Eutin : 40. Geburtstag endet mit Gerichtstermin

Immer mehr Polizisten sehen sich immer roher werdender Gewalt ausgesetzt.
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Immer mehr Polizisten sehen sich immer roher werdender Gewalt ausgesetzt.

Sechs Polizisten waren nötig, um einen feierwütigen Betrunkenen aus der Kneipe zu schaffen

shz.de von
08. April 2015, 04:30 Uhr

„Ich wollte doch eigentlich nur meinen Geburtstag nachfeiern“, sagt Emanuel N. (40) gestern vor dem Eutiner Amtsgericht. Doch dieses Nachfeiern ist laut Anklage so eskaliert, dass schließlich sechs Polizisten nötig sind, um den stark alkoholisierten Gastgeber vom Barhocker zur Polizeiwache zu befördern.

Andreas Hollmann und sein damaliger Kollege haben bereits jahrzehntelange Diensterfahrung. Aber der Einsatz am 27. Juli im vergangenen Sommer hat für beide etwas „der besonderen Art“. Eigentlich sollen sie „nur“ dafür sorgen, dass ein stark angetrunkener Gast mit Hausverbot die Kneipe an der Timmendorfer Strandallee verlässt. Aber im Nachhinein wissen sie: Gerade die harmlos scheinenden Routinefälle können es in sich haben.

„Als wir ankamen, warnte uns das Personal. Er habe eine Woche zuvor auch Stress gemacht und sechs Freunde oder Kollegen seien nötig gewesen, um ihn hinaus zu befördern“, berichtet Andreas Hollmann, stellvertretender Leiter der Polizeistation Scharbeutz. Nach „mehrfacher Ansprache und Aufforderung“ wie es im Beamtendeutsch heißt, versucht ein Polizist Emanuel N. mit Armgriff vom Barhocker weg nach draußen zu begleiten. Doch er dreht sich frei. Gerangel. Beide Polizisten versuchen ihn schließlich am Boden zu fixieren. Emanuel N. tritt und schlägt um sich. „Ich hatte den Verdacht, dass er nicht nur etwas getrunken, sondern auch andere Drogen genommen hatte, so wie der unter Strom stand“, erklärt Hollmann. „Wir merkten schnell, dass wir mit den typischen Griffen nicht mit ihm fertig werden und forderten Verstärkung an.“ Erst als sechs Beamte ihn aus der Kneipe begleiten, folgt er mit gehobenen Händen. Als er am Streifenwagen kontrolliert wird, bäumt sich N. nochmal so auf, dass ihm am Boden Handschellen angelegt werden müssen.

Gestern ist ihm das alles „äußerst unangenehm“, er entschuldigt sich bei den Polizisten. Auch das Schmerzensgeld – einer wurde am Rücken verletzt und war dienstuntauglich – hat er bereits bezahlt. Das Gericht stellt das Verfahren ein, wenn N. binnen der nächsten sechs Monate 1200 Euro Geldbuße zahlt.

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