39-Jähriger versorgte Jugendliche in seiner Wohnung mit Drogen

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18. März 2018, 12:35 Uhr

Die Vokabeln, mit denen der Vorsitzende des Plöner Schöffengerichts, Volker Gillerke, das Verhalten eines 39-jährigen Handwerkers aus Trappenkamp bewertete, waren deutlich: Hinterhältiges Verhalten gegen eine 15-Jährige, „dünne Suppe“ das Geständnis, zu dem sich der Angeklagte erst durchrang, als ihn die Beweislage erdrückte.

Wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz musste sich der einschlägig Vorbestrafte jetzt erneut vor dem Plöner Amtsgericht verantworten. Ein Jahr nach der ersten Verurteilung fand die Kriminalpolizei bei einer Hausdurchsuchung wieder synthetische Drogen bei dem Angeklagten. Offenbar habe das Urteil aus 2016 seine Wirkung verfehlt, sei also nur ein „Schuss in den Ofen gewesen“, so Gillerke. Er hoffe, dass die jetzt verhängte zweijährige Bewährungsstrafe nachhaltiger auf den Verurteilten wirken werde.

Die jetzt angeklagten Taten gehen auf das Jahr 2015 zurück. Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Kiel hatte der zu dieser Zeit in Wankendorf wohnende Angeklagte Drogen an Minderjährige abgegeben. Unter den Dorfjugendlichen hatte es sich herumgesprochen, dass man in geselliger Runde in der Wohnung des Angeklagten kostenlos Drogen und Alkohol konsumieren konnte. Zwischen 15 und 18 Jahre alt waren die „Gäste“, die der Angeklagte in seiner Wohnung mit Bier, Cola-Rum und Rauschgift bewirtete.

Amphetamine, besser bekannt unter der Bezeichnung Speed, machten die Runde – eine synthetische, pulverförmige Droge, die, gewöhnlich durch die Nase „geschnieft“, eine aufputschende Wirkung erzielt. Die als Zeugen geladenen Jugendlichen sprachen dann auch von einigen „Nasen“, die sie bei dem Angeklagten konsumiert hätten. Auf einem Spiegel oder einer Pappe habe er den Stoff in so genannten Linien aufbereitet herumgereicht; daneben habe auch Gras (Marihuana) zum Angebot gehört.

Als mehr als hinterhältig bezeichnete es der Gerichtsvorsitzende, dass der Angeklagte einer zur Tatzeit 15-jährigen Schülerin Speed in ein Getränk gemischt hatte, als diese den Raum kurz verlassen hatte. Nach einem ersten „Genuss“ der Droge, der bei ihr zu Übelkeit führte, hatte diese dem Angeklagten klar zu verstehen gegeben, keine weiteren Drogen konsumieren zu wollen.

Die Erklärung des Angeklagten, das Alter seiner Besucher nicht gekannt zu haben, stand nicht lange durch und wertete das Gericht als reine Schutzbehauptung – übereinstimmend erklärten die Zeugen, sich nicht nur mit Namen, sondern auch mit ihrem Alter vorgestellt zu haben. Einen der jugendlichen Zeugen konnte das Gericht erst mit der Androhung von Beugehaft zu einer Aussage „überreden“.

Die Frage nach seinem Motiv beantwortete der Angeklagte mit Einsamkeit und fehlenden Kontakten im Dorf. Sehr schwer tat sich das Gericht damit, die Strafe zur Bewährung auszusetzen. Dass der Verurteilte jetzt in einer festen Partnerschaft lebt und seinen Lebensmittelpunkt nach Berlin verlegt und Drogen in jeglicher Form abgeschworen hat, ließen aber die Strafaussetzung zu, so das Gericht. Als Auflage muss der Verurteilte neben den Gerichtskosten 3000 Euro an die Staatskasse zahlen.

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