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Chronisten waren fleissig : 800 Jahre Röbel – ein Dorf feiert

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Dank der Chronisten erfuhren die 397 Einwohner erst vom Jubiläum. Feste haben Tradition im Ort: am 7. Juni ist das Kinderfest

Als Röbel im Jahr 1214 erstmals urkundlich erwähnt wurde, beendeten französische Waffen bei der Schlacht von Bouvines mit der Niederlage von Kaiser Otto IV. den deutschen Thronstreit. 800 Jahre aufregende Geschichte sind seitdem vergangen – für die 397 Röbeler war das Grund genug, am Wochenende ihr Jubiläum zu feiern.

Sie haben Glück, dass es die Chronisten Max (79) und Rudolf (75) Lunau sowie Edgar Freidel (75) gibt, die intensiv in den vergangenen vier Jahren an der nun fertigen Chronik gearbeitet haben. Denn: „Das Fest ist das Ergebnis unserer Arbeit. Wir haben die Röbeler erst darauf aufmerksam gemacht, dass dieses Jubiläum ansteht“, erzählt Edgar Freidel. Der einstige Lehrer arbeitete zusammen mit den in Röbel geborenen Lunau-Geschwistern und dem 2012 leider verstorbenen Udo Kock an der fast 200 Seiten umfassenden Dorfgeschichte. Den historischen Teil steuerte der bekannte Heimatforscher Ernst Günther Prühs bei. „Grundlage für unsere Arbeit war die Chronik über die bäuerliche Familie Klüver, die seit mehreren Jahrhunderten im Ort lebt“, sagt Freidel. Georg Leisner, selbst Klüver Familienmitglied, hatte das unveröffentlichte Manuskript verfasst. Dankbar waren die Chronisten auch über die Protokollbücher der Feuerwehr, die nächstes Jahr ihr 120. Bestehen feiert, denn der Brand 1994 in der Gemeindeverwaltung hatte viel Archivmaterial zerstört. Damit die heutigen Röbeler die Chronik auch interessant finden, haben sich die drei Autoren etwas Besonderes ausgedacht: „Wir haben jedes Haus fotografiert, das Baujahr notiert und wer früher und heute darin lebt.“

Was waren Röbels einschneidenste Entwicklungen? „Die größte Veränderung gab es nach 1945, als die ganzen Flüchtlinge kamen“, erzählt Rudolf Lunau. Von rund 200 sei die Einwohnerzahl im Nu auf 500 angestiegen. Edgar Freidel ergänzt: „300 Jahre unterstand Röbel der Lübecker Petrikirche, hier galt lübsches Recht, aber Röbel war nie leibeigen.“

Gefeiert wurde im historischen Zentrum des einstigen Rundlingsdorfes – auf dem Dorfplatz – mit einem kleinen Umzug, einem Plattdeutschen Gottesdienst, einer Dorfrallye und einer Treckerparade.Vier der ursprünglich acht Hufen (Bauernstellen) um den Dorfkern sind heute noch erhalten und bewohnt. In der Hufe von Erika Jahnke (65) und ihrer Familie gab es zum Fest sogar eine kleine Ausstellung: Von den Beschlagwerkzeugen für die Pferde über die Milchkannen bis hin zu historischen Haushaltsgeräten und natürlich privaten Bildern konnten Einwohner und Besucher gemeinsam in Erinnerung schwelgen. Denn, das betonte Erika Jahnke, die auch Vorsitzende des Festausschusses ist: „So eine Veranstaltung bringt nicht nur das Dorf wieder ein bisschen mehr zusammen, sondern lockt auch ehemalige Röbeler wieder an ihren Kindheitsort.“

Feste feiern, das hat Tradition in Röbel. Kritische Stimmen meinten, man hätte die 800-Jahr-Feier gut mit dem Kinderfest am 7. Juni zusammenlegen können. Doch Julia Lunau entgegnet: „Das Kinderfest gehört den Kindern. Unsere Chronik verdient aber auch ihren eigenen Platz.

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erstellt am 18.Mai.2014 | 13:31 Uhr

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