Eutin : 55 Jahre Patenschaft

Dr. Siegfried Raddatz
Dr. Siegfried Raddatz

Was bedeutet heute die 55 Jahre alte Patenschaft von Eutin für Neustettin? Diese Frage beschäftigte gestern Abend den Kulturausschuss im Rathaus.

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22. September 2011, 11:54 Uhr

eutin | Damit überlagerte die Frage auch das dreitägige Treffen, zu dem morgen rund 200 ehemalige Neustettiner hier anreisen.

Kurzer Blick zurück: Über ein Jahrzehnt nach Kriegsende dämmerte es den meisten Deutschen, dass es für die Millionen Heimatvertriebenen auf absehbare Zeit keine Rückkehr in ihre alten Dörfer und Städte östlich der Elbe geben würde. Ihren Verlust von Hab und Gut sollten staatliche Hilfsregelungen ausgleichen - dieser "Lastenausgleich" gilt heute international als vorbildliche soziale Integrationsleistung zur Linderung von Kriegsfolgen. Doch wie ließ sich der emotional tief greifende Verlust von Heimatliebe und Traditionen ausgleichen?

Dafür fand man in der sich im Wirtschaftswunder einrichtenden Bundesrepublik Symbolakte wie die kommunalen Patenschaften, die der Kreis Eutin im Sommer 1956 zusammen mit seinen Kommunen für die Neustettiner übernahm. In der Urkunde der Stadt Eutin dazu wird in markigen Worten der Wille zur Wiedervereinigung bekundet: "Das ganze Deutschland soll es sein."

Diese Diktion müsse man aus der damaligen politischen Stimmungslage heraus verstehen, betonte Dr. Siegfried Raddatz, der Vorsitzende des Heimatkreisausschusses Neustettin. "Man wollte helfen", interpretierte er den Grundgedanken der Patenschaft. Der Stadt Eutin und dem Kreis sei man in seinen Reihen dankbar, dass sie die Neustettiner Heimatstube im Gebäude der Schlossterrassen mietfrei belassen - und das hoffentlich noch lange. Um sie häufiger öffnen zu können, würden jetzt ehrenamtliche Betreuer gesucht.

Dr. Raddatz unterstrich den Willen, engen Kontakt zur alten, als Szczecinek wieder aufgeblühten Heimatstadt im heutigen Polen zu halten. Auch wenn die Erinnerungen an eigene Zeiten dort viele immer noch schmerzten, müsse die infolge des Kriegsbeginns am 1. September 1939 veränderte Landkarte Europas akzeptiert werden: "Es ist, wie es ist."

Das Heimatmuseum des Kreises Neustettin ist morgen ab 15 Uhr geöffnet. Am Sonnabend (24. September) findet um 9.30 Uhr am Neustettiner Gedenkstein neben dem Heimatmuseum die Totenehrung statt. Im Anschluss daran wird der Vorsitzende des Heimatkreis-ausschusses Neustettin, Dr. Siegfried Raddatz, die Teilnehmer in den Schlossterrassen begrüßen. Dort beginnt um 14 Uhr eine Versammlung mit offiziellen Grußadressen, die von der Jugendband des TSV Fissau musikalisch umrahmt wird.

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