PLÖN : 70 Jahre „Stadt und Land – Hand in Hand“

Elisabeth Beerbaum (85) hat Fotos, Zeitungsberichte und Dokumente aus ihrer aktiven Zeit als Vorsitzende aufgehoben und Erinnerungen aufgeschrieben. Mit (v. li.) Vereinsmitglied Sandra Wulff, Vorstandsmitglied Telse Biss, Vorsitzender Antje Jandrey und vielen Mitgliedern und Gästen will sie am 5. September das 70-jährige Jubiläum des Landfrauenvereins feiern.
Elisabeth Beerbaum (85) hat Fotos, Zeitungsberichte und Dokumente aus ihrer aktiven Zeit als Vorsitzende aufgehoben und Erinnerungen aufgeschrieben. Mit (v. li.) Vereinsmitglied Sandra Wulff, Vorstandsmitglied Telse Biss, Vorsitzender Antje Jandrey und vielen Mitgliedern und Gästen will sie am 5. September das 70-jährige Jubiläum des Landfrauenvereins feiern.

Der Landfrauenverband Plön und Umgebung feiert Jubiläum. Ein Rückblick auf den Wandel des Frauenbildes in Landwirtschaft und Co.

shz.de von
29. August 2018, 11:13 Uhr

Vor 70 Jahren trafen sich 15 Frauen in Plön in der Lübecker Straße bei Familie Krützfeld, Betreiber des landwirtschaftlichen Getreidehandels am Lübschen Tor. Ihr Ziel: Einen Landfrauenverband Plön und Umgebung ins Leben zu rufen. Den runden Geburtstag feiern Mitglieder und Gäste am 5. September ab 18 Uhr im Dörpskrog Lindemann in Rathjensdorf.

Eine der Landfrauen, die ein gutes Stück der Vereinsgeschichte mitgestaltet und geprägt haben, ist Elisabeth Beerbaum. Die 85-Jährige vom Gut Helenenruhe (Gemeinde Grebin) war 25 Jahre Vorsitzende von 1965 bis 1990 und lebt heute in Eutin. Mit Vorsitzender Antje Jandrey, Mitglied Sandra Wulff und Vorstand Telse Biss hat sie Erinnerungen notiert und ausgetauscht, weil Jandrey beim Jubiläum die Festrede hält und aus der Geschichte erzählen möchte. Erste Vorsitzende sei damals Gräfin Baudissin gewesen, zweite Vorsitzende Adalberta von Hollen aus Schönweide, blickt die Seniorin zurück. Eine Chronik oder andere schriftliche Aufzeichnungen gebe es nicht: „Zu meiner Zeit wurde überhaupt nichts aufgeschrieben, erst Annaliese Pentzlin aus Schönweide begann damit.“

Schon als junges Mädchen war Beerbaum eine moderne und weltoffene Frau. Als 18-Jährige lernte die als Elisabeth Naue in Hutzfeld (Gemeinde Bosau) Geborene ländliche Hauswirtschaft in Brackrade, ging bei landwirtschaftlichen Betrieben in Angeln und Oldenburg in die Lehre, besuchte die Landfrauenschule in Hildesheim und legte ihre Meisterprüfung ab. Danach kochte sie auf Höfen, die mit Ferien auf dem Bauernhof Städter aufs Land lockten. 1959, dem Jahr ihrer Heirat mit Friedrich-Wilhelm Beerbaum, Verwalter auf Gut Helenenruhe, kam sie zu den Landfrauen nach Plön. Jahre zuvor hatte sie in Hutzfeld die Landjugend gegründet und auf Kreisebene in Ostholstein als stellvertretende Vorsitzende geleitet. Als Mutter von drei Kindern verlegte sich Beerbaum auf Gut Helenenruhe auf die Ausbildung ländlicher Hauswirtschaftslehrlinge.

„Damals war alles Handarbeit, es gab keinen Strom, kein fließendes Wasser. Wenn wir dreschen wollten, hatte der Nachbarort Treufeld keinen Strom“, erzählt sie. Um die Landwirtschaft zu modernisieren, habe Olly Dose aus Bösdorf, Nachfolgerin der Gräfin Baudissin im Amt, eine vom Land finanzierte Vorzeigeküche mit der Auflage erhalten, diese für Besichtigungen zu öffnen und dort Lehrlinge auszubilden. „Zusammenkünfte mussten immer so gelegt werden, dass die Frauen um 18 Uhr zum Melken zu Hause waren. Die Frauen waren wissbegierig und wollten lernen, was an Fortschritten in der Landwirtschaft möglich war. Es war Zeit, die sie opferten, aber sie wollten sich weiterbilden“, so Beerbaum. Die Männer akzeptierten es, solange zu Hause alles lief, das Essen pünktlich auf dem Tisch stand. Auch Städterinnen kamen. Motto damals: „Stadt und Land – Hand in Hand“. Nicht von ungefähr lautete 1977 der Titel eines Vortrags „Wandel im Verständnis in der Ehe“, fügt Jandrey an.

„Mein Mann hat viel erdulden müssen. Weil ich Lehrlinge hatte, die mich vertraten, ging es. Er konnte aber auch kochen und machte ein Drei-Gänge-Menü“, schmunzelt Beerbaum, die 1986 den Landfrauen-Chor gründete. Es gab gemeinschaftliche Gefrierhäuser, Kurse in Kochen, Tisch decken, Textilkunde, Modenschauen mit selbst genähter Kleidung, man lernte rationelles und Kräfte schonendes Arbeiten, bewirtschaftete den Garten, machte Ausflüge und Reisen, wollte kulturell und politisch etwas erleben. Das ist bis heute so. Nach Beerbaum übernahm bis 2006 Jutta Martens aus Lebrade den Vorsitz. Seither lenkt Antje Jandrey aus Sasel die Geschicke des Vereins mit 156 Mitgliedern, fünf davon aktive Bäuerinnen, 26 Bäuerinnen im Altenteil. Alle Generationen, Berufe und Interessen seien vertreten, so Jandrey. Im Angebot: Vorträge, Reisen, Seminare, eine Patchwork- und eine Wandergruppe. Weitere Informationen bei Antje Jandrey unter Telefon 04383/208 oder im Internet unter www.landfrauen-ploen.de

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