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Ostholsteiner Anzeiger

12. Dezember 2017 | 20:31 Uhr

300 tote Hühner neben Mastanlage

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Spaziergänger entdeckt in Kühren einen Berg von illegal entsorgten Tierkadavern / Grüne fordern Aufklärung / Kreis Plön ermittelt

shz.de von
erstellt am 02.Okt.2014 | 17:27 Uhr

Schön ist es in Kühren. Wiesen, Felder, angrenzend liegt der Lanker See. Viele der alten Gebäude in dem Dorf südlich von Preetz gehören zum Gut von Bülow. Und dazu gehört auch eine Mastanlage. Hier leben mehr als 60 000 Hühner – und drum herum 680 Einwohner.

Nicht alle waren einverstanden mit dem Bau der Mastanlage. Schnell war eine Bürgerinitiative gegründet. Großer Protest – wie in anderen Teilen Deutschlands gegen Massentierhaltung – blieb jedoch aus.

Unruhe gab es jetzt aber doch im beschaulichen Kühren: Ein Spaziergänger entdeckte neben einem Feldweg unweit der Mastanlage einen Berg von toten Hühnern. Die Preetzer Polizei zählte in ihrem Bericht später 300 tote Tiere. Der Kührener Spaziergänger hatte 500 gezählt, Strafanzeige gestellt und die Kreisverwaltung informiert. Das war Ende August.

Inzwischen hat das Ganze die Grünen auf den Plan gerufen. Deren Kreistagsabgeordneter Gerd Dreßler stellte der Landrätin Stephanie Ladwig in einem Brief die Frage, ob es „zu viele tote Hühner in der Legehennenanlage in Kühren“ gibt. Gleichzeitig fordern die Grünen stärkere Überwachung der Massentierhaltung. Dreßler bringt es auf den Punkt: „Der Betreiber entsorgt hier illegal Kadaver.“

Axel Werner Graf von Bülow, Geschäftsführer der Anlage, stand für OHA-Nachfragen leider nicht zur Verfügung. Als 2012 Schüler im Rahmen des Projekts „Zeitung in der Schule“ bei ihm zu Gast waren, erklärte er jedoch, dass der Hühnerverlust über zwölf Monate bei ihm etwa 3000 Tiere betrage. Auf seinem Hof lebten damals 68 000 Hühner. Inzwischen steht eine zweite Halle, die etwa 75 000 Hühner fasst.

Von Bülow erklärte den Schülern weiter, dass ein Stall aus zwölf Abteilen bestehe, in denen jeweils 6000 Hühner auf 180 Quadratmeter für zwölf Monate leben.

Für Dreßler und andere Tierschützer ein Graus. Den Grünen-Politiker treibt nun die Frage um, ob der Kreisverwaltung Hinweise für eine außergewöhnlich hohe Mortalitätsrate in der besagten Legehennenanlage in Kühren vorlagen und wie die Kreisverwaltung künftig den Betreiber zur Meldepflicht der zu beseitigenden Tierkörper veranlassen will.

Die Ermittlungen seitens der Veterinäraufsicht seien abgeschlossen, sagt der Pressesprecher des Kreises, Björn Demmin. Die Kadaver seien aus der Kührener Anlage, ein Bußgeldverfahren inzwischen eingeleitet. „Dies geschah wegen des Verstoßes gegen das Tierische Nebenproduktebeseitigungsgesetz“, so Demmin weiter.

Generell bestehe für alle landwirtschaftlichen Nutztiere „eine Melde- und Beseitigungspflicht über eine Tierkörperbeseitigungsanlage“, sagt Demmin. In diesem Fall die Firma Saria in Neumünster.

Dreßler berichtet außerdem, dass anlässlich eines Einsatzes der Freiwilligen Feuerwehr Kühren Anfang August in Gebäuden der Legehennenanlage von den Einsatzkräften auffällig viele tote Hühner in den Stallungen festgestellt wurden. Dreßler vermutet, eine „außergewöhnlich hohe Mortalitätsrate, die dazu führt, dass der Betreiber Tierkadaver illegal entsorgt, um die Meldepflicht zu umgehen“.

Für den Kreis ist die illegale Entsorgung „ein Ausnahmetatbestand“, so Björn Demmin. Allenfalls einmal jährlich werde der Veterinärbehörde im Zusammenhang mit verschiedenen Tierarten ein derartiger Verstoß gemeldet. Die Veterinäraufsicht des Kreises Plön kontrolliere routinemäßig zwei Mal pro Jahr „einerseits im Rahmen des Salmonellen-Monitorings und andererseits im Rahmen der Lebendbeschau vor der Schlachtung“ derartige Betriebe, so Demmin. Und die Anlage in Kühren sei bisher nicht auffällig geworden.

Das bestätigte auch die Polizei, der keine weiteren Ermittlungen gegen die Anlage führt – und auch nicht gegen eventuelle Gegner der Massentierhaltung.

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