigt und durchgehalten“, ist der Vorsitzende mit der Entwicklung zufrieden. In den vergangenen neun Jahrzehnten habe die Devise „mit kleinem Geld eine große Sache machen“ gegolten.

Wichtig ist Henning Dieckmann: „Wir sind ein Sportverein.“ Vor allem die Jugendarbeit steht im Fokus, was der Verein durch einen moderaten Jahresbeitrag für Kinder und Jugendliche in Höhe von 48 Euro und 26 vereinseigene Boote in sechs Klassen, auf denen der Nachwuchs ausgebildet und zu Erfolgen geführt wird, eindrucksvoll beweist. Als Paradegruppe des Vereins sieht Dieckmann die jungen Segler in der Teeny-Klasse.

50 Segler traten 1925 in den Verein ein, der sich damals „Segler Club Kellersee“ nannte. Die Vorsitzenden-Posten übernahmen die Herren Filter und Michelsen. Schriftwart war Paul Heye und ein Herr Schiller wurde Kassenwart. Hafenwart wurde ein Herr Boller, auf dessen Bootsvermietungsgelände in der Kellerseestraße der Verein sein Zuhause fand. Das Eintrittsgeld betrug zehn Reichsmark, der Mitgliedsbeitrag eine Reichsmark pro Monat. Nur einige Monate später fiel die Entscheidung, ein Jugendboot und Zubehör für die Segelausbildung anzuschaffen.

Die erste offizielle Regatta startet im Juni 1926 auf dem Stammrevier, dem Kellersee. Bei der „Holsteinischen Bundeswoche“ vom 18. bis 23. Juli desselben Jahres gab es bereits fünf Wettfahrten in neun Klassen mit insgesamt 26 Teilnehmern. Seitdem richtete der SVMG jährlich drei bis vier Regatten aus.

Dass diese ab 1939 aus organisatorischen Gründen verstärkt auf dem Dieksee ausgetragen wurden, war anscheinend der Logistik für Vorbereitungen und Abwicklungen der Gastsegler geschuldet. Denn für sie war jede Regatta eine kleine Expedition.

Um die Gastboote an den Steg des seinerzeitigen Kurhauses, heute Intermar-Komplex, zu transportieren, war Manpower gefragt. Von den Waggons am Güterbahnhof wurden die Boote einzeln auf eine Karre mit Eisenrädern gewuchtet, der vom Malenter Milchwagenschimmel gezogen wurde. Drei Männer passten auf, dass die Boote nicht runterfielen. Umkleidekabinen, Wasch- und Trockenräume sowie eine Bootshalle gab es nicht. Trotzdem waren die Regatten in Malente sportliche und volkstümliche Veranstaltungen mit hoher Anziehungskraft. Das Malenter Revier und seine Segler waren weit im Land bekannt und beliebt.

Mit dem Einzug der Nationalsozialisten mussten alle Sportvereine eine Einheitssatzung des „Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen“ anerkennen, die trotz einiger Abänderungen des Vorstands vom Beauftragten des Reichssportführers genehmigt wurde. Denn die Gründerväter hatten Passagen wie „Der Verein bezweckt die leibliche und seelische Erziehung seiner Mitglieder im Geiste des nationalsozialistischen Volksstaates“ und „Die Mitglieder müssen arischer Abstammung sein“ sowie die Bezeichnung „Vereinsführer“ anstelle von „Vorsitzender“ kurzerhand gestrichen. Zugleich wurde der Name des „Segler Club Kellersee“ in „Segler-Vereinigung Malente-Gremsmühlen“ geändert.

Da viele Mitglieder zum Dienst im 2. Weltkrieg eingezogen wurden, kam das Vereinsleben fast zum Erliegen. Mit Kriegsende beschlagnahmten die Engländer den noch brauchbaren Restbestand der Boote – drei 15er, eine 10er und eine 20er Rennjolle. Im Dezember 1948 genehmigte die britische Militärregierung die Neugründung des Vereins, und Yachten bis zu 40 Fuß Gesamtlänge erhielten eine Segelerlaubnis. 13 alte und acht neue Mitglieder starteten mit 13 Vereinsbooten neu durch und organisierten die erste Nachkriegs-Regatta für den 12. Juni 1949.

Ab 1950 wurden die drei bis vier jährlichen Regatten wieder auf dem Kellersee ausgerichtet. Mit Weitblick entschieden sich die Mitglieder im Januar 1957 von der Mitgliedserhöhung auf 2,50 Mark 50 Pfennig in einen Hausfonds einzuzahlen. Nachdem die SVMG 1962 das heutige Vereinsgelände für 50 Jahre gepachtet hatte – damals mit einem jährlichen Erbbauzins von 100 Mark – , begann im August 1962 der Bau der Bootshalle. Mit viel Eigenleistung der Mitglieder im Wert von rund 100  000 Mark, finanzieller Unterstützung durch den Kreissportförderausschuss, heimischer Handwerksbetriebe und der Bundeswehr entstand vier Jahre später das Clubhaus mit Jugendräumen. Die Einweihung wurde im Juni 1967 gefeiert.

Das Welttreffen der Optimistensegler mit 161 Meldungen aus 14 Nationen sorgte 1971 dafür, dass die Seglervereinigung seit Jahrzehnten zu den beliebtesten nationalen und internationalen Segelrevieren zählt. Es folgten Deutsche und internationale Meisterschaften in nahezu allen Bootsklassen. Erfolgreiche Segler wie Willi Kuhweide starteten auf dem Kellersee.

Neben den Seglern Manfred Andruleit, Dr. Arndt Remien und Walter Frenz zählte Uwe Heinzmann zu den herausragenden SVMG-Seglern, der 1972 im Finn-Dinghi zum Olympia-Aufgebot gehörte. Später stieg er auf Star-Boote um und initiierte den bis heute jährlich stattfindenden Star-Boot-Cup, der seit 1980 im Weltkalender der Segler geführt wird.

Waren es 1965 noch 105 Mitglieder, so gehören der SVMG heute 184 Segler an, davon 52 Jugendliche. 2014 erwarb der Verein das Grundstück im Klaus-Groth-Weg von der Gemeinde, um dies zukunftsfähig herzurichten.

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