zur Navigation springen

65 Jahre Ehe – dank eines Frühstücksbrots

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Anneliese und Walter Schmidt feiern heute das Fest der Eisernen Hochzeit

Seit 70 Jahren sind Anneliese und Walter Schmidt bereits ein Paar. Und daran ist ein Frühstücksbrot Schuld. Das hatte Schmidts Vater im September 1945 zu Hause vergessen. Der Sohn – gerade erst frisch aus britischer Kriegsgefangenschaft entlassen – sollte es ihm zur Arbeitsstelle bringen. Im Pförtnerhaus des Reichsbahnausbesserungswerkes in Glückstadt half gerade eine junge Frau aus. „Sie hat mir gleich gefallen“, sagt Schmidt heute. „Besonders die Ringellöckchen“, schmunzelt der 89-Jährige.

Ein paar Tage später entdeckte er seine Zufallsbekanntschaft wieder – in einem Tanzlokal. Dass er nur Turn- und keine Tanzschuhe trug, störte sie nicht. „Ich habe meinen Mann gleich gut leiden können“, erinnert sich Anneliese Schmidt. Und noch heute leuchten die Augen der 91-Jährigen.

Der gebürtige Ostpreuße und die Glückstädterin tanzten vor 70 Jahren nicht das letzte Mal zusammen. 1947 verlobten sie sich. Eine Hochzeit sollte folgen. Doch dem machte Schmidts Arbeitgeber einen Strich durch die Rechnung: Das damals noch autoritäre Beamtenrecht erlaubte mit einer so genannten „Zölibatsklausel“ Polizeibeamten die Eheschließung erst mit Vollendung des 27. Lebensjahres. „Mir platzte irgendwann der Kragen“, erinnert sich Walter Schmidt. Der damals junge Polizist erwirkte mit seinen Protesten beim Dienstherrn eine Ausnahmegenehmigung. 1950 gab das Ministerium grünes Licht zur „vorzeitigen“ Eheschließung.

Am 5. August 1950 ließen sich die beiden in Glückstadt trauen. Gefeiert wurde im Familienkreis bei den Schwiegereltern zu Hause. Als Hochzeitsgeschenke gab es eine blecherne Milchkanne und einen Silberlöffel, erinnern sich das Eiserne Hochzeitspaar heute.

65 Jahre nach ihrer Hochzeit blicken die beiden Eutiner Rentner auf ein erfülltes Leben zurück. Ihr Sohn Klaus-Dieter ist Professor und Lehrstuhlinhaber in Dresden, mit dem Bau ihres Bungalows in Eutin erfüllten sich die Schmidts Anfang der 1970er Jahre einen großen Traum – auch wenn die Kreisstadt erzwungenermaßen zur Heimat wurde. Denn 1956 wurde Walter Schmidt für den gehobenen und später auch für den höheren Dienst der Landespolizei ausgewählt. Das hatte viele Fortbildungslehrgänge und Prüfungen zur Folge; der Aufstieg in Führungsfunktionen bei der Bereitschaftspolizei erforderte den Umzug nach Eutin.

Trotz wechselnder Dienstorte – Schmidt wurde Leiter der Polizei-Inspektionen Eutin und Lübeck, Abteilungsführer der Bereitschaftspolizei, Chef der Polizei-Direktion Süd und 1980 Direktor des Schutzpolizeiamts Schleswig-Holsteins – konnten sie stets in Eutin wohnen bleiben. „Ein Glücksfall“, sagt Schmidt, der später im Ruhestand als Geschäftsführer des Eigentümerverbandes von Haus und Grund weit über ein Jahrzehnt sehr aktiv war.

Die Jahre haben sie zusammengeschweißt. „Wir haben uns selten gestritten, schon gar nicht wegen Geld“, sagen die Schmidts, die sich für ihren Ehrentag etwas Besonderes ausgedacht haben: Bevor am kommenden Wochenende der 90. Geburtstag von Walter Schmidt im Familienkreis gefeiert wird, wollen die zwei rüstigen Rentner heute schick in einem Restaurant essen gehen. So wie sie seit 1945 zusammen unterwegs sind: Nur zu zweit. Denn: „Seit 70 Jahren sind wir unzertrennlich“, sagt Anneliese Schmidt.

zur Startseite

von
erstellt am 04.Aug.2015 | 17:45 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen