50 kriegt Harald Steffen nicht mehr voll

Von Ausbesserungsarbeiten bis zum Bau ganzer Häuser hat Harald Steffen alles gemacht. Foto: emm
Von Ausbesserungsarbeiten bis zum Bau ganzer Häuser hat Harald Steffen alles gemacht. Foto: emm

Maurerpolier der Malenter Firma Dose & Sohn blickt heute auf eine 49-jährige Firmenzugehörigkeit / Im Mai wechselt der Malkwitzer ins Rentnerdasein

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01. April 2011, 09:02 Uhr

Harald Steffen gehört zur alten Garde, die ihrem Arbeitgeber ein Leben lang treu bleiben. Heute feiert der 64-Jährige seine 49-jährige Betriebszugehörigkeit bei "Dose & Sohn". Das halbe Jahrhundert bekommt der Maurerpolier nicht mehr voll: Im Mai wird er 65 und geht in Rente.

"Ich kann es noch gar nicht fassen. Die Zeit ist so schnell vergangen", sagt Steffen, der in 49 Jahren vier Generationen der Familie Dose als Arbeitgeber hatte. Als knapp 15-jähriger sprach Steffen 1962 beim damaligen Junior-Chef Wilhelm Dose in der Voßstraße für eine Lehrstelle als Maurer vor. Großartige Bewerbungen habe man damals nicht zu schreiben brauchen, eine persönliche Vorstellung habe gereicht.

An seinem ersten Tag lernte der "Stift", wie Lehrlinge auch hießen, in einem Haus auf dem Godenberg Estrich zu verlegen. Harald Steffen musste früh aufstehen, er fuhr mit dem Fahrrad von Dannau zur Arbeit. Flotter ging es später mit dem Moped und ab dem 18. Geburtstag mit dem Auto.

Jede Woche verteilte der Senior-Chef und Firmengründer Carl Dose an die Arbeiter die Lohntüten mit Bargeld. "25 D-Mark betrug mein Lehrlingsgeld", weiß Harald Steffen noch genau.

1964 übernahm Wilhelm Dose den Betrieb. Harald Steffen arbeitete auf den Baustellen mit und bildete unzählig viele Lehrlinge mit aus.

Ein eigenes Haus baute Harald Steffen für seine Frau und zwei Kinder 1973 in Malkwitz. Mit Gerhard Dose folgte im Jahr 1983 der dritte Chef. "Er war einer von uns", erzählt Steffen weiter. Wie schon sein Vater Wilhelm hatte Gerhard Dose im väterlichen Betrieb das Maurer-Handwerk gelernt und war einige Jahre Steffens Kollege.

In vierter Generation übernahmen im Dezember 2003 Oliver und Timo Dose das Unternehmen. Oliver Dose ist ebenfalls Mauer, sein Bruder Timo Kaufmann. Rein handwerklich habe sich in den fünf Jahrzehnten nicht viel geändert. "Verputzt wird wie vor 50 Jahren", sagt Steffen, der 1981 in Abendkursen eine Zusatzqualifikation zum Werkspolier machte. Nur Steingrößen und Anlieferungsart hätten sich gewandelt: Früher wurden die Steine abgekippt und per Schubkarre verteilt. Heute erfolgt mit Kranwagen eine platzgenaue Anlieferung auf Paletten. Damals hätten drei bis vier Maurer ein Jahr für ein Haus gebraucht, heute nur noch ein Vierteljahr.

Mit dem Erreichen des Rentenalters wird Harald Steffen auch als Ortswehrführer in Malkwitz-Söhren in die Ehrenabteilung wechseln. Damit bei ihm keine Langeweile aufkommt, hat er sich einiges vorgenommen: "Ich habe Häuser und Grundstücke in Ordnung zu halten und kümmere mich um die Schafe." Die hatte er sich mit Blick auf den Ruhestand vor einigen Jahren angeschafft. Außerdem können sich die beiden ein- und zweijährigen Enkel auf viel Zeit mit Opa freuen.

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