500 Kindern brachte ein Teddy Trost und Ablenkung

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23. Juni 2014, 16:17 Uhr

Zum Start der Aktion vor zwei Jahren reichten die Geldspenden für 500 Teddys. Die sind weg. Die knuffigen Sympathieträger haben Kindern geholfen, über schreckliche Ereignisse hinwegzukommen. Damit die Aktion „Jeder Teddy hilft“ weitergehen kann, sammeln Mitglieder des Lions-Clubs Ostholstein mit Unterstützung von Polizei und Rettungsdienst wieder Spenden: Am nächsten Sonnabend (28. Juni) wird von 9 bis 13 Uhr am Rand des Eutiner Wochenmarktes die Gelegenheit bestehen, Teddys (Stückpreis
5 Euro) zu kaufen und zu spenden.

Er habe vor zwei Jahren – da amtierte er als Präsident des Lions-Clubs – von dieser Aktion gehört und beschlossen, sie in den Raum Eutin zu holen, erinnerte sich gestern Mel Camelly in einem Pressegespräch. Die Idee: Polizeibeamte und Rettungssanitäter haben immer einen Teddy in Reserve, der Kindern geschenkt wird, die etwas Schreckliches erlebt haben – ob als Betroffene oder als Zeugen.

Das Konzept ging auf: 500 Teddys in zwei Jahren, also fast jeden Tag gibt es ein Kind, das einen Teddy bekommt und mit dessen Hilfe eine schlimme Situation besser übersteht. Neben Streifen- und Rettungswagen hat auch der Rettungshubschrauber immer Teddys dabei. Das ist der Initiative eines Piloten zu verdanken, der von der Aktion erfahren und Teddys für den fliegenden Notarzt-Transporter eingeworben hatte. Und mehr als 100 Teddys haben in den beiden vergangenen Jahren in der Eutiner Sana-Klinik ihre Bestimmung gefunden.

„Polizeibeamte haben in schwierigen Situationen bei Kindern ja kaum Einfluss, da kann ein Teddy ein Erlöser sein“, sagt Jürgen Gertz, Präventionsbeauftragter der Polizeidirektion Lübeck. Wenn Kinder zum Beispiel einen Unfall erlebt, Blut gesehen hätten oder wenn sie Zeugen häuslicher Gewalt geworden seien, dann könne ein Teddy sehr dabei helfen, mit dem Kind ins Gespräch zu kommen und die Eindrücke des Schreckens zu mildern. Die Figur könne aber auch sehr hilfreich sein, wenn Kinder befragt würden, die vermutlich Opfer zum Beispiel sexuellen Missbrauchs geworden sind.

Wolfram Reuter von der Polizeizentralstation erzählte einige Beispiele für den Einsatz von Teddys: Zu den ersten Empfängern gehörten vor zwei Jahren die Kinder einer siebenköpfigen Familie, die durch einen Brand obdachlos geworden war. Kinder, die Verkehrsunfälle erlebt hatten, bekamen mit dem Teddy ebenso einen neuen Freund wie der Fünfjährige, dessen Bonbon-Tüte bei einem Einbruch in den elterlichen Pkw verschwunden war. Und auch der Fünfjährige, der seine Mutter „verloren“ hatte und bei der Station abgegeben worden war, wurde von den Beamten nicht nur mit Getränken und Süßigkeiten, sondern auch einem Trost-Teddy bei Laune gehalten. Und auch das Mädchen, das beim Klettern an einer Laterne auf dem Eutiner Markt abgerutscht war und ihren Fuß zwischen drei Pfählen eingeklemmt hatte, bekam einen Teddy, damit der Schreck schneller vorbei ging.

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