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Ostholsteiner Anzeiger

18. Oktober 2017 | 00:40 Uhr

35 Jahre Arbeit gegen das Vergessen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Käthe Birkenfeldt legt Chronik zur Geschichte der Ortsgruppe Eutin in der Gefangenenhilfsorganisation Amnesty International vor

shz.de von
erstellt am 29.Okt.2013 | 00:31 Uhr

Für die Menschenrechte und gegen das Vergessen – diesem Kampf hat sich die Ortsgruppe von Amnesty International verpflichtet. Die Chronik „35 Jahre Amnesty International Eutin“, verfasst vom langjährigen Mitglied Käthe Birkenfeldt, erzählt die Geschichte der Ortsgruppe.

Alles beginnt im Mai 1961 in London: Der Rechtsanwalt Peter Benenson erfährt von der Inhaftierung zweier Studenten in Lissabon. Der Grund: Sie stießen in einem Restaurant auf die Freiheit an. Da Benenson weiß, dass diese willkürliche Verhaftung kein Einzelfall ist, beschließt er, zu handeln: Sein Artikel „Die vergessenen
Gefangenen“ erscheint einen Monat später auf dem Titelblatt der „Weekly Review“. Über 30 europäische Zeitungen drucken den Artikel nach – und erzeugen ein riesiges Echo. Die Arbeit der heute größten internationalen Menschenrechtsorganisation Amnesty International beginnt.

Das Echo hallt bis nach
Eutin: Heide Stock wirbt im Dezember 1976 in der Königstraße um Interessenten – mit Erfolg. Im Jahr darauf wird die Ortsgruppe gegründet, die seitdem aus Eutin nicht mehr wegzudenken
ist. Gründungsmitglied Käthe Birkenfeldt ist seit 35 Jahren aktiv. Nur die heutige Gruppensprecherin Miranda Krützfeld ist auch seit Beginn dabei.

Jetzt legt Käthe Birkenfeldt eine Chronik vor, die die örtlichen Amnesty-Aktivitäten von den Anfängen bis zum Jahr 2012 dokumentiert. Über zwei Jahre hat sie daran gearbeitet – eine spannende, aber auch mühsame Aufgabe: Gerade Fotos und Artikel aus den Anfangsjahren waren noch nicht digitalisiert und mussten einzeln eingescannt werden. Aus Fotos, Flugblättern und Presseartikeln sind 136 Seiten entstanden, farbig gedruckt auf hochwertigem Fotopapier. „Es ist mehr, als ich gedacht habe. Aber ich wollte alles verwenden, was wir gesammelt hatten.“ Selbst die Anwesenheitsliste der Gruppe vom Mai 1977 findet sich in der Chronik. „Hier ist meine Unterschrift, dort Mirandas“, sagt Birkenfeldt und deutet auf eine Buchseite.

So ist jedes einzelne der
35 Jahre dokumentiert – ein Stück Lebensgeschichte. „Wir hatten zu Beginn viel Unterstützung“, erinnert sich Käthe Birkenfeldt. Dabei hebt sie die kontinuierliche Berichterstattung des Ostholsteiner Anzeigers und der Lübecker Nachrichten hervor. Ebenso wichtig sei die Kreisbibliothek Eutin gewesen, deren Räumlichkeiten für Lesungen, Vorträge und andere Veranstaltungen zur Verfügung standen. „Das waren schon unsere Haupthilfen“, betont das langjährige Mitglied. Seit vergangenem Jahr ist Käthe Birkenfeldt nicht mehr bei jedem Gruppentreffen dabei, arbeitet jedoch im Hintergrund aktiv weiter.

Finanziert wird die Gruppe durch Beiträge ihrer Mitglieder und Förderer; mehrmals im Jahr werden Benefizkonzerte organisiert. Die Möglichkeiten, sich zu engagieren, sind vielfältig: Neben der aktiven Mitarbeit in der Ortsgruppe können Interessierte Fördermitglied werden oder sich von zu Hause an Briefaktionen beteiligen.

Wie wirksam die Arbeit von Amnesty International ist, zeigt der jüngste Gruppenerfolg: Die iranische Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotudeh, die seit 2010 in Teheran inhaftiert war, ist frei. Mit Unterschriftenlisten und Briefen an die iranische Regierung hatte sich die Eutiner Gruppe daran beteiligt, auf ihre Freilassung hinzuwirken.

Der Iran wird auch das Schwerpunktthema im Herbst sein: Im November ist in der Kreisbibliothek die Ausstellung „Irans Herz schlägt“ zu sehen. Sie ist mutigen Iranerinnen gewidmet, die sich für Menschenrechte in ihrem Land einsetzen. Weiterhin sind Lesungen und Filmvorstellungen zu diesem Thema geplant.

Mehr Informationen sind der Internetseite der Ortsgruppe zu entnehmen. Bei Interesse an der Chronik, die 52 Euro kostet, ist Käthe
Birkenfeldt unter Tel. 04523/ 6918 zu erreichen.

www.amnesty-international-eutin.de

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